Oskar Gröning | Bildquelle: AFP

BGH zu Gröning-Urteil Historischer Beschluss zu NS-Unrecht

Stand: 28.11.2016 11:13 Uhr

Die Verurteilung Oskar Grönings wegen Beihilfe zum NS-Massenmord ist rechtskräftig. Der BGH bestätigte die Haftstrafe gegen den "Buchhalter von Auschwitz". Das könnte auch Folgen für weitere Handlanger des Holocausts haben.

Im Fall des früheren SS-Manns Oskar Gröning hat der Bundesgerichtshof (BGH) erstmals eine Verurteilung wegen Beihilfe zum massenhaften Mord in einem NS-Vernichtungslager höchstrichterlich bestätigt - obwohl er an einzelnen Morden nicht beteiligt war. Der Schuldspruch gegen den 95-Jährigen ist damit rechtskräftig.

Gröning war im Juli 2015 in einem der letzten großen Auschwitz-Prozesse vom Landgericht Lüneburg zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte eingeräumt, das Geld der verschleppten Juden verwaltet und die Ankunft der Transporte mit beaufsichtigt zu haben. Das Gericht wertete das als Beitrag zum Funktionieren der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie. Damit wurde Gröning sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verurteilt, ohne dass er an einzelnen Mordtaten direkt beteiligt war.

Frank Bräutigam, SWR, zur Bestätigung des Urteils
tagesschau 12:00 Uhr, 28.11.2016

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Weitere Prozesse können folgen

Revision dagegen eingelegt hatten Gröning selbst sowie mehrere Nebenkläger. Mit dem Karlsruher Beschluss ist dieses Urteil laut Holtermann rechtskräftig. Damit wäre der Weg frei, auch anderen hochbetagten Handlangern des NS-Regimes den Prozess zu machen. Ob Gröning ins Gefängnis muss, hängt von seiner Gesundheit ab.

Jahrzehntelang wurden am Holocaust Beteiligte nicht zur Verantwortung gezogen, weil sie zwar Rad im Getriebe waren, aber nicht selbst getötet hatten. Eine Wende leitete erst das Münchner Urteil gegen den früheren Sobibor-Aufseher John Demjanjuk von 2011 ein. Aber dessen Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord an 28.000 Juden wurde nie rechtskräftig, weil Demjanjuk vorher in einem Pflegeheim starb.

Über dieses Thema berichteten tagesschau24 am 28. November 2016 um 11:00 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

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