Robert Habeck und Konstantin von Notz

Grünen-Landesverband in Kiel Ein Listenplatz, zwei Kandidaten

Stand: 23.04.2016 05:41 Uhr

Robert Habeck, Vize-Regierungschef in Schleswig-Holstein, will Grünen-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl werden. Dafür will er heute die Unterstützung der Parteibasis in Kiel. Eng verbunden mit seinem Schicksal ist das seines Parteikollegen von Notz.

Von Janina Lückoff, ARD-Hauptstadtstudio

Es kann nur einen geben, einen männlichen Bundestagsabgeordneten der Grünen aus Schleswig-Holstein. Robert Habeck tritt an gegen Konstantin von Notz. "Aber ein Duell ist das gerade nicht", sagt von Notz. Es ist nämlich komplizierter.

Robert Habeck ist stellvertretender Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Nun will er Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl werden. Die Grünen stimmen im Herbst in einer Urwahl darüber ab. Neben Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, die als bislang einzige Frau unter den Bewerbern als gesetzt gilt, kämpfen Habeck, Fraktionschef Anton Hofreiter und Parteichef Cem Özdemir um die Spitzenkandidatur. Klingt alles ganz einfach, ist es aber nicht. Denn im Fall Habeck kommt Konstantin von Notz ins Spiel.

Robert Habeck
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Habeck ist Umweltminister und Vize-Regierungschef.

"Ein großes Privileg für einen so kleinen Landesverband"

"Wir haben zwei wirklich fähige Politiker aus Schleswig-Holstein, was erstmal für so einen kleinen Landesverband ein großes Privileg ist", sagt Luise Amtsberg, ebenfalls aus Schleswig-Holstein. Aber es ist derzeit eben auch ein großes Problem, wie sie weiter erläutert: "Wir haben eine ganz klare Regelung innerhalb der Partei, dass der erste und der dritte Listenplatz ein Frauenplatz ist und der zweite ein offener Platz. Wir kriegen also drei Mandate für den deutschen Bundestag."

"Das ist keine triviale Situation"

Sollte Habeck nun die Urwahl gewinnen, bekäme er besagten Listenplatz 2 - den bislang Konstantin von Notz hatte. "Das ist keine triviale und unkomplizierte Situation", sagt von Notz. Er hat sich in Berlin einen Namen gemacht. Er ist Grünen-Fraktionsvize, zuständig unter anderem für netzpolitische Themen; er vertritt die Partei im Innenausschuss und ist Grünen-Obmann im NSA-Untersuchungsausschuss. Viele Grüne würden es bedauern, wenn er nicht mehr in den Bundestag käme.

Konstantin von Notz
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Konstantin von Notz hat sich in Berlin einen Namen gemacht.

Robert Habeck will deshalb auf Nummer Sicher gehen: An diesem Wochenende stellt er sich auf dem Landesparteitag in Schleswig-Holstein einer Abstimmung darüber, ob er überhaupt zur Urwahl um die Bundestags-Spitzenkandidatur antreten soll. Nötig wäre das nicht. "Ich wollte mich nicht hinter Formalien verstecken. Das wäre nicht nötig gewesen, aber das Ganze ist sowieso so ungewöhnlich und rüttelt so doll am Stamm, dass es auch egal ist, wann ich das Risiko eingehe", sagt Habeck.

Habeck lässt sich kein Hintertürchen offen

Er agiert nach dem Motto: "All in". Er lässt sich kein Hintertürchen offen. Er will auf keinen Fall wieder für den Landtag kandidieren - auch dann nicht, wenn er die Urwahl gegen Hofreiter und Özdemir nicht gewinnen - oder schon jetzt die Abstimmung dafür nicht schaffen sollte. "Dann werde ich zwei Mal schlucken und als Grüner weiter arbeiten, so gut ich kann, und dann werden andere darüber entscheiden, was ich sinnvoll machen kann."

Das fühle sich gut an, sagt Habeck, mehr noch: "Das ist eine unglaubliche Freiheit, wenn man sich das so klar macht. In meinem Herzen scheint die Sonne." Schließlich handele Politik davon, dass man etwas werden könne, aber dass man sie auch wieder verlässt.

Von Notz ist offen für andere Dinge

Ähnlich sieht das Konstantin von Notz, dessen politisches Schicksal nun an das seines Freundes Robert Habeck gekoppelt ist: "Ich glaube, dass jeder, der Berufspolitik macht, einen Plan dafür haben sollte, was er macht, wenn er keine Politik mehr macht." Wie sein Plan aussieht, will von Notz nicht verraten. Als Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein aber stünde er nicht zur Verfügung. "Aber es gibt viele andere interessante Dinge im Leben, und ich bin da offen und frei im Kopf."

Habeck vs. von Notz: Das "Duell" zweier Freunde
J. Lückoff, ARD Berlin
23.04.2016 05:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete der NDR am 23. April 2016 um 19:30 Uhr

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