Archivbild vom 17. August 1988: Dieter Degowski in dem gekaperten Bus | Bildquelle: dpa

Geiselnehmer von Gladbeck Degowski ist wieder frei

Stand: 16.02.2018 16:25 Uhr

Der Gladbecker Geiselnehmer Degowski ist nach fast 30 Jahren Haft freigelassen worden. Der 61-Jährige verließ bereits die Justizvollzugsanstalt Werl. Sein Komplize Rösner bleibt vorerst in Haft.

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski ist am Donnerstag aus der Haft entlassen worden. Dies bestätigte die Leiterin der Justizvollzugsanstalt Werl. Degowski und sein ein Jahr jüngerer Komplize Hans-Jürgen Rösner hatten im August 1988 nach einem missglücktem Bankraub in Gladbeck die Republik in Atem gehalten. Drei Tage lang flüchteten sie mit Geiseln quer durch Deutschland. Zwei Menschen wurden erschossen, ein Polizist verunglückte bei der Verfolgung.

Wegen des Verbrechens wurden Degowski und Rösner 1991 vom Landgericht Essen zu lebenslanger Haft verurteilt. Später stellten Gerichte bei beiden Tätern eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt. Dabei wurde für den in Werl inhaftierten Degowski eine Mindesthaftdauer von 24 Jahren festgelegt, die er längst verbüßt hat.

Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt

Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg hatte die lebenslange Freiheitsstrafe Degowskis am 10. Oktober unter zahlreichen Weisungen zur Bewährung ausgesetzt. Sie hatte sich nach Angaben des nordrhein-westfälischen Justizministeriums auf die günstige Prognose und das tadellose Verhalten Degowskis im Vollzug gestützt.

Degowski sei laut einem Gutachten "nachgereift, psychisch stabil" und ohne Alkohol- und sonstige Suchtprobleme, hatte Justizminister Peter Biesenbach im November erklärt. Er habe alle Lockerungen der Justizvollzugsanstalt Werl beanstandungsfrei absolviert - insgesamt 38 unbegleitete sowie zwölf Langzeitausgänge. Auch die Staatsanwaltschaft hatte keinerlei Einwände erhoben.

Degowski bekommt neuen Namen

Degowskis Anwältin Lisa Grüter hatte bereits im vergangenen Oktober mit Blick auf die nahende Entlassung ihres Mandanten mitgeteilt, dass er künftig nicht mehr Degowski heißen werde. Mit einem neuen Namen wolle er "dieses Stigma" loswerden, dass "er sich mit Degowski vorstellen muss, dem Namen, der so viele Erinnerungen weckt", erläuterte Grüter. Zudem sei er dankbar dafür, "dass er von der Gesellschaft noch eine Chance bekommt".

Komplize bleibt in Haft

Sein Komplize Rösner sitzt weiterhin in Haft. Nach Angaben seines Anwalts bemüht er sich zunächst um eine Überstellung in den offenen Vollzug, strebt aber ebenfalls eine vorzeitige Entlassung an. Die Gefängnisleitung bestätigte, dass Rösner im November eine Therapie begonnen habe. Das sei ein notwendiger erster Schritt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Februar 2018 um 16:15 Uhr.

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