NABU-Negativpreis Guttenberg ist "Umwelt-Dinosaurier"

Stand: 29.12.2015 16:41 Uhr

Den "Dinosaurier des Jahres" vergibt der NABU an Menschen, die sich beim Umweltschutz im negativen Sinne einen Namen gemacht haben. Diesmal trifft es Philipp zu Guttenberg. Er wehre sich dagegen, dass in Deutschland wieder Urwälder wachsen.

Von Torsten Huhn, NDR, ARD-Hauptstadtstudio

In diesem Jahr geht es bei Deutschlands peinlichstem Umweltpreis um den Wald. Denn der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, Philipp Freiherr zu Guttenberg, erhält den Negativpreis. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zeichnet zu Guttenberg mit dem "Dinosaurier des Jahres" aus, weil er den Wald als reine Produktionsstätte für Holz sehe und sich dagegen wehre, dass in Deutschland wieder Urwälder wachsen dürfen.

"Er will einen hundertprozentigen Wirtschaftswald und spricht sich gegen alle anderen ökologischen Funktionen aus, die Wälder auch haben. Er glaubt, dass Wälder nur entstehen können, weil es Förster gibt, was schon eine völlig falsche Sicht- und Wahrnehmungsweise ist. Wälder gab es schon, als es Menschen auf diesem Globus noch nicht gab", sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, Philipp Freiherr von und zu Guttenberg | Bildquelle: dpa
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Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, Philipp Freiherr von und zu Guttenberg, steht in der Kritik der Naturschützer.

NABU: Urwälder zulassen

Selbstverständlich müsse es in Deutschland eine vernünftige naturnahe Waldwirtschaft geben, die auch viele Verdienste habe, sagte Tschimpke. Trotzdem müssten aber auch Naturschutzfunktionen erfüllt werden, und deshalb müsse man Urwälder zulassen.

"Es ist eine zwingende Herausforderung, dass wir auch alte Waldzustände - und auch Zerfallszustände - in Deutschland haben. Der Name Totholz ist der schlechteste Begriff, den sich der Naturschutz hat jemals ausdenken können. Denn da entsteht neues Leben, da entsteht Humus", so Tschimpke weiter. Bodenbildung sei das entscheidende Kriterium für das Überleben, auch für die Menschen.

Negativpreis "Dinosaurier des Jahres" des NABU | Bildquelle: obs
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Negativpreis "Dinosaurier des Jahres" des NABU: Diesmal geht er an Philipp zu Guttenberg.

Eine ganze Reihe von Landesforstverwaltungen sei inzwischen auf dem richtigen Weg und weise entsprechende Urwälder aus, erklärte der NABU-Chef. Doch zu Guttenberg, Bruder des CSU-Politikers und früheren Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, wolle davon nichts wissen und wehre sich dagegen, dass fünf Prozent der Waldfläche einer natürlichen Entwicklung überlassen werden - und das, obwohl sich die privaten Waldbesitzer daran gar nicht beteiligen müssen.

"Vielzahl von Baumarten für Ökosystem wichtig"

Tschimpke hält die Urwälder für unbedingt notwendig. Er verweist darauf, dass nur wenige Baumarten wirtschaftlich interessant sind. "Aber es gibt eine Vielzahl von Baumarten, die tatsächlich für das Ökosystem wichtig sind." Zu Guttenberg interessiere hingegen nur eine maximale Holzproduktion. Er trete auch massiv für den Einsatz von Pestiziden ein, statt auf natürliche, widerstandsfähige Wälder zu setzen.

Der NABU zeichnet ihn aber auch aus, weil er die Naturschutzrichtlinien der EU ablehnt und ihnen jegliche positive Wirkung abspricht. "Das ist für uns ein zentrales Element: Das Rückgrat des Naturschutzes in Europa ist Natura 2000. Es wird weltweit als das ökologische Netzwerk in einem dicht besiedelten Raum beachtet", sagt Tschimpke.

Philipp zu Guttenberg hat bislang noch nicht auf den Preis reagiert. Ob er ihn persönlich entgegen nimmt, ist auch noch offen. Tschimpke meinte dazu, Guttenberg halte die NABU-Leute für Spinner und für nicht diskussionsfähig.

NABU vergibt 'Dinosaurier des Jahres' an Waldbesitzer zu Guttenberg
T. Huhn, ARD Berlin
29.12.2015 13:36 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 29. Dezember 2015 um 15:32 Uhr auf NDR Info.

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