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Entwicklung in Griechenland Steinmeier ist "fassungslos"

Stand: 28.06.2015 19:01 Uhr

Nach Ansicht von Bundesaußenminister Steinmeier liegt die Schuld für das Scheitern der Verhandlungen allein bei der griechischen Regierung, insbesondere bei Ministerpräsident Tsipras. "Ich bin einigermaßen fassungslos über deren Verhalten", sagte er im Bericht aus Berlin.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat harsche Kritik an der griechischen Regierung geäußert. Im Bericht aus Berlin äußerte er sein Unverständnis über deren Kurs. Die Schuld für das Scheitern der Verhandlungen liege ausschließlich bei der griechischen Regierung, insbesondere bei Ministerpräsident Alexis Tsipras. Dessen Weg sei "befremdlich", sagte Steinmeier.

"Ich bin einigermaßen fassungslos über das Verhalten der griechischen Regierung", fuhr der SPD-Politiker fort. Es habe wirklich nicht an Mühe und Zeit gefehlt, Europa habe alles versucht. Doch Griechenland habe entschieden, die Verhandlungen zu verlassen. "Nun läuft uns die Zeit davon", sagte Steinmeier mit Blick auf das am Dienstag auslaufende Hilfsprogramm.

Sollten die griechischen Banken am Montag öffnen, "dann kann es sein, dass der erste Ansturm auf die Geldautomaten, auf die Banken schon dazu führt, dass Griechenland illiquide wird und damit der Pleite entgegen schwimmt".

Außenminister Steinmeier kritisiert Athen
Bericht aus Berlin 18:30 Uhr, 28.06.2015

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Krisentreffen im Kanzleramt

Wegen der sich verschärfenden Griechenland-Krise ruft Kanzlerin Angela Merkel die Spitzen der im Bundestag vertretenen Parteien am Montag im Kanzleramt zusammen. Sie will die Partei- und Fraktionschefs dabei über die aktuellen Entwicklungen unterrichten. Beschlüsse seien nicht zu erwarten.

Die Bundestags-Abgeordneten von CDU und CSU kommen außerdem später am Nachmittag (17.30 Uhr) zu einer außerplanmäßigen Fraktionssitzung zusammen, wie ein Fraktionssprecher sagte.

Wirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel sagt nach Angaben einer Sprecherin wegen der Griechenland-Krise seine zweitägige Israel-Reise ab. Für ihn reist die Parlamentarische Staatssekretärin Brigitte Zypries.

Nur mit Bargeld nach Griechenland

Die Bundesregierung rät allen Griechenland-Reisenden, sich vorab mit ausreichend Bargeld zu versorgen. "In Griechenland kann es bei der Bargeldversorgung zu erheblichen Wartezeiten kommen, auch zu Engpässen beispielsweise bei der Ausstattung der Automaten mit Bargeld", heißt es in einem aktuellen Hinweis auf der Homepage des Auswärtigen Amtes. Reisenden wird außerdem empfohlen, "sich zur Lageentwicklung über diese Reisehinweise und die Medien informiert zu halten".

Fassungslosigkeit bei den Koalitionsparteien

Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" kritisierte der Sozialdemokrat die griechische Regierung scharf. Er sei "entsetzt, dass die Griechen ein sehr weitgehendes Angebot abgelehnt haben, was ja sogar ein drittes Hilfsprogramm und sogar eine Umschuldung enthalten hat", sagte Gabriel dem Blatt. "Diese Angebote gingen weiter als alles, was es bisher gab."

Unionsfraktionschef Volker Kauder warf der griechischen Regierung vor, ihr Land ins Chaos zu führen. "Das Ganze trägt doch absurde Züge", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung (Montag). "Tsipras und Co. wollen die Bürger über das Verhandlungsangebot der Euro-Staaten abstimmen lassen, das seit Samstag gar nicht mehr auf dem Tisch liegt", sagte Kauder.

Opposition sieht Merkel am Zug

Die Linkspartei forderte hingegen eine Verlängerung des Hilfsprogramms für Griechenland. "Bundeskanzlerin Merkel muss jetzt eingreifen. Das Schicksal Europas liegt in ihren Händen", hieß es in einer Erklärung.

Kritik kam auch von den Grünen: Deren Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter sprach von einem absolut unverantwortlichen Geschehen, wenn Griechenland aus dem Euro falle. "Das hat unter Umständen schreckliche ökonomische Konsequenzen für Resteuropa und für den Rest der Welt", sagte Hofreiter der ARD. Er forderte einen EU-Sondergipfel.

Merkel setzt überparteiliches Spitzentreffen zur Griechenlandkrise an
tagesschau 20:00 Uhr, 28.06.2015, Michael Stempfle, ARD Berlin

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