Bundessozialministerin Nahles im Kabinett am 09.11.2016 | Bildquelle: dpa

Stiftung für behinderte Heimkinder Ende einer "Gerechtigkeitslücke"

Stand: 09.11.2016 15:19 Uhr

Für ehemalige Heimkinder in BRD und DDR gibt es inzwischen den zweiten Hilfsfonds. Menschen mit Behinderung waren bisher außen vor. Nun hat das Kabinett die Errichtung einer Stiftung beschlossen. Sozialministerin Nahles sprach vom Ende einer "nicht hinnehmbaren Gerechtigkeitslücke".

Menschen mit Behinderung, die in Heimen unter restriktiven Erziehungsmethoden leiden mussten, können ab kommendem Jahr Entschädigungen erhalten. Das Bundeskabinett hat beschlossen, dass dafür eine Stiftung mit dem Namen "Anerkennung und Hilfe" errichtet wird. Sie wird von Bund, Ländern und Kirchen finanziert. Betroffene können eine Einmalzahlung von 9000 Euro erhalten. Zudem gibt es Rentenersatzleistungen von bis zu 5000 Euro.

Bentele: "Ich bin froh"

Die Stiftung richtet sich an Menschen, die in der Bundesrepublik zwischen 1949 und 1975 oder in der DDR zwischen 1949 und 1990 in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in Psychatrien untergebracht waren. Die Behinderten dort waren oftmals gewaltsamen Erziehungsmethoden ausgesetzt. Wenn die Kinder dort auch arbeiten mussten, haben sie zusätzlich Anspruch auf die Rentenersatzleistungen.

Die Behindertenbeauftragte des Bundes, Verena Bentele, begrüßte den Kabinettsbeschluss: "Ich bin froh, dass die Opfer von Leid und Unrecht in stationären Behinderteneinrichtungen und Psychiatrien, die heute noch an den Folgewirkungen leiden, jetzt Unterstützung erhalten können."

Ein Gitterfenster des ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau (Archiv)
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Viele Kinder mussten in BRD und DDR unter restriktiven Erziehungsmethoden leiden.

Ende einer "Gerechtigkeitslücke"

Nach dem Beschluss soll die Stiftung Anfang Dezember gegründet werden. Bund, Länder und Kirchen zahlen zu gleichen Teilen in das Vermögen von 288 Millionen Euro ein. Das Geld soll für fünf Jahre reichen. Anträge können ab Beginn des kommenden Jahres bis Ende 2019 eingereicht werden. Dafür werden in Zukunft regionale Anlauf- und Beratungsstellen eingerichtet. Sozialministerin Andrea Nahles würdigte die Errichtung der Stiftung als Ende einer "nicht hinnehmbaren Gerechtigkeitslücke."

Schon seit Längerem gibt es Fonds für ehemalige Heimkinder. Menschen mit Behinderungen waren davon bisher immer ausgeschlossen. Dagegen hatten Behindertenvertretungen lange gekämpft.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. November 2016 um 12:04 und 13:03 Uhr.

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