Heiko Maas | Bildquelle: dpa

Maas als Außenminister Das Trainingslager ist vorbei

Stand: 09.03.2018 13:49 Uhr

Das Justizministerium war eine Art Trainingslager für den Triathleten Heiko Maas. In die Krisendiplomatie, die das Außenamt erfordert, muss der Saarländer aber erst hineinwachsen.

Von Andrea Müller, ARD-Hauptstadtstudio

"Berlin ist mir zu flach", klagte der Triathlet Heiko Maas 2014 - ein Jahr nach seinem Wechsel in die Hauptstadt. "Da ich Radfahrer und auch Rennradfahrer bin und ich am liebsten die Berge hochgefahren bin - hier sind aber keine. Das ist echt schade."Das bleibt auch schade. Politisch aber geht es jetzt steil bergauf für den Newcomer von Merkels GroKo Nummer 3. 

Heiko Maas auf dem Fahrrad | Bildquelle: picture alliance / Eibner-Presse
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"Berlin ist mir zu flach", klagte der Triathlet Heiko Maas.

2013 hatte niemand mit ihm gerechnet. Mit dem SPD-Chef und Minister aus dem kleinen Saarland. Sein jetziger Vorgänger hatte ihn allerdings auf dem Zettel. "Anscheinend war Sigmar Gabriel der Auffassung, dass ich in der Lage bin, eine solche Herausforderung auch bewältigen zu können", sagt Maas.

Diplomatie bisher im Kleinen

Von der Justiz ins Außenamt. Das wird ein Riesenschritt. Diplomatie beherrscht Maas bisher nur im Kleinen. Die vergangenen vier Jahre waren eine Art Trainingslager. Sein Sparringspartner: Thomas de Maizière, CDU-Innenminister und Hardliner wenn es um Anti-Terrorgesetze geht. Bei der Vorratsdatenspeicherung ging Maas als Verlierer vom Platz. Ohne Kompromisse geht es eben nicht in einer Koalition, sagt Maas.

Mit dieser Haltung verschafft er sich Respekt bei der Union. De Maizière sagt über ihn: "Ich bedanke mich bei meinem Kollegen Maas auch für die faire und zugleich geräuschlose Art und Weise unserer Gespräche."

Fair und geräuschlos. Als Minister hat er fleißig geliefert - Gesetze am Fließband und deutliche Worte gegen Rechtsextremisten. Nach nur vier Jahren gehört er nun  zu den Erfahrensten in der neuen Ministerriege der SPD. Er galt als gesetzt für Merkels GroKo Nummer 4.

Keine Beteiligung am jüngsten SPD-Chaos

Auf dem SPD-Parteitag im Januar klang er allerdings, als wäre er gerne geblieben, was er war: "Wenn wir etwas gegen Rassismus und Antisemitismus machen, dann wäre es mir lieber, dass wir nicht nur dagegen anreden, sondern dass wir etwas dagegen tun können und das kann man besser, wenn man regiert in einem Land."

Heiko Maas | Bildquelle: picture alliance / Kay Nietfeld/
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"Wenn wir etwas gegen Rassismus und Antisemitismus machen, dann wäre es mir lieber, dass wir nicht nur dagegen anreden, sondern dass wir etwas dagegen tun können und das kann man besser, wenn man regiert in einem Land."


Es war ruhig geworden um Maas nach der Bundestagswahl. Das SPD-Chaos nach dem Scheitern von Jamaika  - so schien es - hat er mehr von der Seitenauslinie beobachtet. Kommentiert hat er es erst ganz am Schluss bei Anne Will.

"Bei einem solchen Wahlergebnis in die Opposition zu gehen, ist durchaus etwas, wo man sagen kann: Okay, wir haben verstanden. Dass man das dann noch einmal bestätigt, nachdem die Sondierungen bei Jamaika geplatzt sind - ich glaube, es gibt keinen mehr in der SPD, der das als Weisheit letzter Schluss heute nimmt."

Ruhe bewahren, wenn andere poltern. Diese Strategie kann nicht schaden im Außenministerium. Über die ersten Hürden wird das gut organisierte Amt helfen.

Europa liegt dem Saarländer am nächsten

Inhaltlich aber wird er hineinwachsen müssen in die weltweite Krisendiplomatie. Europa liegt dem Saarländer wohl am nächsten. Seine Heimat war umkämpfter Zankapfel mitten in Europa. Heute gehört gute Nachbarschaft zu Frankreich und Luxemburg zur Identität.  

Das Friedensprojekt Europa muss gerettet werden - davon ist Maas überzeugt. Und vielleicht hatte Gabriel das ja auch im Kopf, als er über das Gefühl sprach, mit dem er das Amt verlässt: "Wenn es stimmt, dass er neuer Außenminister werden soll, dann mit einem ausgesprochen gutem Gefühl. Er wird das exzellent machen."

Neuer Außenminister Heiko Maas: Kann er das?
A. Müller, ARD Berlin
09.03.2018 11:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. März 2018 um 15:00 Uhr.

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