Sonnenblumenlogo der Grünen | Bildquelle: dpa

Streit um Inhalte Grüne Selbstzerfleischung

Stand: 19.05.2017 17:27 Uhr

Die Grünen wollen bei der Bundestagswahl drittstärkste Kraft werden. Derzeit ist das undenkbar. Interne Querelen sind die Folge. Aktuelles Streitthema: Ein "gesinnungsethischer Überschuss", den der Umfrageliebling der Partei feststellte.

Schlechte Umfragewerte, schlechte Wahlergebnisse und nun auch schlechte Stimmung. Die Grünen präsentieren sich vier Monate vor der Bundestagswahl alles andere als einig. Nach öffentlicher Kritik von namhaften Parteimitgliedern hat nun Parteichef Özdemir ein Machtwort gesprochen: Er verbitte sich "öffentliche Ratschläge von der Seitenlinie".

Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann
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Mächtiger Quertreiber: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann legt sich mal wieder mit seiner Partei an.

Die klare Ansage richtete sich vor allem an Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Der hatte seine Partei zu mehr Konzentration auf grüne Kernthemen aufgefordert und gesagt, man dürfe sich "nicht immer an Themen abarbeiten, bei denen wir nichts gewinnen können - wie etwa die Ausweitung der sicheren Herkunftsländer auf die Maghreb-Staaten". Vorschläge und Debatten müssten zu den aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft passen. Mit Blick in Richtung NRW, diagnostizierte Kretschmann "einen gesinnungsethischen, einen idealistischen Überschuss. Das kann leicht nach hinten losgehen."

Aus Sicht der Parteispitze, die laut aktuellem DeutschlandTrend bei acht Prozent dümpelt, ist das eine unerwünschte und "nicht hilfreiche" Einmischung. Özdemir forderte: "Schluss mit der Selbstbeschäftigung."

Trittin will Macht, Göring-Eckardt Inhalte

Zuvor hatte sich bereits der Ex-Bundesumweltminister und Ex-Spitzenkandidat Jürgen Trittin kritisch geäußert. In Schleswig-Holstein regte er eine Ampelkoalition mit SPD und FDP an. Dies sei besser als ein Jamaika-Bündnisses mit CDU und FDP. "Wenn man zwei große Partner zur Auswahl hat, dann nimmt man den kleineren, dann hat man mehr vom Kuchen."

Das machtpolitische Kalkül des Ex-Ministers hatte Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt entschieden zurückgewiesen: "Es geht um inhaltliche Fragen."

Mit Bienen, Vögeln und Co. in den Wahlkampf

Cem Özdemir auf der Neujahrsklausur der Bundestagsfraktion. | Bildquelle: dpa
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Cem Özdemir verbittet sich Einmischungen von der "Seitenlinie".

Die Grünen setzen im Bundestagswahlkampf auf Umweltfragen, die im Alltag der Wähler spürbar sind. "Wir sind die Partei, die eine Antwort hat auf den stummen Frühling, wenn es immer weniger Singvögel gibt, wenn Bienen immer weniger sind und die Insekten abnehmen", sagte Özdemir.

Die Grünen wollen bei der Bundestagswahl laut eigener Auskunft "deutlich zweistellig" abzuschneiden und drittstärkste Kraft vor Linken, FDP und AfD zu werden.

Das basisdemokratisch gewählte Spitzenduo Göring-Eckardt/Özdemir steht parteiintern in der Kritik.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Mai 2017 um 09:05 Uhr

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