Pressezentrum bei G20-Gipfel in Hamburg | Bildquelle: imago/Stefan Zeitz

Berichterstattung vom Gipfel "50 Prozent Politik, 50 Prozent Gewalt"

Stand: 07.07.2017 20:15 Uhr

Während die Korrespondenten im G20-Pressezentrum über die Beratungen der Gipfelteilnehmer berichten, kommt es in der Stadt zu schweren Ausschreitungen. Was bekommen die Journalisten davon mit - und wie berichten sie darüber?

Von Eckart Aretz, tagesschau.de

Der Weg in das Hamburger Pressezentrum führt vorbei an Absperrungen, schwarzen Metallgittern und immer wieder kleineren und größeren Trupps von Polizisten. Am Eingangszelt warten Sicherheitschecks wie am Flughafen auf die Reporter. Dann erst betritt man das Pressezentrum, das sich über zwei Etagen auf mehr als 25.000 qm² erstreckt. Über den Dutzenden Reportern hängt ein konstantes Gemurmel: Hörfunkjournalisten sprechen ihre Texte in die Aufnahmegeräte, Kollegen besprechen ihre nächsten Themen. In einem Wort: Gipfelroutine. Wären da nicht die massiven Krawalle unweit des Tagungsorts.

Pressezentrum Messehallen | Bildquelle: Julian Heißler
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Journalisten im G20-Pressezentrum

Das Ausmaß schockiert

Die Gewalt auf Hamburgs Straßen wirkt hier zwar weit weg - doch in den Gesprächen unter den Journalisten ist sie allgegenwärtig. Tory Sheperd von der australischen News Corp war am Vorabend in der Stadt unterwegs und ist schockiert vom Ausmaß der Krawalle. In drei Berichten hat sie das Thema bereits aufgegriffen. Sie fragt sich, ob es sinnvoll gewesen sei, den Gipfel in einer so großen Stadt wie Hamburg abzuhalten.

Die australische Journalistin Tory Shepard von News Corp | Bildquelle: Julian Heißler
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Die australische Journalistin Tory Shepard von News Corp

Andererseits erinnert sie sich an den vorherigen Gipfel im chinesischen Hangzhou - dort habe man die Bevölkerung einfach aus der Stadt gebracht, die Atmosphäre sei gespenstisch gewesen. Und im Jahr davor habe es im australischen Brisbane ebenfalls massive Sicherheitsvorkehrungen gegeben, aber wenig Gewalt. Vielleicht habe die Hitze damals träge gemacht, mutmaßt Sheperd und lacht.

Ein heikles Thema

Das könnte ein Anlass sein, mit chinesischen Kollegen das Thema anzuschneiden, allein: Man findet keinen Gesprächspartner. Man sei nicht befugt, für den Sender zu sprechen, sagt ein Korrespondent des Kanals CCTV, und überhaupt beschäftige man sich nur mit dem Gipfel selbst.

Walter Rauhe vom Schweizer Fernsehen RSI ist wenig überrascht von den Krawallen in Hamburg. Er hat sich am Morgen selber ein Bild von der Situation gemacht, bevor er zur Arbeit ging und wird nun von seinen Kollegen, die von den Ausschreitungen berichten, auf dem Laufenden gehalten.

50 Prozent Politik, 50 Prozent Gewalt, so teilt sich seine Berichterstattung auf, schätzt er. In Städten seien solche Auseinandersetzungen unvermeidlich, sagt er und erinnert an die Ereignisse am Rande des G8-Gipfels in Genua. In der italienischen Stadt war es 2001 zu massiven Ausschreitungen gekommen, ein Demonstrant wurde von einem Polizisten erschossen. Und die Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation WTO in Seattle konnte 1999 wegen schwerer Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Globalisierungsgegnern gar nicht erst stattfinden.

Vorsichtig mit Bewertungen

Auch bei der BBC nimmt die Berichterstattung über die Gewalt inzwischen gut die Hälfte der Berichterstattung ein, nachdem zunächst der Blick auf die Verhandlungen dominierte. Keine Überraschung heißt es bei den Kollegen, die aber, so viel Zurückhaltung muss sein, keine Bewertung abgeben wollen. Auch Khodaya Sargon vom russischen Sender RT möchte kein Urteil abgeben, auch wenn er und seine Kollegen ausführlich über die Krawalle berichten. Gewalt sei immer negativ, so viel will er wohl sagen.

Das internationale Pressezentrum

Das Pressezentrum für den G20-Gipfel erstreckt sich über vier Hallen auf einer Fläche von 25.000 qm² - das sind mehr als drei Fußballfelder. 4800 Journalisten haben sich akkreditiert. Erfahrungsgemäß arbeitet aber nur rund ein Viertel gleichzeitig im Zentrum. Ihnen stehen 942 Arbeitsplätze zur Verfügung, dazu rund 200 Büros, Besprechungs- und Aufenthatsräume.

"Interessante Erfahrung"

Die französische Journalistin Marie Chantrait beim G20-Gipfel | Bildquelle: Julian Heißler
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Marie Chantrait berichtet für den französischen Sender LCI.

Marie Chantrait vom französischen TV-Sender LCI räumt ein, dass die Auseinandersetzungen in der Stadt sich im Pressezentrum weit weg anfühlten. Auch sie werde von Kollegen über das Geschehen informiert, lege den Schwerpunkt ihrer Berichterstattung dennoch auf die Gipfelberatungen.

Gleichwohl beschäftigt sie die Frage, ob ein Gipfel wie dieser nicht besser in Städten wie Brüssel oder New York aufgehoben sei, wo man die Infrastruktur für solche Ereignisse habe. Gewaltsame Auseinandersetzungen seien die Franzosen gewohnt, sagt sie. Dass dies nun auch in einem Land wie Deutschland geschehe, sei eine "interessante Erfahrung".

Also doch keine Gipfelroutine, und sei es nur, weil auch die Reporter am Abend zurück in die Stadt müssen. Ihr Hotel sei angegriffen worden, hat Marie Chantrait gehört, und fragt sich, wie der weitere Gipfel-Verlauf in der aufgeheizten Stadt sein wird - in der weitere Demonstrationen angekündigt sind.

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