Herbert Grönemeyer und Chris Martin | Bildquelle: dpa

Global Citizen-Festival "Wir sind eine Familie"

Stand: 07.07.2017 03:18 Uhr

Ein Konzert als Ermutigung: Vor dem G20-Treffen haben sich zahlreiche Popstars auf dem Global-Citizen-Festival für eine gerechtere Welt eingesetzt. Das Publikum hatte sich die Karten durch ein besonderes Engagement verdient.

Von Eckart Aretz, tagesschau.de

11.000 Konzertbesucher warten auf Coldplay und Shakira, doch es kommt Olaf Scholz. Politiker, Popstars und Manager auf einer Bühne - es ist ein ungewöhnliches Konzert, das an diesem Abend auf die Besucher der Hamburger Barclaycard-Arena wartet. Es geht um den Kampf gegen Armut und Ungleichheit, und das Konzert will ein Zeichen setzen an den G20-Gipfel, der am Morgen nach dem Konzert in der Hansestadt beginnen soll.

Pop-Musik für eine gerechtere Welt
tagesschau24 11:00 Uhr, 07.07.2017, Anna Lisa Lohmann

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Insofern hat es seine Logik, dass Scholz - nach kurzer Einführung durch Moderatorin Barbara Schöneberger - den Reigen eröffnet, als Erster Bürgermeister ist er gewissermaßen Gastgeber von Gipfel und Festival. Andererseits nehmen es Scholz gerade viele Hamburger übel, dass ihr Leben durch den Gipfel stark eingeschränkt wird, und so wird Scholz zwar mit Beifall, aber auch mit Pfiffen empfangen. Es soll der einzige Misston bleiben, und Scholz reicht das Mikrophon nach einem kurzen Plädoyer für mehr Solidarität in der Welt weiter an Justin Trudeau, und da ist der Jubel groß.

Trudeau füllt derzeit die Rolle des Posterboys der internationalen Politik aus: Er ist jung, dynamisch, gutaussehend und auf dem amerikanischen Kontinent der Gegenentwurf zu Donald Trump. Trudeau, der später noch einmal mit seiner Frau auftreten wird, setzt sich für mehr Gleichberechtigung ein. "Gleiche Chancen für Mädchen und Frauen können die Welt verändern", ruft er aus, lobt das Publikum als "die Führer der Zukunft" und bittet Coldplay auf die Bühne.

Coldplay-Sänger Chris Martin beim Global-Citizen-Festival | Bildquelle: AFP
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Herzensangelegenheiten: Coldplay-Sänger Chris Martin

Star folgt auf Star

Die Fans im Saal sind damit schon nach einer guten Viertelstunde am Rande der Ekstase. Die britische Superband bedient die Erwartungen mit einer Reihe von Superhits und bittet dann die kolumbianische Sängerin Shakira hinzu. So geht es im engen Takt weiter, ein Star macht die Bühne frei für den nächsten, auf Andreas Bourani folgt Ellie Goulding folgt Pharell Williams folgt Lena folgt Herbert Grönemeyer.

Es ist dies eine Art Versammlung von Gleichgesinnten. Die Künstler treten ohne Gage auf, und der Großteil des Publikums hat die Karten in einer Verlosung gewonnen. Dafür mussten sie sich an einer Aktion von "Global Citizen" beteiligen. Die Plattform hat sich dem Kampf gegen Hunger und Armut und für mehr Gerechtigkeit, Umweltschutz und Bildung verschrieben.

Ute und Werner aus Hamburg zum Beispiel hatten bei Online-Petitionen für mehr Bildungschancen und später für saubere Ozeane mitgemacht, aus einer Aktion ergab sich die folgende. Sie glauben, dass auch von diesem Konzert eine Botschaft ausgeht. "So etwas braucht man", sagen sie, "man merkt, dass man nicht allein ist". Und es würde Jugendliche mit Ideen in Kontakt bringen, mit denen sie sich sonst vielleicht nicht beschäftigen würden. Andere Besucher haben Twitter-Nachrichten an Politiker geschickt, Botschaften angerufen oder Fotos mit einer Botschaft in den sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Ellie Goulding beim Global-Citizen-Festival | Bildquelle: AFP
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Enthusiamus in Wechselwirkung: Ellie Goulding

Khatia Buniatishvili | Bildquelle: dpa
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Und Klassik gab es auch: Echo-Preisträgerin Khatia Buniatishvili

Ideen für eine bessere Welt

Konzepte und Initiativen werden reichlich vorgestellt im Laufe der vier Stunden. Für sauberes Trinkwasser, für mehr Bildungschancen in den ärmsten Ländern, für den Kampf gegen Ebola, für mehr gesunde Lebensmittel, für mehr Klimaschutz. Die Konzertbesucher unterstützen das ausgiebig mit Beifall und Jubel, allemal, wenn es gegen den US-Präsidenten geht. Außenminister Sigmar Gabriel beschwert sich, die USA verstünden die internationale Zusammenarbeit als eine Art "Kampfarena", während Jerry Brown, der Gouverneur von Kalifornien, einen Klima-Aktionsgipfel im kommenden Jahr in San Francisco ankündigt. Der Direktor der Weltbank tritt vor das Publikum, die norwegische Ministerpräsidentin, der argentinische Präsident.

An diesem Punkt hätte es heikel werden können, denn unter den Reformen von Mauricio Macri sind seit Ende 2015 rund 1,5 Millionen Argentinier in die Armut abgerutscht, aber Macri lobt das Engagement des Publikums, lädt das Festival im kommenden Jahr zum G20-Gipfel in Buenos Aires ein und schwenkt die "Global Citizen"-Fahne. Nicht jedem im Publikum gefallen diese Auftritte. Frieder aus Hamburg ärgert sich darüber, dass manche Politiker auf der Bühne "auf weiße Weste" machen würden.

Ob Macri noch hörte, was kurz nach ihm Herbert Grönemeyer forderte? Die Bundeskanzlerin solle keinen der Gipfelgäste - also auch nicht Macri - nach Hause lassen, "bevor der Topf gefüllt ist". Grönemeyer wies damit auf die Hungernöte in Somalia, Niger, dem Südsudan und im Jemen hin - hier fehlen den UN-Hilfswerken mindestens 3,5 Milliarden US-Dollar. "Wir sind alle eine Familie", sagt er mit Blick auf die Welt, "wir wachsen immer enger zusammen".

Parrell Williams beim Global-Citizen-Festival | Bildquelle: AP
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Bei "Freedom" wurde die Bühne eng: Parrell Williams und begeisterte Fans.

Deutsch-britischer Gleichklang

Wie eng, zeigt der Auftritt des US-Sängers Pharrell Williams, der zu "Freedom" das Publikum kurzerhand auf die Bühne holt. Besucher unterschiedlichster Herkunft drängen sich da um ihn, fast eine kleine UN, und werfen ihre Hände in die Höhe. Den wummernden Schlusspunkt setzt dann Grönemeyer, auch mit 61 noch so tanzwütig wie einst. Am Ende holt er noch einmal Chris Martin auf die Bühne, den Sänger von Coldplay. Der Brite hat sich auf 15 Jahre als Festival-Kurator verpflichten lassen, da gehören wohl auch solche Duette dazu. Grönemeyer und Martin singen auf deutsch und finden das beide ziemlich komisch - ein eher im übertragenen Sinne harmonischer Ausklang des Konzerts.

Dann ist weit nach 23 Uhr Schluss. Die Besucher gehen hinaus in die Hamburger Nacht mit ihrem Blaulichtschimmer. Über der Stadt knattern die Hubschrauber.

Herbert Grönemeyer und Chris Martin | Bildquelle: dpa
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Keine Spur von Brexit: Grönemeyer und Martin gaben ein insgesamt funktionierendes, vor allem zufriedenes Duo ab.

Über dieses Thema berichteten am 06. Juli 2017 die tagesthemen um 22:30 Uhr und Deutschlandfunk Kultur um 23:22 Uhr.

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