Reisende schlafen am Helmut-Schmidt-Airport im ''Terminal Tango'' auf Feldbetten | Bildquelle: dpa

Flugausfälle nach Stromausfall Welche Rechte haben Passagiere?

Stand: 04.06.2018 11:51 Uhr

Der stundenlange Stromausfall am Hamburger Flughafen hat zu zahlreichen Flugausfällen und Verspätungen geführt. Die betroffenen Fluggäste haben Rechte und Ansprüche.

Von Christoph Kehlbach, ARD-Rechtsredaktion

Das EU-Recht, genauer gesagt die EU-Fluggastrechteverordnung, gibt Passagieren weitreichende Ansprüche, wenn ihr Flug ausfällt oder deutlich verspätet ist. Grundsätzlich gelten diese Ansprüche für alle Flüge, die aus dem Gebiet der Europäischen Union abgehen, selbst wenn es sich um eine Fluglinie handelt, die außerhalb der EU ihren Sitz hat. Das EU-Recht unterscheidet zwischen sogenannten Betreuungsleistungen und Entschädigungszahlungen.

Anspruch auf Unterstützung

Laut Artikel 9 der Fluggastrechte Richtlinie haben Passagiere einen Anspruch auf Unterstützung, wenn ihr Flug ausgefallen ist oder sich deutlich verspätet. Die Airlines müssen ihnen Mahlzeiten und Erfrischungen "im angemessenen Verhältnis zur Wartezeit" anbieten. Außerdem müssen die Fluglinien den Passagieren die Möglichkeit bieten, unentgeltlich (zweimal) zu telefonieren oder per E-Mail oder Telefax zu kommunizieren.

Sogar Übernachtungskosten können die "gestrandeten" Passagiere von den Fluglinien fordern: Falls ein Aufenthalt über Nacht notwendig ist, müssen sich die Fluglinien nämlich um eine Hotelunterbringung kümmern. Das bedeutet: Sie müssen diese auch bezahlen. Ebenso müssen die Fluglinien die Transportkosten zum Hotel tragen.

Diese Rechte gelten bei Annullierungen oder bei deutlichen Verspätungen, gestaffelt ab zwei, drei oder vier Stunden, je nachdem wie weit der geplante Flug gehen sollte. Verspätungen unter zwei Stunden muss man also in der Regel hinnehmen.

Tickets behalten ihre Gültigkeit

Wichtig: Die Ausrede "höhere Gewalt" gilt nicht. Selbst wenn die Luftfahrtunternehmen nichts für den Stromausfall am Hamburger Flughafen können: Dem Anspruch auf Betreuungsleistungen der Passagiere müssen sie trotzdem nachkommen.

Die Flugtickets behalten natürlich ihre Gültigkeit, man muss also kein Extra-Ticket für einen späteren Ersatzflug bezahlen. Falls allerdings der ursprüngliche Flug annulliert wurde oder die Verspätung mehr als fünf Stunden beträgt, dürfen die Passagiere ihren Flugschein zurückgeben - und sich das Geld rückerstatten lassen.

Grundsätzlich könnten Passagiere bei Annullierung ihres Fluges auch noch eine pauschale Ausgleichszahlung verlangen. Diese beträgt - gestaffelt nach der Länge des geplanten Fluges - bis zu 600 Euro pro Passagier.

Dieser Geldanspruch ist aber ausgeschlossen, wenn die Airline nachweisen kann, dass die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, "wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären". Das könnte im Falle des Stromausfalls am Hamburger Flughafen der Fall sein. Denn die Stromversorgung des gesamten Flughafens liegt in der Regel nicht im Verantwortungsbereich der Airlines.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Juni 2018 um 12:00 Uhr.

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