Greenpeace fordert Ende der Kohle-Verstromung

Umweltorganisation will Ende der Kohle-Verstromung

Greenpeace gegen den "Tod aus dem Schlot"

Greenpeace fordert im Zuge der Energiewende einen Ausstieg Deutschlands aus der Kohle-Verstromung. Die Umweltschutzorganisation wirft der Bundesregierung eine Vernachlässigung des Themas vor. Um den politischen Druck zu erhöhen, hat Greenpeace eine umstrittene Studie vorgelegt.

Von Angela Tesch, MDR, ARD-Hauptstadtstudio

Braunkohle-Tagebau nahe Jänschwalde in Brandenburg (Bildquelle: dpa)
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Das Braunkohle-Kraftwerk nahe Jänschwalde in Brandenburg zählt laut Studie zu den gesundheitsschädlichsten in Deutschland.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wirft der Bundesregierung vor, beim Ausstieg aus der Atomenergie die Schäden durch die Verbrennung von Braun-und Steinkohle sträflich zu vernachlässigen. Noch wird der größte Teil des Stroms in Deutschland - 45 Prozent - in Kohlekraftwerken produziert. 

"Zur Energiewende gehört für uns ganz klar der Ausstieg aus der Kohleverstromung", fordert Energie-Experte Gerald Neubauer. Geht es nach Greenpeace, sollte Braunkohle ab 2030 und Steinkohle ab 2040 der Vergangenheit angehören.

Studie sieht für 3000 Europäer jährlich "Tod aus dem Schlot"

Um den politischen Druck zu erhöhen, haben die Umwelt-Aktivisten eine Studie vorgelegt, die jährlich für über 3000 Menschen in Europa den "Tod aus dem Schlot" errechnet hat. Eine gewagte Prognose, räumt auch Studienleiter Rainer Friedrich von der Uni Stuttgart ein. Denn es gebe große statistische Unsicherheiten. Trotzdem könnten die Schlussfolgerungen gültig bleiben.

Mit der Berechnung der Feinstaubentwicklung und -konzentration im Umkreis von Kohlekraftwerken könnten die gesundheitlichen Langzeitfolgen nur geschätzt werden, erklärt Friedrich. Dass Feinstaub schon bestehende Vorerkrankungen der Atemwege sowie Asthma oder Lungenkrebs verstärkt, sei aber unwidersprochen. Allerdings sorgen vor allem die Emissionen der Landwirtschaft dafür, dass der Luftraum zum Chemielabor wird und sich erst vermehrt Feinstaub bildet. Auch der Straßenverkehr ist ein größerer Feinstaub-Verursacher als Kohlekraftwerke.

Interessant ist dabei, dass die Feinstaubkonzentration nicht unmittelbar an den Kohlekraftwerken am höchsten ist: "Weil wir hohe Schornsteine haben und Schadstoffe somit erst nach einem Kilometer überhaupt den Boden erreichen", erklärt Friedrich. Vor allem deshalb, weil die sekundären Schadstoffe die schädlichen seien. Und die müssten sich in der Luft erst bilden. Es dauere einige Zeit, bis die chemische Umwandlung stattgefunden habe, sagt Friedrich. "Und während dessen sind die dann schon hundert bis zweihundert Kilometer weit weg geweht."

Tod aus dem Schlot? Greenpeace-Studie ist umstritten
A. Tesch, ARD Berlin
03.04.2013 15:35 Uhr

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Größte Risiken im Revier und in ostdeutschen Großstädten

Damit sorgen die größten Dreckschleudern, die laut der Studie vor allem im rheinischen Braunkohlerevier in Nordrhein-Westfalen und in der Lausitz stehen, für weiträumig verteilte Gesundheitsrisiken. Betroffen sind das dicht besiedelte Ruhrgebiet ebenso wie die Großstädte Berlin, Dresden und Leipzig.

Feinstaub fliegt auch über die Grenzen nach Holland oder Polen. 30 bis 40 Prozent der Emissionen kommen je nach Windrichtrung aus den Nachbarländern nach Deutschland.

Es ist nicht verwunderlich, dass zu den zehn gesundheitsschädlichsten Kraftwerken neun Braunkohlekraftwerke gehören. Allen voran Jänschwalde, Schwarze Pumpe sowie Boxberg und Lippendorf in Sachsen und Schkopau in Sachsen-Anhalt.

Die von Greenpeace betonte erste "kraftwerksscharfe" Bestimmung der Gesundheitsrisiken kommt zum Beispiel für Jänschwalde auf 373 Todesfälle durch Feinstaub-Folgen. Betreiber Vattenfall hält die Studie für einseitig und wirft Greenpeace vor, die Kohle zu diskreditieren und den Menschen Angst zu machen.

Emissionen aus Kohlekraftwerken sollen vorzeitige Todesfälle verursachen
tagesschau 16:00 Uhr, 03.04.2013, Juliane Fliegenschmidt, WDR

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Stand: 03.04.2013 18:18 Uhr

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