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29.05.2012

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Inland
Wulff und Glaeseker (Foto: dpa)
Razzia bei Wulffs Ex-Sprecher Glaeseker
In Niedersachsen, Berlin und Schweiz

Durchsuchung bei Wulffs ehemaligem Sprecher

Die Wohn- und Geschäftsräume des ehemaligen Sprechers von Bundespräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker, sind durchsucht worden. Auf Anweisung der Staatsanwaltschaft Hannover durchkämmten Beamte des Landeskriminalamtes die Räume von Glaeseker sowie des Eventmanagers Manfred Schmidt in Wunstorf, Berlin und in der Schweiz. Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit. Glaeseker und Schmidt werden Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung vorgeworfen.

Nord-Süd-Dialog "gefällig gefördert"?

Schmidt hatte zu Wulffs Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident enge Kontakte zur Staatskanzlei in Hannover gehabt. So organisierte der Eventmanager den "Nord-Süd-Dialog" - eine private Veranstaltungsreihe, bei der sich niedersächsische und baden-württembergische Unternehmen präsentieren sollten. Die Schirmherrschaft hatten Wulff und der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Günter Oettinger (CDU) übernommen.

Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass Glaeseker als niedersächsischer Regierungssprecher in den Jahren 2007 bis 2009 die Durchführung und Finanzierung des von Schmidt organisierten Nord-Süd-Dialogs "gefällig gefördert" habe. Als Gegenleistung habe Glaeseker mehrfach unentgeltlich Urlaube in Ferienhäusern von Schmidt gemacht.

DeutschlandTrend im ARD-Morgenmagazin:

Sollte Bundespräsident Wulff zurücktreten?

"Mehr als nur ein Anfangsverdacht"

Bei den Razzien wurden Schriftstücke und Computerdateien gesichert, die nun ausgewertet werden sollen. Gesucht worden sei nach Aufzeichnungen über den "Nord-Süd-Dialog", über die Urlaubsaufenthalte sowie die "beruflichen und privaten Verbindungen der Beschuldigten miteinander".

Die Bildkombo zeigt den Eventmanager Manfred Schmidt (links) und den Ex-Sprecher von Bundespräsident Wulff, Olaf Glaeseker (Foto vom 2.02.2007) (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Bildkombo zeigt den Eventmanager Manfred Schmidt (links) und den Ex-Sprecher von Bundespräsident Wulff, Olaf Glaeseker (Foto vom 2.02.2007) ]
Oberstaatsanwalt Lendeckel sprach gegenüber dem NDR davon, dass seine Behörde inzwischen von einem "qualifizierten Anfangsverdacht" gegen Glaeseker ausgehe. "Das ist ein bisschen mehr als nur ein Anfangsverdacht", erklärte er. Glaeseker soll ab 2008 mit seiner Frau dreimal in Auslandsquartieren des Eventunternehmers Schmidt gratis Urlaub gemacht haben. Der 50-Jährige, der als enger Vertrauter von Wulff gilt, war damals Niedersachsens Regierungssprecher im Rang eines Staatssekretärs und hätte als Landesbediensteter teure Geschenke wie einen Gratisurlaub vermutlich nicht annehmen dürfen.

Das Bundespräsidialamt wollte zu den Vorwürfen gegen den Ex-Präsidentensprecher keine Erklärung abgeben. Zu laufenden Ermittlungsverfahren könne man nicht Stellung nehmen, sagte eine Sprecherin in Berlin.

Wulff hatte seinen langjährigen Vertrauten kurz vor Weihnachten ohne Angabe von Gründen entlassen. Während es bei Wulff laut Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt und kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, hatte die Behörde bei Glaeseker zuletzt davon gesprochen, das weitere Vorgehen zu prüfen.

Nord-Süd-Dialog: Promi-Treff und Glamour-Gipfel:

Der Nord-Süd-Dialog wurde Ende 2007 als Promi-Treff der Länder Niedersachsen und Baden-Württemberg gestartet. In Hannover kamen damals rund 600 Gäste zusammen, darunter Politiker, Unternehmer, Schauspieler und Sportler. Schirmherren waren die damaligen Regierungschefs Christian Wulff und Günther Oettinger. Veranstalter war Manfred Schmidt, der als einer der bekanntesten Party-Veranstalter in Deutschland gilt. Ziel war es, ein Netzwerk zwischen Prominenten aus den beiden Bundesländern aufzubauen.

Zum Gegenbesuch machten sich die Niedersachsen im Jahr darauf nach Stuttgart auf. Der dritte Nord-Süd-Dialog ging dann im Dezember 2009 an einem gesperrten Flughafen-Terminal in Hannover über die Bühne. Dabei blieb es - unter Wulff-Nachfolger David McAllister (CDU) wurde der Promi-Treff nicht fortgeführt. Ein "Glamour-Gipfel" passe nicht in das Konzept von McAllister, heißt es aus der Staatskanzlei.
 
Stand: 19.01.2012 17:07 Uhr
 

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