Langzeitarbeitslose, Agentur für Arbeit | Bildquelle: a (Dölling)

Hartz IV-Empfänger Immer länger ohne Job

Stand: 16.04.2018 15:48 Uhr

Trotz Job-Boom und Rekordtief bei der Arbeitslosigkeit: Hunderttausende brauchen Hartz IV und bleiben im Schnitt immer länger ohne Arbeit. Das besagen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Hartz-IV-Bezieher sind in den vergangenen Jahren im Schnitt immer länger ohne Job geblieben. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit stieg kontinuierlich an - und zwar von 555 Tagen im Jahr 2011 auf 650 Tage im Jahr 2017. 2016 waren es noch 629 Tage. Auf diese Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hat die Linkspartei im Bundestag aufmerksam gemacht.

"Verhärtung der Langzeitarbeitslosigkeit"

2011 waren rund 298.000 Hartz-IV-Bezieher länger als drei Jahre arbeitslos. Bis 2017 stieg diese Zahl auf rund 317.000 Menschen. "Man könnte von einer Verhärtung der Langzeitarbeitslosigkeit sprechen", sagte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit einer Dauer von weniger als zwei Jahren sank im selben Zeitraum um fast 100.000. Sie gelten als etwas marktnäher, haben also größere Chancen auf dem boomendem Jobmarkt. Die Zahl aller Langzeitarbeitslosen sank seither um 114.000 auf 809.000 Menschen im Jahresdurchschnitt 2017. Als Langzeitarbeitslose gelten alle, die länger als ein Jahr ohne Job sind.

Agentur für Arbeit, arbeitslos | Bildquelle: Keystone
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Hartz-IV-Bezieher immer länger ohne Job

Es gibt rund sechs Millionen Hartz-IV-Bezieher, viele haben noch einen Minijob. Derzeit liegt der Regelsatz für einen Alleinstehenden bei 416 Euro im Monat. Eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft bekommt im Schnitt 954 Euro.

"Blamables Ergebnis"

"Dass die Dauer der Erwerbslosigkeit im Hartz-IV-System steigt, ist ein blamables Ergebnis für die verschiedenen Bundesregierungen und leider logische Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstands", so die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann. Seit 2010 seien die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit drastisch gekürzt worden. Zimmermann sagt, die Perspektivlosigkeit für Hartz-IV-Beziehende habe in den vergangenen Jahren zugenommen. Es sei ein Skandal, dass die Bundesregierung Millionen Menschen aufs Abstellgleis schiebt und sie ihrem Schicksal überlässt. Es müsse dringend erheblich mehr Geld für Unterstützungsleistungen zur Verfügung gestellt werden.

"Nicht überraschend"

Aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit ist ein Anstieg der Dauer von Arbeitslosigkeit bei Hartz-IV-Beziehern nicht überraschend. Denn bei den Betroffenen kämen oft mehrere Hemmnisse zusammen, die eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt erschweren. Die BA weist aber darauf hin, dass auch Menschen mit langer Arbeitslosigkeit immer wieder einen Job finden. Bis 2017 stieg die durchschnittliche Dauer vorheriger Arbeitslosigkeit bei jenen, die einen Job fanden, leicht auf 397 Tage. Dies zeige, dass es auch Menschen mit längerer Dauer gelingt, die Arbeitslosigkeit zu beenden, so der Sprecher.

Die Regierungskoalition hat Vollbeschäftigung zum Ziel erklärt. Sie will also auch Menschen, die lange arbeitslos waren, neue Perspektiven geben. So soll ein sozialer Arbeitsmarkt geschaffen werden. 150.000 Langzeitarbeitslose sollen mit Lohnkostenzuschüssen einen Job in Unternehmen, gemeinnützigen Einrichtungen oder Kommunen bekommen.

"Solidarisches Grundeinkommen"

In der SPD wird zudem ein "solidarisches Grundeinkommen" diskutiert: Die Mittel für Langzeitarbeitslose sollen demnach verstärkt verwendet werden, um für sie eine freiwillige und unbefristete Tätigkeit bei den Kommunen zu bezahlen. Dem erteilte Kanzleramtsminister Helge Braun, CDU, im "Tagesspiegel am Sonntag" eine Absage: "Ein Grundeinkommen, wie es auch immer aussieht, ist kein Projekt dieser Koalition".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. April 2018 um 13:20 Uhr.

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