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Gysi feiert seinen 65. Geburtstag

Sturer Häuptling mit Schalk im Nacken

Die Linkspartei ohne Gysi? Kaum vorstellbar: Seit 22 Jahren gibt er auf der politischen Bühne den Parteichef, den Fraktionsvorsitzenden und vor allem den Querdenker. Manch einen kann er zur Weißglut bringen, andere zum Lachen. Und ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

Von Silke Engel, RBB, ARD Berlin

Gregor Gysi im Bundestag
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Gysi scheut im Bundestag keine Debatte.

Fraktionsklausur vergangene Woche in Hannover. Die Debatte erschöpft sich in Details, als Gregor Gysi kurz das Podium verlässt. Vor den Journalisten ganz hinten im Raum stolziert er mit seinem typisch-verschmitzten Gesichtsausdruck auf und ab. Demonstrativ schnürt Gysi den Gürtel enger. Die Anzugjacke schlackert schon. Gut zehn Kilo hat Gysi in recht kurzer Zeit abgespeckt. Das stellt er gerne zur Schau. Auch mit seiner Größe kann er humorvoll umgehen: "Ich finde, dass das Pult ein wenig demütigend heruntergeschraubt wurde. Nur weil ich ein Jahr älter bin, bin ich ja nicht auch ein Jahr kleiner", scherzt Gysi am Rednerpult.

Gregor Gysi feiert seinen 65. Geburtstag
S. Engel, ARD Berlin
16.01.2013 08:00 Uhr

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Gysi kann's nicht lassen

Obwohl der Fraktionschef der Linkspartei immer mal wieder verzweifelt ist - an seiner Partei, an Ungerechtigkeiten sowie an der Tatsache, dass er und seine Mitstreiter nach wie vor vom Verfassungsschutz beobachtet werden -, trotz alledem kann Gysi von der Politik nicht lassen. Rente bleibt für ihn ein Fremdwort. "Aber abgesehen davon - wissen Sie, dass man in der Politik wesentlich länger arbeiten kann. Ich will nicht gerade an Konrad Adenauer erinnern. Aber eines verspreche ich: Bevor ich etwas alterssenil herumdödele im Bundestag und Sie sich nur noch über mich lustig machen, bin ich weg. Das ist versprochen", versichert Gysi.

Gysi-Wahlplakat
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Fürs Plakat macht sich Gysi auch zum Clown.

Der Schalk im Nacken ist sein Markenzeichen. Aber Gysi kann auch komplexe Politikinhalte ganz einfach erklären. Darum gilt er in Wahlkämpfen als Zugpferd. Im Bundestag ist er oft für einen Lacher zu haben, ohne dass er respektlos auftritt. "Lieber Herr Präsident, eine Bitte. So nett es mit Ihnen ist: Aber dass wir beide lebenslänglich hier bleiben müssen, sollten wir nicht zulassen. Also schaffen Sie wenigstens ein Grundgesetz-gemäßes Wahlrecht. Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder?", fragt Gysi im Parlament.

Sechs Legislaturperioden hat Gysi bisher im Bundestag zugebracht. Davor saß er in der Volkskammer der DDR. Politik und Gysi mit der runden Nickelbrille, das gehöre zusammen, meint Dagmar Enkelmann, parlamentarische Geschäftsführerin der Linkspartei: "Was ich an ihm schätze, ist seine Zielstrebigkeit, seine Hartnäckigkeit und insbesondere natürlich auch sein Redetalent. Er ist einer, der begeistern kann."

Guter Redner, sturer Häuptling

Aber er kann auch stur sein. Wenn er als Häuptling auf der Bühne ganz vorne kämpft, andere aus dem Team jedoch nur langsam an sich heran lässt wie Fraktionsvize Sahra Wagenknecht. Oder der Stoß damals in den Rücken von Dietmar Bartsch, damit das Verhältnis zwischen Gysi und Oskar Lafontaine nicht getrübt wird. "Wissen Sie, es ist so: Ich bin eitel wie andere auch, aber ich beherrsche meine Eitelkeit und werde nicht von ihr beherrscht - ein gewaltiger Unterschied",  sagt Gysi.

Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine un Gregor Gysi bei der Pressekonferenz in Berlin.
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Die beiden "Väter" der Linkspartei: Oskar Lafontaine und Gregor Gysi

Manch einer fragt dennoch: Was bleibt Gysi, wenn er die politische Bühne tatsächlich mal verlässt? Gute Gespräche bei gutem Essen? Intellektuelle Debatten? Ob die jedoch ohne Publikum genauso viel Spaß machen? Dagmar Enkelmann wünscht Gysi "vor allen Dingen ganz, ganz, ganz viel Gesundheit, da hat er in den letzten Jahren auch gelitten, dass er uns noch sehr, sehr lange erhalten bleibt und dass er auch wieder zu einem persönlichem Glück findet".

Ob Herzinfarkt, Hörsturz oder diffizile Gehirnoperation - all das hat Gysi in den vergangenen Jahren nicht ruhiger gemacht. Er bleibt der quirlige Geist und Ideengeber, und so solle er für die Linkspartei weiter aktiv sein, meint Parteivize Caren Lay: "Ich wünsche ihm weiterhin ganz viel Energie, ganz viel Schaffenskraft, ganz viel  Tatkraft und vor allen Dingen, dass ihm die Ideen nicht ausgehen, aber da bin ich mir bei ihm ganz sicher."

Gefeiert wird jedenfalls doppelt, auf der Fraktionsebene im Bundestag und dann noch mal privat. Mit Überraschungsgästen, Kabarett und ganz viel Politik.

Dieser Beitrag lief am 16. Januar 2013 um 08:52 Uhr beim Nordwestradio.

Stand: 15.01.2013 23:51 Uhr

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