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Soll Deutschland einige der ohne Prozess im Gefangenenlager Guantánamo Inhaftierten aufnehmen, um damit der neuen US-Regierung die angekündigte Schließung des Lagers zu erleichtern? Darüber gehen die Meinungen in der Bundesregierung weiterhin auseinander.
[Bildunterschrift: Bundesaußenminister Steinmeier will Obama - hier noch als Präsidentschaftskandidat - entgegenkommen. ]
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", es gebe Signale, dass der neue US-Präsident Barack Obama wegen der Aufnahme "einiger weniger" Häftlinge auch auf die Europäer zukommen werde. "Wäre es denn wirklich zu verantworten, die Auflösung von Guantánamo daran scheitern zu lassen?", fragte Steinmeier. Die Aufnahme von Unschuldigen sei "eine Frage der Glaubwürdigkeit", sagte er später im ZDF - es gehe nicht darum, "Terroristen hierher zu holen".
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bleibt dagegen bei seiner ablehnenden Haltung und warnte vor der Aufnahme möglicherweise gefährlicher Islamisten. "Ich vermutete ja, dass die Amerikaner nicht nur lauter Menschen nach Guantánamo verbracht haben, die nicht Anlass dafür gegeben haben", sagte er der ARD. Das hieße nicht, dass diesen eine Schuld nachzuweisen sei. Aber man müsse auch überlegen: Wenn jemand fünf Jahre in Guantánamo inhaftiert gewesen sei, sei er "wahrscheinlich noch eher gefährlicher als ohne eine solche Leidenszeit."
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[Bildunterschrift: Häftlinge im Gefangenenlager Guantánamo beim Gebet ]
Nach einem Bericht des "Spiegel" haben französische Diplomaten in allen EU-Hauptstädten ein Konzept zur Aufnahme von Guantánamo-Häftlingen verteilt. Das Pariser Außenamt beschreibe darin detailliert, wie dem amerikanischen Wunsch entsprochen werden könnte, Freigelassene in Europa aufzunehmen. Es gehe dabei um etwa 60 Personen, die von den US-Militärbehörden als unschuldig eingestuft werden, aber nicht in ihre Heimat zurückkehren können, weil ihnen dort weitere Verfolgung oder Folter drohen.
Der größte Teil der verbliebenen rund 250 Guantánamo-Häftlinge kommt aus dem Jemen. Das Land erwartet nach den Worten von Präsident Ali Abdullah Sale die Ankunft von 94 Ex-Häftlingen. Der Präsident kündigte an, für die Rückkehrer und ihre Familien ein Rehabilitationszentrum mit Schulen, Wohnungen und medizinischer Versorgung zu bauen. So solle verhindert werden, dass sie sich erneut militanten Islamisten anschließen. Kürzlich hatten zwei freigelassene Guantánamo-Insassen in einem Video erklärt, nun Mitglieder der Terrorganisation Al Kaida im Jemen zu sein.
Unterdessen stellen sich einer raschen Schließung des US-Gefangenenlagers bürokratische Hindernisse in den Weg. Wie die "Washington Post" berichtet, herrscht in den Häftlingsdokumenten erhebliche Unordnung. Über viele Insassen lägen keine umfassenden Unterlagen vor, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Mitglieder der neuen Regierung. Die Dokumente seien zudem über mehrere Behörden verteilt. Experten der neuen Regierung würden "die ersten Wochen und vielleicht Monate damit verbringen, in den Ecken der Bundesbehörden nach wichtigen Dokumenten zu suchen".
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