Seitenueberschrift

Vor dem Parteitag

Gerangel um grüne Spitzenkandidatur

Künast und Göring-Eckardt wollen auch

Nach Claudia Roth und Jürgen Trittin haben auch die Grünen-Politikerinnen Katrin Göring-Eckardt und Renate Künast ihren Hut in den Ring geworfen. Damit gewinnt die Spitzenkandiatenfrage der Grünen an Fahrt. Seit Monaten debattiert die Partei, mit welchem Personal an der Spitze sie in den Bundestagswahlkampf gehen soll. Die Grünen haben also - ähnlich wie die SPD - eine ungelöste K-Frage.

Fraktionschefin Renate Künast hatte lange offen gelassen, ob sie kandidiert. Am Abend erklärte sie dem ARD-Hauptstadtstudio: "Ich kandidiere für eine der beiden Positionen der Grünen-Doppelspitze für die Bundestagswahl 2013." Ziel sei es, Schwarz-Gelb abzulösen, dazu wolle sie ihre langjährige Erfahrung einbringen. Künast ist geschwächt - seit ihrem gescheiterten Versuch vom vergangenen Jahr, Regierungschefin von Berlin zu werden.

Renate Künast
galerie

Ja, sie wollen: Renate Künast und ...

Göring-Eckardt
galerie

... Katrin Göring-Eckardt wollen Spitzenkandidatinnen werden.

Kurz zuvor hatte auch die grüne Bundestagsvizepräsidentin und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Göring-Eckardt, ihre Kandidatur erklärt. Sie will aber anders als Roth und Trittin in einem Spitzenteam für die Grünen kämpfen. Dabei ist bislang ein Spitzenduo vorgesehen - notfalls soll darüber per Urwahl entschieden werden. Göring-Eckardt stellte sich gegen eine Mitgliederbefragung. Sie würde sich aber zur Wahl stellen, wenn sie doch stattfindet.

Göring-Eckardt wandte gegen eine Urwahl ein, dies würde die Kandidatenaufstellung verzögern: "Sie bedeutet Beschäftigung mit uns selbst und verlängert einen Prozess, der uns schon in den letzten Monaten alles andere als gutgetan hat." Ein Spitzenteam solle "Frauen und Männer unterschiedlicher Generationen, mit je eigenen Geschichten und inhaltlichen Schwerpunkten" umfassen.

Damit stellte sich Göring-Eckardt gegen die Linie von Fraktionschef Trittin, der für die Duo-Lösung plädiert. Trittin hatte sich am Wochenende in Position gebracht: "Ich trete an und möchte einer der beiden Spitzenkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen sein." Als erste hatte Anfang März Parteichefin Claudia Roth erklärt, sie wolle sich zur Wahl stellen, wenn es um die Besetzung eines Spitzenteams gehe.

Vier Grüne ringen um Spitzenkandidatur
tagesschau 20:00 Uhr, 17.08.2012, Hans Jessen, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Komplizierte K-Frage

Kompliziert ist die Kandidatenfrage bei den Grünen, weil die Partei immer streng auf Flügel- und Geschlechterproporz achtet - nach dem Motto: Parteilinke und -realos sollen an der Spitze vertreten sein, und mindestens eine Frau soll oben stehen. Sowohl Künast als auch Göring-Eckardt werden dem so genannten realpolitischen Flügel der Grünen zugerechnet.

Claudia Roth und Jürgen Trittin
galerie

Die Grünen-Politiker Roth und Trittin werden als Spitzenduo gehandelt - und sind auch nicht abgeneigt.

Nach den Kandidaturen der Parteilinken Claudia Roth und Jürgen Trittin bewerben sich damit insgesamt vier prominente Grüne um zwei Spitzenpositionen. Eine Entscheidung über das Spitzen-Duo durch eine Mitgliederbefragung der Partei wird dadurch wahrscheinlich. Vorgesehen ist bisher, dass eine Urwahl stattfindet, wenn sich mehr als zwei Bewerber für die beiden Kandidatenplätze melden, von denen einer einer Frau vorbehalten ist. Auf dem Länderrat am 2. September soll entschieden werden, ob die Kandidatenfrage mit einer Urabstimmung geklärt wird.

Das innergrüne Machtgezerrre um die Führungsspitze für die Bundestagswahl beschäftigt die Partei seit Monaten. Zuletzt hatte sich der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer zu Wort gemeldet - mit teils scharfer Kritik an Trittin und Roth. Er hatte sich für Göring-Eckardt stark gemacht. Nun bekräftigte er seine Unterstützung: "Ein Team, dem Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin angehören, finde ich eine gute Lösung", sagte er der Zeitung "Die Welt".

Theo Geers (DLR) Rangelei um Spitzenkandidatin bei den Grünen

18.08.2012 10:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Stand: 17.08.2012 18:36 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

25 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Darstellung: