Studie des RKI zur Gesundheit Erwachsener Jeder vierte Deutsche ist fettleibig

Stand: 14.06.2012 17:11 Uhr

Die Deutschen werden immer dicker - das ist das Ergebnis einer zweiten bundesweiten Studie, die das Robert-Koch-Institut durchgeführt hat. Knapp ein Viertel der Männer und Frauen ist demnach mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 30 fettleibig.

Stichwort

Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO gelten Erwachsene mit einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 25 und 30 als übergewichtig und Personen mit einem BMI von über 30 als fettleibig.

Der BMI berechnet sich aus dem Gewicht geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat. Er gibt damit das Gewicht einer Person im Verhältnis zur Körpergröße an.

Insgesamt bringen in Deutschland zwei Drittel der Männer und mehr als die Hälfte aller Frauen mit einem BMI von über 25 zu viele Kilos auf die Waage. Damit ist der Trend zum Übergewicht im Vergleich zu früheren Studien kaum zurückgegangen. Ein Viertel der Befragten ist mit einem BMI über 30 aber inzwischen fettleibig - und das ist neu.

Eine Folge des Übergewichts ist die Zunahme von Diabetes. In Deutschland leiden 7,2 Prozent der Erwachsenen an der Stoffwechselerkrankung. 1998, bei der ersten Studie dieser Art, lag der Wert bei 5,2 Prozent. Auch in anderen Wohlstandsländern ist eine Zunahme dieses Wertes zu beobachten.

Psychische Störungen weit verbreitet

Deutlich zugelegt haben auch psychische Beschwerden: Fast jeder vierte Mann und etwa jede dritte Frau gaben an, zumindest zeitweise unter ausgeprägten psychischen Störungen gelitten zu haben. Depressionen sind dabei vor allem bei Menschen aus niedriger Bildungs- und Einkommensschicht verbreitet. Ihre ersten Schlussfolgerungen formulieren die Forscher aber sehr vorsichtig. "Es gibt Hinweise, dass bei bestimmten psychischen Störungen gewisse Zunahmeeffekte zu erwarten sind", sagt Hans-Ulrich Wittchen von der TU Dresden ein. Von einer Epidemie der Depression könne man aber nicht reden.

Übergewichtige Frau
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Die Zahl der leicht übergewichtigen Menschen ist zurückgegangen, allerdings nahm die Zahl der Fettleibigen zu.

Es gab aber auch Positives zu vermelden: So nahm in Deutschland die Zahl der leicht übergewichtigen Menschen ab, auch schrumpfte die Menge der absoluten Bewegungsmuffel. "Insgesamt scheint das Sportniveau in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen zu sein", heißt es im Bericht des RKI. Rund drei Viertel der Männer und fast zwei Drittel der Frauen zwischen 18 und 79 Jahren gaben an, mindestens einmal pro Woche körperlich aktiv zu sein. Das sind bei Männern immerhin 13 Prozentpunkte, bei Frauen sogar 16 Prozentpunkte mehr als 1998.

"Hoher Prozentsatz gefährlicher Dickheit"

Bärbel-Maria Kurth vom RKI nannte die Ergebnisse zum Übergewicht "eine ernüchternde Erkenntnis". Einen so hohen Prozentsatz an gefährlicher Dickheit habe sie nicht erwartet. "Das ist kein Schönheitsaspekt mehr. Da geht es um mögliche Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislaufprobleme", erklärte sie.

Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr äußerte sich zu der Studie. Angesichts der Zahlen müssten auch Präventionsmaßnahmen der Krankenkassen hinterfragt werden. Es gelte, mehr Menschen davon zu überzeugen, dass sich gesundheitsbewusstes Verhalten lohne, so der Minister.

Für die Studie wurden von 2008 bis 2011 Gesundheitsdaten von 8152 Erwachsenen erfasst. Knapp die Hälfte davon war auch schon bei der ersten Erhebung 1998 dabei, so dass das Alter der Teilnehmer nun zwischen 18 und 91 Jahren lag. Die Stichproben waren so gewählt, dass sowohl Längs- als auch Querschnitte möglich waren.

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