Die neuen Bundesvorsitzenden Robert Habeckund Annalena Baerbock | Bildquelle: dpa

Neue Grünen-Chefs Zwei Realos, die jetzt liefern müssen

Stand: 27.01.2018 14:41 Uhr

Die Grünen haben eine neue Doppelspitze gewählt: Robert Habeck und Annalena Baerbock sind die neuen Parteichefs. Zwei Realos, die viel versprochen haben. Die Sehnsucht nach einem Neuanfang ist groß.

Von Karin Dohr, ARD-Hauptstadtstudio

Die Stimmung, die diesen Parteitag prägte, ist große Ungeduld. Die Sehnsucht nach einem Neuanfang ist durchgehend spürbar: Lasst uns endlich machen! Schauen wir nach vorne! Starten wir endlich durch! Jede Verzögerung wird mit Unmut aufgenommen. Der Delegierte, der mit einem Schmetterlingsplakat in den Händen den Artenschutz auf die Tagesordnung heben will: Sie behandeln ihn freundlich, mit Nachsicht geradezu - aber natürlich wird sein Antrag umgehend abgelehnt.

Weniger freundlich, dafür umso emotionaler die Szenen am späten Freitagabend - als es um die Satzungsänderung geht, die Robert Habeck den Weg an die Parteispitze ermöglichen soll. Ein Stimmzettel-Chaos macht die Wiederholung des entscheidenden Wahlgangs nötig.

Die neue Führungsspitze der Grünen
tagesthemen 23:18 Uhr, 27.01.2018, Martina Thorausch, NDR

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Eigentlich eine lästige Formalie, nicht mehr. Doch die Nerven liegen blank, beim Geschäftsführer und bei vielen im Saal, die ihren Unmut laut zeigen. Alles in der Halle atmet den Willen, endlich zu Ende zu kommen mit dieser typisch grünen Selbstbeschäftigung. Eine Partei will geführt werden, sie will eigentlich eine Art Basta - auch wenn es bei den Grünen natürlich nicht so heißen darf.

Wie eine Boxerin vor dem entscheidenden Kampf

Das neue Führungsteam muss sich jetzt mit dieser Sehnsucht auseinandersetzen. In ihren Auftritten haben Annalena Baerbock und Robert Habeck schon mal viel richtig gemacht. Vor allem Baerbock: Sie wirkt in den Minuten vor ihrer Bewerbungsrede wie eine Boxerin vor dem entscheidenden Kampf: Als Trainerinnen umgeben sie die zwei grünen Führungsfrauen Katrin Göring-Eckardt und Britta Haßelmann - letzte aufmunternde Worte.

Als Baerbock aufgerufen wird, atmet sie noch mal tief aus und stürmt dann ans Mikrofon. Sie ist aufgeregt, verhaspelt sich am Anfang mehrmals - doch viele im Saal tragen sie mit leidenschaftlichem Zwischenapplaus weiter. Baerbock wird von Satz zu Satz selbstbewusster: Beim Thema Kohleausstieg fordert sie noch mehr Radikalität. Als sie über den Familiennachzug für Flüchtlinge spricht, tut sie es persönlich und glaubwürdig: als Mutter und als jemand, der sich lokal in Flüchtlingsorganisationen engagiert.

Die Seele der Partei streichelt sie, wenn sie versichert, wie wichtig ihr der Kontakt zur Basis sei: Eine Standleitung halte sie gerade zu denen, die ihr ideologisch vielleicht am fernsten stehen, so Baerbock. Man habe ihr geraten, als Parteichefin ihre Handynummer zu wechseln - doch genau das wolle sie nicht tun. Ich bleibe eine von Euch, soll das heißen, und ich bin Ansprechpartnerin für Vertreter aller Flügel.

Lagerdenken ist vorbei

Baerbock wird von knapp 65 Prozent der Delegierten gewählt. Die Niederlage der Parteilinken Anja Piel ist deutlich, und hat sich durch die Stimmung im Saal schon angekündigt. Piels Rede - über Soziales, über die Risse in der Gesellschaft, über Familienpolitik und Klimaziele - wird mit viel freundlichem Applaus bedacht, doch sie reißt nicht mit.

Man kenne sie eigentlich gar nicht richtig, erzählen viele Delegierte im persönlichen Gespräch, und Piel habe in den vergangenen Wochen auch nicht den leidenschaftlichen Eindruck vermittelt, das ändern zu wollen. Diejenigen, die das verbreiten, mögen auch zum Realo-Lager zählen - doch die Niederlage Piels zeigt eben: Lagerdenken ist nicht mehr entscheidend bei den Grünen, zumindest derzeit nicht.

Und Habeck? Der hatte seinen entscheidenden Auftritt schon am Freitagabend, als er sich selbst für die Satzungsänderung ins Zeug legt, die ihm den achtmonatigen Übergang vom Landesminister in Schleswig-Holstein zum Parteichef in Berlin ermöglichen soll. Er weiß, das empfinden einige als Erpressung. Er weiß, er muss demütig wirken, aber eben doch authentisch.

Bei Habeck sitzt jedes Wort, jede Geste

Und dann sitzt bei Habeck jedes Wort, jede Geste, jedes Signal: mal wieder cool-lässig schon rein äußerlich - auch an einem für ihn entscheidenden Tag wirkt er, als hätte er verschlafen und dann keine Zeit mehr zum Rasieren gehabt. Er setzt sich stundenlang ruhig in die Reihen seines Landesverbandes, ganz unauffällig.

Und als er dann spricht, dann ist viel die Rede von einem grünen "Wir", von "Vertrauen", um das er bittet. Es ist auch der Tonfall, der seine heutige Bewerbungsrede prägt, die ansonsten nicht zu seinen stärksten Momenten zählt:  viel Demut, auch gegenüber der zuvor gewählten Baerbock: "Mit ein bisschen Glück darf ich vielleicht der Mann an deiner Seite sein." Das wird er dann auch, mit knapp 82 Prozent der Stimmen.

Er gibt nicht den künftigen Chef, der allen zeigt, wo es lang geht - zumindest noch nicht. Dabei wollen die Grünen genau das vom neuen Spitzenduo. Baerbock und Habeck haben viel versprochen - beide wollen sie radikal sein, sie wollen die gesamte Gesellschaft als Bewegung mit neuem Schwung ansprechen, sie wollen den Grünen neue Wählergruppen erschließen. Heute Abend ist Party angesagt, doch für sie gilt das offizielle Motto des Parteitages: "...und das ist erst der Anfang."

Bericht vom Parteitag Bündnis 90/Die Grünen
ARD-Sondersendung, 27.01.2018

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Januar 2018 um 14:00 Uhr.

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