Screenshot facebook.com/mhl.asyl

Umgang mit Hass-Kommentaren "Counter Speech": Argumente gegen Rechts

Stand: 07.09.2015 12:18 Uhr

In sozialen Netzwerken finden hitzige Debatten zum Thema Flüchtlinge statt. Sogenannte Hass-Poster unterwandern die Diskussion, rufen teils zu Gewalt auf. Doch wie umgehen mit Radikalen im Netz? Eine Lösung: "Counter Speech".

Von Johannes Groß für tagesschau.de

Oft harmlos verpackt ("Ich habe ja nichts gegen Flüchtlinge, aber ..."), ist Fremdenhass gerade dabei, vor allem in Sozialen Netzwerken wieder salonfähig zu werden. Die Hemmschwelle scheint hier niedriger zu sein als im wahren Leben. Besonders befremdlich wird es, wenn derartige Kommentare in der eigenen Freundesliste auftauchen.

Konfrontieren statt ignorieren

Der Blogger Sascha Lobo hat jüngst darauf hingewiesen, dass man dem Hass nicht mit Hass begegnen sollte. Er stützt sich dabei auf die Erkenntnisse der Harvard-Forscherin Susan Benesch, die den Begriff "Counter Speech" (zu Deutsch etwa: Gegenrede) etabliert hat. "Counter Speech" setzt darauf, jede noch so inhaltsleere Argumentation, jeden noch so stumpfen Gewaltaufruf mit ruhig vorgetragener Rationalität, stichhaltigen Argumenten und einem unerschütterlichen Standpunkt zu beantworten. Oft gerate der Urheber dann in Erklärungsnot, seine Postings verlieren an Strahlkraft.

"Vorsicht vor Gegenkampagnen"

Auch der Bielefelder Konfliktforscher Prof. Andreas Zick rät dazu, zunächst eine deutliche eigene Position zu entwickeln, bevor man verbal in den Ring steigt: "Man muss wissen, wie man mit Gegenreaktionen klarkommt", sagt Zick im Gespräch mit tagesschau.de. "Politische Ideologien sind stärker in das Netz geraten, als wir dachten. Menschenfeindliche Bilder, Erzählungen, Gerüchte sind dort gespeichert. Bisher fehlte es oft an der nötigen Kompetenz, um dem zu begegnen." Auf Portalen wie "Netz gegen Nazis" könne man sich Anleitung holen, um effektiv gegen Hass-Poster vorzugehen: "Nicht-Reagieren dient eher der Aufrechterhaltung der negativen Botschaften."

Prominente Vorbilder helfen

"Counter Speech", also der Widerstand mit Worten, kann laut Susan Benesch besonders dann wirksam werden, wenn bekannte Vorbilder die Menschen, die in der Debatte unentschlossen oder verunsichert sind, abholen und bestärken. Jüngst haben sich etwa Joko & Klaas, Oliver Kalkofe und das DFB-Team gegen die rechte Hetze geäußert. Ein Kommentar von Anja Reschke in den Tagesthemen zum Umgang mit dem neuen bürgerlichen Radikalismus wurde millionenfach angeklickt und geteilt - mit überwiegend positivem Zuspruch. Parallel zum immer stärker werdenden Engagement im wahren Leben müsse es auch eine "digitale Zivilgesellschaft" geben, wie sie Simone Rafael von "Netz gegen Nazis" nennt.

Volksverhetzung zur Anzeige bringen

Der Konfliktforscher Zick rät dazu, "auf keinen Fall alles hinzunehmen". Wenn Inhalte gewaltverherrlichend ("Kopfschuss und fertig") und damit volksverhetzend werden, helfe nur noch ein Antrag auf Löschung beim Seitenbetreiber und eine Anzeige: "Das haben wir bisher viel zu wenig getan." Die eigentliche Gewalt beginne aber schon viel früher: "Geflüchtete und asylsuchende Menschen werden auch dadurch langfristig geschädigt, dass menschenfeindliche Bilder entwickelt und als Wahrheit geglaubt werden."

Darstellung: