Handy in der Schule | Bildquelle: dpa

Handyverbot an Schulen Besser lernen ohne Smartphone?

Stand: 31.07.2018 19:35 Uhr

Ein Handyverbot an Schulen, wie es künftig in Frankreich gilt, gibt es in Deutschland bislang nur in einem Bundesland. Wie sinnvoll wäre es, Mobiltelefone aus Schulen zu verbannen?

Von Stephan Ebmeyer, SWR

Die Zeiten ändern sich, das Bildungssystem hat Mühe, Schritt zu halten: Während Handys heutzutage für die meisten Schüler zum Alltag gehören, sind sie zumindest während des Unterrichts in den meisten Schulen tabu. In Deutschland regeln das die Schulgesetze der Länder oder individuell die Schulen in ihren jeweiligen Hausordnungen. Mit einer Ausnahme: Bayern.

Handyverbot nur in Bayern

Der Freistaat ist bislang das einzige Bundesland, das ein Handyverbot in seinem Schulgesetz verankert hat. Seit 2006 steht im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz dazu in Artikel 56: "Im Schulgebäude und auf dem Schulgelände sind Mobilfunktelefone und sonstige digitale Speichermedien, die nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden, auszuschalten. Die unterrichtende oder die außerhalb des Unterrichts Aufsicht führende Lehrkraft kann Ausnahmen gestatten."

Doch selbst in Bayern regt sich Widerstand gegen die Regelung. Verbände und Opposition fordern eine Lockerung – wenigstens in Schulpausen.

Frankreich verschärft Verbot

In Frankreich sind nach den Sommerferien Mobiltelefone in Vor- und Grundschulen und in der Sekundarstufe I verboten. Bereits seit 2010 gilt in Frankreich ein Gesetz, das Handys im Unterricht untersagt. Die neue Regelung schließt auch Smartphones, Tablets und sogar Smartwatches mit ein, auch außerhalb des Schulgebäudes. Ausnahmen gibt es nur, wenn die Geräte im Unterricht eingesetzt werden und für Kinder mit einer Behinderung.

Debatte in Deutschland

Für Deutschland lehnt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) ein Handyverbot wie in Frankreich ab: "Ein generelles, gesetzliches Verbot hilft uns nicht weiter." Die Schulen bräuchten "vor allem Regelungen, mit denen Grenzen gezogen werden können, aber gleichzeitig das Erlernen von Medienkompetenz ermöglicht werden kann".

Ein viel größeres Problem sei dagegen die "steinzeitliche Ausstattung", bemängelt der Verband. "Solange die Schulen also nicht entsprechend ausgestattet sind, um mit staatlich finanzierten Geräten Medienkompetenz zu vermitteln, sind wir gezwungen, auf die Medien zurückzugreifen, die die Kinder mitbringen", erklärt der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann. Das Erlernen von Medienkompetenz sei für die "Arbeitswelt von morgen" zentral.

Gute Apps für mehr Medienkompetenz?

Der Deutsche Lehrerverband beurteilt den französischen Vorstoß dagegen positiv. Die Expertin für Bildung und digitale Medien, Linda Breitlauch von der Hochschule Trier, hält nichts von einem generellen Handyverbot: "Eine sinnvolle Einbindung in den Unterricht - etwa für Recherche oder durch gemeinsame Nutzung guter Apps - kann das Gemeinschaftsgefühl und die Medienkompetenz fördern. Mit diesem Potenzial lassen sich gute pädagogische Konzepte entwickeln."

Gelehrt wird immer noch analog

Die Digitalisierung hat längst die Schulen erreicht: Doch in digitalen Zeiten wird dort noch immer hauptsächlich analog gelehrt. Das betrifft auch die Lehrer. "Insbesondere Lehramtskandidaten sind im Vergleich zu allen anderen Studiengängen am wenigsten digital-affin", kritisiert Ralph Müller-Eiselt von der Bertelsmann-Stiftung. Sein Fazit: "Handys gehören nicht verboten, sondern als selbstverständliches Lernmittel auf den Tisch."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Juli 2018 um 17:00 Uhr.

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