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Kommentar: Zur Aufklärung bedarf es mehr als einer Fußnote
Guttenberg-Affäre

Zur Aufklärung bedarf es mehr als einer Fußnote

Von Jens Borchers, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Das war keine Erklärung. Minister zu Guttenberg (CSU) hat, so habe ich das empfunden, widerwillig etwas gesagt, was er für eigentlich für überflüssig und nebensächlich hält: Seine Doktorarbeit sei kein Plagiat. Aha. Niemand behauptet, die ganze Arbeit wäre ein Plagiat. Sie enthalte Fehler, räumt zu Guttenberg ein. Da hätte es interessant werden können - wenn zu Guttenberg erläutert hätte, welche Fehler es sind. Und vor allem, wie sie zu Stande kamen. Das hat er aber nicht getan, ist auch schwer, wenn man nur knapp zwei Minütchen vom Blatt liest, wie es der Herr Minister tat.

Er habe Wichtigeres zu tun, sagte zu Guttenberg. Er müsse sich um die Bundeswehrreform kümmern und um den Afghanistan-Einsatz. Das stimmt. Das ist wichtiger. Zu Guttenberg hätte dafür auch alle Zeit der Welt gehabt, wenn er die Vorwürfe schnell, wirksam und nachvollziehbar entkräftet hätte. Stattdessen aber wies er sie am Mittwoch schriftlich als "abstrus" zurück. Und schaute dann zwei Tage lang zu, wie im Internet aus seiner Doktorarbeit eine Passage nach der anderen mit den Texten anderer Autoren verglichen wurde. Die Ähnlichkeiten sind fatal.

Keine Offenheit und Transparenz

Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich bisher sehr offensiv als Politiker profiliert, der angeblich Klartext redet. Der für Offenheit und Transparenz ist. Ich meine, ein Politiker, der sich in einer solchen Situation ein paar handverlesene Journalisten auf den Flur seines Ministeriums lädt, denen knapp zwei Minuten inhaltlich so gut nichts sagt, keine einzige Frage zulässt und dann wieder verschwindet, ein solcher Politiker redet keinen Klartext. Er ist nicht transparent. Er ist auch nicht offen. Er baut einen Popanz auf. Das ist ein Politiker, der den eigenen Ansprüchen nicht genügt.

Ich finde, zu Guttenberg hat bisher keinen Grund zurückzutreten. Ich meine aber sehr wohl, dass er jeden Grund hat zu erklären, wie es kam, dass so viele Stellen seiner Doktorarbeit eine fatale Ähnlichkeit mit dem geistigen Eigentum anderer aufweisen. Ohne, dass das gekennzeichnet wurde. Dazu bedarf es mittlerweile mehr als nur einer Fußnote.

Stand: 18.02.2011 20:24 Uhr
 

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