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Nach Pleite bei Grünen-Urwahl

Roth will weitermachen

Grünen-Chefin Claudia Roth will erneut für den Bundesvorsitz ihrer Partei kandidieren. Das kündigte die 57-Jährige in Berlin an. Roth hatte bei der Urwahl für das Spitzenduo zur Bundestagswahl eine Schlappe erlitten. Sie war mit 26,2 Prozent nur auf Rang vier gelandet. Sie bezeichnete ihr schwaches Abschneiden als eine "herbe Klatsche".

Roth sagte, es gehe jetzt nicht um ihre Enttäuschung, sondern um Verantwortung und um die Ablösung von Schwarz-Gelb. Viele Parteikollegen hätten ihr gesagt: "Die Wahl zur Spitzenkandidatin war nicht die Abwahl der Parteivorsitzenden", sagte Roth. "So viel Zuspruch habe ich noch nie bekommen." Sie berichtete von einem wahrhaften "Candystorm" aus hunderten aufmunternder E-Mails, den ihr Parteikollege Volker Beck auf dem Kurznachrichtendienst Twitter initiiert hatte. Von allen Ecken der Partei und darüber hinaus sei sie wie mit Zucker gelockt worden, nicht aufzugeben. Nun müssten die Delegierten auf dem Parteitag entscheiden, "ob sie mir dieses Amt noch zutrauen".

Grünen-Chefin Roth will weiter für Bundesvorsitz kandidieren
tagesschau 17:00 Uhr, 12.11.2012, Hans Jessen, ARD Berlin

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Spekulationen über Rückzug

Nachdem sich Roth am Wochenende außer mit einem Facebook-Eintrag nicht zum Ausgang der Urwahl geäußert hatte, waren Spekulationen aufgekommen, dass Roth einen Verzicht auf eine erneute Kandidatur erwägt. Ende Oktober hatte sie noch erklärt, unabhängig von dem Ergebnis der Basisbefragung wieder als Parteichefin anzutreten. Roth hat seit 2001 mit einer Unterbrechung den Parteivorsitz inne.

Der Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin, begrüßte im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF die Entscheidung Roths. Zuvor hatte sich der Spitzenkandidat klar dafür ausgesprochen, dass Roth sich beim Parteitag kommendes Wochenende wieder um das Amt als Parteichefin bewirbt. "Ich würde mich freuen, wenn sich Claudia Roth entschließen würde, erneut zu kandidieren", sagte er im Bericht aus Berlin. Sie habe sich bei den Grünen viele Verdienste erworben - und innerhalb der Partei Integrationsarbeit geleistet.

Neben Trittin setzte sich bei der Urwahl als zweite Spitzenkandidatin Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt durch. Im ZDF sprach sie sich ebenfalls dafür aus, dass Roth wieder als Parteichefin kandidiert.

Die meisten Stimmen bei der Urwahl erhielt Fraktionschef Trittin mit 71,9 Prozent, Göring-Eckardt erhielt 47,3 Prozent, auf Co-Fraktionschefin Renate Künast entfielen 38,6 Prozent.

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Sieger und Verlierer der Grünen-Urwahl

Katrin Göring-Eckardt

Katrin Göring-Eckardt zieht mit Jürgen Trittin als Spitzenkandidatin für die Grünen in den Bundestagswahlkampf 2013. Sie gehört dem Realo-Flügel an und kann als Frau aus dem Osten den Gegenpart zu Trittin geben, der den linken Flügel der Partei repräsentiert. Die Thüringerin war beim Umbruch 1989 in der DDR als Bürgerrechtlerin aktiv und war Gründungsmitglied von "Bündnis 90". Zuletzt hatte die 46-Jährige keine Führungsfunktion in der Partei inne. Ihre Spitzenkandidatur hatte sie nur verklausuliert angekündigt. Vielleicht rührte ihre Zurückhaltung daher, dass sie schlechte Erfahrungen mit Abstimmungen bei den Grünen gemacht hat. 2005 wurde sie nach drei Jahren als Fraktionssprecherin abgewählt. Vor allem vom linken Flügel schlug ihr damals wegen ihrer christlichen Orientierung und einiger konservativer Ansichten Skepsis entgegen. 2009 wurde die Mutter von zwei Kindern zur Präses der Synode der Evangelischen Kirche gewählt. Als langjährige Vizepräsidentin des Bundestags genießt Göring-Eckardt parteiübergreifend Respekt. (Foto: dpa)

Keine Schnittmengen mit der Union

Zur Debatte über einen möglichen Schwenk der Grünen hin zur Union betonte Trittin, er könne sich "überhaupt nicht vorstellen", mit der CSU zusammenzuarbeiten. Diese sei antieuropäisch. Auch ein Zusammengehen mit CDU oder FDP lehnte er ab.

Am Samstag hatte die zweite Spitzenkandidatin, Katrin Göring-Eckardt, in den Tagesthemen erklärt, die Grünen beanspruchten die bürgerliche Mitte. In der Sozialpolitik gebe es viele Berührungspunkte mit den Sozialdemokraten. Sie hoffe, es reiche für eine rot-grüne Mehrheit nach der Bundestagswahl, sagte Göring-Eckardt.

"Ich hoffe, dass Claudia an der Kandidatur festhält"

Auch andere führende Grünen-Politiker hatten Roth zum Weitermachen aufgefordert. Co-Parteichef Cem Özdemir sagte der "Berliner Zeitung": "Ich hoffe sehr und wünsche mir, dass Claudia an der Kandidatur für den Bundesvorsitz festhält." Die Urwahl sei keine Abstimmung über ihre Arbeit als Parteivorsitzende gewesen - sondern ein klares Votum dafür, welche beiden Personen die Gesichter der Grünen im Bundestagswahlkampf sein sollten.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bat Roth ebenfalls, wieder anzutreten. Die Grünen bräuchten ihr "engagiertes Eintreten" dringend.

Matthias Deiß (ARD Berlin) zur erneuten Kandidatur von Claudia Roth
tagesschau 12:00 Uhr, 12.11.2012

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Stand: 12.11.2012 08:23 Uhr

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