Landwirtschaftsminister Schmidt und Umweltministerin Hendricks | Bildquelle: dpa

Hendricks und Schmidt "Bauernregeln" sorgen für Streit

Stand: 06.02.2017 11:21 Uhr

Streit unter Bundesministern kommt vor - doch selten wird er so öffentlich ausgetragen wie zwischen Umweltministerin Hendricks und Landwirtschaftsminister Schmidt. Auslöser des Disputs war eine Plakatkampagne für umweltverträgliche Agrarpolitik.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Die Optik stimmt schon mal: Die Sprüche, die das Bundesumweltministerium in seiner Plakatkampagne benutzt, sehen aus wie handgestickt für die Wohnküche - Küchenhandtuch-Stoff, verziert mit Blütenranken, in der Mitte der Text: "Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein", steht da. Oder: "Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt."

Insgesamt gibt es elf solcher Sprüche. Das sei das Allerletzte, findet Landwirtschaftsminister Christian Schmidt. In einem Brief fordert er von Umweltministerin Barbara Hendricks eine Entschuldigung. Eine vermeintliche Meinungselite aus den Metropolen amüsiere sich hier auf Kosten der Menschen im ländlichen Raum, schimpfte Schmidt.

Hendricks griff daraufhin auch zum Stift und schrieb einen vierseitigen Brief zurück - öffentlich, genauso wie zuvor ihr CSU-Kollege. Ihr gehe es um die künftige Ausrichtung der EU-Agrarpolitik, so Hendricks. Sie finde, Bauern sollten dafür honoriert werden, wenn sie umweltverträglich wirtschafteten. Das habe Schmidt bisher aber immer blockiert.

"Musste um jeden Millimeter ringen"

In dem Brief heißt es weiter, Hendricks habe die Erfahrung gemacht, dass sie "trotz der unbestreitbaren Umweltbelastungen aus der Landwirtschaft in dieser Legislaturperiode um jeden Millimeter an Verbesserungen mit Ihrem Haus und mit der Unionsfraktion ringen musste." 

Nun kann man über die Eleganz der hendricksschen Bauernregeln streiten - aber in der Tat ist intensive Landwirtschaft die Ursache für viele Umweltprobleme in Deutschland. Trotzdem hat sich die SPD-Politikerin nicht nur Freunde gemacht mit ihren Bauernregeln - auch in den eigenen Reihen nicht.

Er könne nur mit dem Kopf schütteln, sagt Stephan Weil, sozialdemokratischer Ministerpräsident von Niedersachen. Mit der Realität eines bäuerlichen Betriebes habe das alles nicht viel zu tun. Hierzu sei angemerkt, dass in Niedersachsen die Regionen mit der größten Viehdichte in Deutschland liegen. Im Westen des Landes führt das zu massiven Problemen, zum Beispiel beim Grundwasser. Das liege an der Gülle der vielen Schweine - sagt Weils eigener Umweltminister.

"One apple a day keeps Putin away"

Der Bundeslandwirtschaftsminister hat auch gar nicht grundsätzlich etwas gegen Bauernregeln - er erfindet sogar selbst gerne welche. "One apple a day keeps Putin away", dichtete Schmidt 2014, als er die Deutschen dazu aufrief, mehr Äpfel zu essen, um den Apfelerzeugern zu helfen, die wegen der EU-Sanktionen gegen Russland auf ihrer Ware sitzen geblieben waren.

Hendricks könnte den Satz ja noch als zwölftes Plakatmotiv dazu nehmen - vielleicht klappt es dann auch wieder mit dem Kollegen.

Steht das Schwein auf einem Bein: Hendricks und Schmidts Krach über Bauernregeln
A. Krämer, ARD Berlin
06.02.2017 10:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Februar 2017 um 09:32 Uhr.

Darstellung: