Weitere Vorwürfe gegen Guttenberg "Wir sind einem Betrüger aufgesessen"

Stand: 25.02.2011 13:06 Uhr

Verteidigungsminister Guttenberg steht wegen seiner Doktorarbeit weiter im Kreuzfeuer der Kritik. Ein Professor der Universität Bayreuth nannte den CSU-Politiker einen Betrüger. Zudem beschäftigt sich der Ältestenrat des Bundestages mit Erkenntnissen, wonach er weitere Gutachten unbefugt benutzt haben soll.

Von Christoph Käppeler, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Verteidigungsminister Guttenberg in der Aktuellen Stunde des Bundestages. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Verteidigungsminister Guttenberg in der Aktuellen Stunde des Bundestages.

Falls Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gehofft haben sollte, er könnte nach seiner Befragung im Bundestag und nach seinem Eingestehen von Fehlern, die er gemacht habe, wieder aus den Schlagzeilen verschwinden und zum normalen Ministergeschäft übergehen, so wird diese Hoffnung erst einmal enttäuscht: Nicht nur aus der Opposition kommt weiter scharfe Kritik.

So macht ein Professor der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Bayreuth seinem Ärger Luft. Der Staatsrechtslehrer Oliver Lepsius sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Wir fühlen uns getäuscht. Wir sind einem Betrüger aufgesessen." Aus den harschen Worten des Professors spricht offenkundig die Sorge um den Ruf seines Fachbereiches, der bisher sehr gut ist. "Wir gehören zu den zehn besten rechtswissenschaftlichen Fakultäten in Deutschland", sagte Lepsius der "FAZ" zufolge.

Ältestenrat lehnt Rügen ab

"Betrüger", "Lügner", "Hochstapler" - so war zu Guttenberg am Mittwoch im Bundestag von der Opposition genannt worden. Das wollte die Union vom Ältestenrat rügen lassen - der aber lehnte das ab. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) soll dabei gesagt haben, er habe schon polemischere Debatten aus geringerem Anlass erlebt.

Der Bremer Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano, der die Plagiate in zu Guttenbergs Doktorarbeit entdeckt hatte, verschärft indes seine Vorwürfe. Gegenüber dem "Tagesspiegel" sagte er: "Guttenberg hat systematisch verschleiert, plagiiert und getäuscht. Den Vorsatz kann man bei diesem intellektuellen Betrug dann im Grunde nur noch dadurch verneinen, dass man den Autor für unzurechnungsfähig erklärt."

Ähnlich äußerte sich SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks im ZDF: Sie bezweifelt ebenfalls, dass zu Guttenberg nicht gewusst habe, was er tat: "Wenn man sieben Jahre lang an einer Arbeit sitzt, war man sieben Jahre lang nicht bei Sinnen? Oder was war da los? Das kann eigentlich nicht sein."

Kritik an der Universität Bayreuth

Die Universität Bayreuth hatte Guttenberg den Doktortitel aberkannt - weil er nicht ausreichend deutlich gemacht hatte, wo er in seiner Doktorarbeit Texte anderer Verfasser verwendet hatte. Ob Guttenberg dabei bewusst "getäuscht" hatte, dazu äußerte sich die Uni nicht; das prüfe die Ethik-Kommission der Universität jetzt noch, sagte Unipräsident Rüdiger Bormann.

Der Rechtswissenschaftler Hans-Heinrich Trute von der Uni Hamburg kritisiert seine Bayreuther Kollegen: Der Vorwurf der Täuschung hätte im Falle Guttenberg relativ leicht begründet werden können. Dann allerdings hätte der Minister sicherlich zurücktreten müssen, und in dieses politische Geschäft habe sich die Uni Bayreuth wohl nicht einmischen wollen, meinte Trute.

Weitere Gutachten benutzt

Guttenberg hatte am Mittwoch eingeräumt, dass er vier Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages in seiner Doktorarbeit verwendet hatte, ohne sie als Fremdtexte zu kennzeichnen. Es waren aber offensichtlich noch mehr, als Guttenberg zugibt: Auf der Sitzung des Ältestenrates berichtete Bundestagspräsident Lammert, nach seinem jetzigen Kenntnisstand habe zu Guttenberg sechs Gutachten verwendet - in keinem Fall habe eine Genehmigung der Bundestagsverwaltung zur Veröffentlichung vorgelegen. Dass zu Guttenberg diese Texte in seine Doktorarbeit übernommen habe, sei "deprimierend eindeutig", soll Lammert in der Sitzung gesagt haben.

Guttenberg weiterhin unter Beschuss
nachtmagazin 00:30, 25.02.2011, Theresa Hübner, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Darstellung: