Das erste Zusammentreffen der Präsidenten Putin und Trump | Bildquelle: REUTERS

Treffen zwischen Trump und Putin Frostige Erfolgsaussichten

Stand: 07.07.2017 03:29 Uhr

Sonderlich herzlich dürfte das heutige Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem russischen Präsidenten Putin nicht werden: Zu klar hat Trump zuletzt gegen die Politik des Kremls Front bezogen. Können die Gespräche das dicker werdende Eis wieder brechen?

Von Hermann Krause, ARD-Studio Moskau

Es war sicherlich ein Schock für die russische Delegation, zu hören, was der amerikanische Präsident in Warschau verkündete: Lieferungen von Patriot-Abwehrkehrraketen für Polen und heftige Kritik an Russlands Politik in Syrien und der Ukraine.

Das staatlich gelenkte russische Fernsehen kommentierte den Auftritt so: Die beiden Staatschefs Donald Trump und Andrzej Duda hätten zueinander gefunden, weil sie ein gemeinsames Thema hätten - sie beschuldigten Russland der militärischen Bedrohung. Trump sagte, man müsse der Destabilisierung durch Moskau widerstehen. Und der polnische Präsident äußerte die Hoffnung, dass ständig in Polen amerikanische Soldaten stationiert würden.

Zurückhaltung im Kreml

Keine guten Vorzeichen also für das heutige Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Trump. Auffallend ist, dass sich die russische Seite mit Kommentaren auf die Äußerungen Trumps zurückhält. Aus dem Kreml: keine Kritik, keine Häme, keine bösen Worte. Der russische Präsident ist augenscheinlich darum bemüht, gute Stimmung zu verbreiten.

So zum Beispiel in seinem Grußwort, das er vor dem Gipfel im "Handelsblatt" veröffentlichte: "Es ist offensichtlich, dass die G20 einen beachtlichen Beitrag zur Verbesserung der Stabilität der Weltwirtschaft leisten kann. Nur gemeinsam kann man faire Wettbewerbsregeln ausarbeiten." Zudem forderte Putin, gemeinsam gegen Cyberverbrecher und Hacker vorzugehen. Seine Regierung trete für die Umsetzung von UN-Vereinbarungen ein, daher rechne Putin "mit einer positiven Reaktion seitens anderer Länder". Gerade Russland wird immer vorgeworfen, Hackerangriffe gegen andere Staaten durchzuführen, zur Beeinflussung von Wahlen - bestes Beispiel: die USA.

Putin will kein Bösewicht mehr sein

Vielleicht deshalb jetzt diese Initiative Putins, um aus der Ecke des ewigen Bösewichts herauszukommen. Ausdrücklich stellt sich Putin beim Klima auf die Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Russland stehe zum Pariser Klimaabkommen und übererfülle seine Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll, schrieb er in seinem Grußwort.

Auch bei einem Treffen in Sotschi vor sechs Wochen hatte Putin Merkel seine Unterstützung beim G20-Gipfel zugesagt. Er setzt auf Diplomatie - trotz aller Differenzen sucht er ein gutes Verhältnis zum Westen. Sein Sprecher Dimitri Peskow schraubt im Voraus die Erwartungen an das Treffen mit Trump herunter: "Obwohl es um ein bilaterales Gespräch geht, findet es im Rahmen der G20 statt - es ist zeitlich also sehr begrenzt. Wladimir Putin wird kaum die Möglichkeit haben, ausführlich seine Position darzustellen."

Zudem müssten Maßnahmen ausgemacht werden, um die ständigen Provokationen von Seiten der ukrainischen Streitkräfte einzustellen, sagt Peskow mit Blick auf den Ukraine-Konflikt weiter. Dass Putin bei Trump ein offenes Ohr finde, sei dabei eher unwahrscheinlich, habe dieser sich doch schon positioniert. Russland solle seine Kriegshandlungen in der Ost-Ukraine einstellen, sagte der US-Präsident in Warschau, der alte Gegensatz zwischen Ost und West scheint wieder aufzuleben.

Von Euphorie zur Unsicherheit

Möglicherweise wird es Putin bei einem Arbeitsfrühstück mit Frankreichs Präsident Macron und Merkel leichter haben. Die Kanzlerin ist zumindest mit der russischen Argumentation vertraut. Keine weiteren Sanktionen oder der Abbau der Sanktionen, das ist das langfristige Ziel Putins, der aus der Isolation herauskommen will. Ob er im Gegenzug bereit ist, Positionen zu ändern, ist wiederum eine andere Frage. "Das Treffen mit Trump ist für das russische Establishment das wichtigste Ereignis. Aber die Euphorie hat nachgelassen. Die Begeisterung ist nicht mehr festzustellen. Es herrscht vielmehr ein Gefühl der Unsicherheit", fasst es Professor Igor Gretzki von der Universität Sankt Petersburg zusammen.

Das Gespräch mit Trump soll im Beisein der Delegationen stattfinden, also nicht bilateral, so angeblich der Wunsch der Berater Trumps. Gleichzeitig hoffen die Russen darauf, dass ein Termin für einen richtigen russisch-amerikanischen Gipfel verabredet wird, dies sei längst überfällig, heißt es aus dem Kreml. Treffen wollen sich beide um 16 Uhr in dem Kongresszentrum, in dem sowieso getagt wird. Dadurch würden beide die Sitzung über "Klima und Energie" schwänzen, die um 15.30 Uhr beginnt. Das Gespräch zwischen Trump und Putin soll eine Stunde dauern. Der russische Präsident war erst in der Nacht in Hamburg eingetroffen.

Putin trifft Trump auf G20-Gipfel
Hermann Krause, ARD Moskau zzt. Hamburg
06.07.2017 21:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Juli 2017 um 06:38 Uhr.

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