Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.

29.05.2012

ARD-Logo

Suche in tagesschau.de

Hauptnavigation
Multimedia
Inhalt
Inland
Guttenberg-Buch "Vorerst gescheitert" erschienen
Guttenberg-Buch "Vorerst gescheitert" erschienen

Von Fehl und (T-)Adel

Am Ende dauerte die mediale Pause gerade mal ein gutes halbes Jahr: Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg stolperte im März über die abgeschriebene Doktorarbeit, jetzt meldet er sich mit einem fremdverfassten Buch zurück. "Vorerst gescheitert" soll das politisches Comeback vorbereiten.

Von Eva Corell, BR, ARD-Hauptstadtstudio

Karl-Theodor zu Guttenberg (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mit neuer Frisur und ohne Brille: Guttenberg auf der Sicherheitskonferenz im kanadischen Halifax ]
Nein, auch dieses Buch hat er nicht selbst geschrieben. Die Mühen der Ebene sind seine Sache nicht. Karl-Theodor zu Guttenberg, Freiherr und Doktor a.D., hat sich von einem Journalisten befragen lassen, der ihm bis zu seinem Fall die Stange gehalten hatte. Ein Schlagabtausch, wie es der Herausgeber vollmundig ankündigt, ist das Interview nicht geworden. Eher eine endlos lange Rechtfertigungstirade des abgestürzten politischen Überfliegers, der sich bis heute vor allem als Opfer sieht.

Darüber hinaus empfindet Guttenberg es als Zumutung, dem Parlament über die Fehler in seiner Doktorarbeit Rechenschaft ablegen zu müssen, damals im Februar: "Das war einer der erniedrigendsten und bittersten Momente, die ich bisher erleben musste. … Die Angriffe haben ein Ausmaß angenommen, wie man es selten im Bundestag hört. Es war nicht leicht zu akzeptieren, dass das Präsidium nicht eingeschritten ist", lässt sich Guttenberg zitieren. Er wisse, er würde im Zweifel nie so mit Kollegen umgehen, wie es einige mit ihm gemacht hätten.

Audio: "Vorerst gescheitert": Guttenberg meldet sich zurück

AudioEva Corell (BR), ARD Berlin 28.11.2011 21:27 | 3'53
  • Download Download der Audiodatei: 
    Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:
    Technische Details einblenden

Sein Ego hat nicht gelitten

Guttenberg erklärt seinen Rücktritt (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Wegen der Plagiatsaffäre musste Guttenberg am 1.3.2011 von allen Ämtern zurück treten. ]
So macht man sich zum Maßstab der Moral, ohne selbst eine moralische Schuld einzugestehen. Als Minister war Guttenberg mit seinen eigenen Beamten auch nicht gerade zartfühlend umgegangen, als er sie wegen der Kundus-Affäre im Eiltempo entließ. Jetzt erwartet er Verständnis für seine Verfehlung. Für die er viele Worte findet, wie Dummheit, Gestöpsel, Überforderung - nur das eine nicht: Betrug. Er habe die Sätze seiner Doktorarbeit schlicht für seine eigenen gehalten.

Das Ego des einstigen Überfliegers hat erkennbar nicht gelitten. Der einzige Fehler, den er sich eingesteht, ist seine Selbstüberschätzung. Politik, Familie, Dissertation – der oberfränkische Adelsspross wollte alles auf einmal und hat irgendwann den Überblick verloren. Sagt er. Und verlangt mit dieser Erklärung selbst glühendsten Verehrern Ehrfurcht ab ob so viel Selbstbetrug. Doch mit einem einfachen Plagiat würde sich einer wie Guttenberg nie abgeben: "Ich komme zu dem Ergebnis, dass meine Arbeit sehr mangelhaft ist. Man darf auch nicht alle Fehler, die ich gemacht habe, über einen Kamm scheren. Es ist doch ein großer Unterschied, ob Sie einen fremden Text komplett übernehmen, ohne ihn zu kennzeichnen, oder ob Sie einen Text sehr wohl kennzeichnen, sich dabei aber nicht besonders geschickt, klug und wissenschaftlich korrekt anstellen."

Eingeständnis und Attacke

Die Doktorarbeit von zu Guttenberg (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Seine Dissertation wurde Guttenberg von der Universität Bayreuth aberkannt. ]
An seiner Hybris kommt der Freiherr zu Guttenberg nicht vorbei. Fast jedes Eingeständnis verbindet er mit einer Attacke auf diejenigen, die ihn zu Fall gebracht haben. Er zweifelt an, dass die Uni Bayreuth über seine Arbeit überhaupt urteilen durfte, und er wirft seinen CDU-Kollegen Schavan und Lammert vor, sie wären ihm ohne jede Vorwarnung in den Rücken gefallen. So klingt selbst sein Reue-Schwur irgendwie schal: "Ich habe mit dem Abfassen dieser Doktorarbeit die, noch mal, größte Dummheit meines Lebens begangen. Das bedauere und bereue ich von Herzen."

Einen Sonnenbub hat ihn sein Vater genannt. Karl-Theodor versteht sich als Ikarus, der zu nah an die Sonne flog und abstürzte. Vielleicht liegt darin ein Hauch von Selbsterkenntnis: Vater Enoch erwartete von seinen Söhnen vor allem Konsequenz. Das habe in der Familie immer eine Rolle gespielt, beschreibt Guttenberg, ganz egal, wie verquer jemand in seinen Ansätzen sei. Solange er sie mit Überzeugung vertrete, sei ihm mit Respekt zu begegnen.

Ein Schelm, wer denkt, das könnte Zufall sein

Horst Seehofer und Karl-Theodor zu Guttenberg (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mit seiner Ernennung zum CSU-Generalsekretär begann 2008 Guttenbergs rasanter Aufstieg. ]
Politisch klug ist es sicher nicht, seine über 200 Seiten lange Rechtfertigung mit Kritik an der eigenen Partei zu garnieren. Die CSU hat ihn immerhin groß gemacht und hält ihm bis heute die Türen für eine Rückkehr offen. Vielleicht steckt verschmähte Liebe dahinter, wenn der einstige Beinahe-Kanzlerkandidat der CSU im Buch offen mit der Gründung einer neuen Partei kokettiert: "Wenn man nicht mehr in der gleichen Badewanne planscht, wird das Wasser schnell kühler."

Im Buch lässt er offen, wann er auf die politische Bühne zurück kehrt. Doch das Comeback ist bereits strategisch geplant. Die Einwilligung zum Interview, die Zahlung des Bußgelds an die Staatsanwaltschaft Hof – Guttenberg steht im medialen Scheinwerferlicht, bevor die CSU im nächsten Jahr ihre Wahlkreiskandidaten aufstellt. Ein Schelm, wer denkt, das könnte Zufall sein.

Stand: 29.11.2011 14:44 Uhr
 

© tagesschau.de

tagesschau.de ist für den Inhalt externer Links nicht verantwortlich.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW