Ortsschild Heidenau | Bildquelle: dpa

Krawalle in Heidenau Mutmaßlicher Neonazi bewachte Flüchtlingsheim

Stand: 02.09.2015 19:02 Uhr

Während der rassistischen Randale in Heidenau ist die Flüchtlingsunterkunft ausgerechnet durch Sicherheitsleute geschützt worden, unter denen auch ein mutmaßlicher Neonazi war. Der Dresdner ist bei Facebook mit NPD-Funktionären befreundet.

Von Lena Kampf, NDR, und Andrea Röpke

Tagelang hat Philipp B. das Flüchtlingsheim in Heidenau bewacht, doch auf Facebook hetzt er gegen die Bewohner: "Asylschmarotzer" nennt er sie - und unterstützt "Kastration und Zwangsausweisungen" für kriminelle Ausländer. Einen NPD-Werbespot zur Bundestagswahl 2013 bezeichnete er als "sehr gelungen", man müsse schließlich ein "bissl mobil machen".

Während in der sächsischen Kleinstadt Heidenau die schwersten Ausschreitungen von rechten Demonstranten gegen Asylbewerberheime seit den 1990er-Jahren wüteten, war also womöglich ein mutmaßlicher Neonazi und Hooligan für die Sicherheit mitverantwortlich. Philipp B., 22, ein Dresdner, der sich auf Facebook zur NPD und zur rechtslastigen Hooligan-Gruppierung "Army of Dresden West" bekennt, wurde vom "Antifa Recherche Team Dresden" am Tor der Erstaufnahmeeinrichtung Heidenau wiedererkannt.

Ein Foto zeigt den Mann bei der Einlasskontrolle am Gelände des ehemaligen Baumarkts, auf dem Ende August 250 Flüchtlinge untergebracht wurden. Auch rund um den Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in Heidenau soll Philipp B. als Sicherheitsmann im Flüchtlingsheim im Einsatz gewesen sein.

NPD-Funktionäre vor Ort

Mit Gewalt hatten in Heidenau rechte Demonstranten, unter anderem aus dem Hooligan-Spektrum, versucht, den Einzug der Flüchtlinge zu verhindern. Sie blockierten Straßen, warfen mit Steinen, Böllern und Flaschen auf Polizisten und Gegendemonstranten. Der Generalbundesanwalt prüft, ob er die Ermittlungen an sich zieht.

Rechtsextreme Gegner einer Notunterkunft in heidenau bei Dresden | Bildquelle: REUTERS
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Rechtsextreme Randale in Heidenau

Die NPD hatte zu Protesten aufgerufen, im Anschluss daran kam es zu den Ausschreitungen. Vor Ort war auch der ehemalige NPD-Landtagsabgeordnete Rene Despang. Sowohl mit Despang, als auch mit dem NPD-Bundesvorstandsmitglied Jens Pühse ist der Security-Mitarbeiter Philipp B. auf Facebook befreundet.

Schon der Komiker Oliver Pocher hatte vor zwei Tagen einen Mann aus dem "Sicherheitsgewerbe" in Heidenau interviewt. "Sollen sie doch wieder rübergehen nach Syrien", sagt der Mann im Auto, den Pocher in einem Youtube-Video befragt. Die würden nicht Deutsch lernen wollen und bekämen trotzdem Steuergelder, beschwert er sich. Dem Ko-Darsteller von Pocher, einem schwarzen Deutschen, empfiehlt er: "Arbeiten gehen!" Weil Protest nichts bringe, habe er da nicht mitgemacht, sagt er weiter, aber seine Sicherheitsfirma, die würde das Flüchtlingsheim bewachen. Pocher wirkt überrascht, geradezu konsterniert.

Dabei kommt es immer wieder zu Problemen mit Security-Firmen, die für den Schutz von Asyleinrichtungen verantwortlich sind. Der bekannteste Übergriff fand in einem Heim in Burbach, Nordrhein-Westfalen, statt, wo ein Wachmann einen Flüchtling misshandelt hatte. Auch in Jena und Brandenburg waren Presseberichten zufolge bekannte Neonazis bei Sicherheitsunternehmen eingesetzt, um Flüchtlingsunterkünfte zu schützen.

Von Sicherheitsleuten misshandelter Flüchtling in der Notunterkunft Burbach | Bildquelle: dpa
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Von Sicherheitsleuten misshandelter Flüchtling in Burbach

Die Erstaufnahmeeinrichtung in Heidenau wird von der Landesdirektion Sachsen betrieben, das Deutsche Rote Kreuz Sachsen ist mit der Versorgung der Flüchtlinge beauftragt, für die Sicherheit wurde das Unternehmen Securitas Holding GmbH eingesetzt. Die Sicherheitsmitarbeiter seien für die "Aufrechterhaltung der inneren Ordnung" zuständig, sagt ein Sprecher der Landesdirektion. Sollte es zu Auseinandersetzungen unter den Bewohnern kommen, würden die Mitarbeiter dazwischen gehen und "verbal de-eskalierend wirken".

Der Auftrag für das Heim auf einem ehemaligen Baumarktgelände sei sehr kurzfristig erteilt worden, nur zwei Tage vor Bezug der Flüchtling hatte die Landesdirektion den Plan öffentlich gemacht.

"Wir untersuchen den Fall"

Securitas-Sprecher Bernd Weiler bestätigt, dass Philipp B. dem Unternehmen mittlerweile bekannt geworden ist. "Wir untersuchen den Fall. Wir haben bereits reagiert und den Mann vom Objekt abgezogen", sagt Pressesprecher Bernd Weiler.

B. habe für einen Subunternehmer von Securitas gearbeitet, der kurzfristig hinzugezogen wurde. Die Personalunterlagen, darunter auch das polizeiliche Führungszeugnis, waren einwandfrei. Mit dem Subunternehmer habe man vorher bereits zusammengearbeitet. Philipp B. selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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