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Dahinter steht eine große Idee: Die elektronische Gesundheitskarte wird das deutsche Gesundheitswesen fit für das 21. Jahrhundert machen. Bislang sorgt sie allerdings für mehr Probleme als Lösungen - tagesschau.de hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.
Wann kommt die Gesundheitskarte?
Laut Gesetz sollte sie schon 2006 eingeführt werden. Die Ausgabe der Karte wurde jedoch mehrmals verschoben. Die Testregionen melden regelmäßig technische Probleme. 2008 sollen in der Region Nordrhein Kartenlesegeräte in Arztpraxen und Krankenhäusern installiert werden. Dort soll mit der Ausgabe der Gesundheitskarte an die Versicherten Anfang 2009 begonnen werden. Nach und nach folgen dann alle anderen Regionen.
Warum wird die Gesundheitskarte eingeführt?
Die Bundesregierung verspricht sich davon entscheidende Verbesserungen im Gesundheitswesen. Mit der Karte wird eine elektronische Infrastruktur aufgebaut, die Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken und Krankenversicherer vernetzt. Dadurch sollen die Beteiligten besser zusammenarbeiten, Kosten eingespart und Patientenrechte gestärkt werden. Viele Ärzte und Datenschützer sehen das jedoch anders: Die Datensammlung störe das Arzt-Patienten-Verhältnis, sei zu teuer und nicht sicher, argumentieren sie.
Welchen Vorteil bringt mir die Gesundheitskarte?
Zunächst kann die Karte nicht viel mehr als die bisherige Versichertenkarte: Sie enthält unter anderem Name, Geburtsdatum und Krankenkasse. Neu ist das Foto des Versicherten, um Missbrauch zu verhindern. Zudem sollen auf einem Mikrochip weitere Daten gespeichert werden können - zum Beispiel das elektronische Rezept. Das E-Rezept befindet sich momentan in der Testphase.
Was soll die Karte in Zukunft können?
Eine ganze Reihe von Funktionen soll dazu kommen - aber nur, wenn der Versichert das wünscht: Medizinische Daten auf der Karte für den Notfall sind genauso vorgesehen wie die Möglichkeit, Arzneimittel dokumentieren zu lassen. Ziel ist, dass sich Ärzte die vollständige Krankengeschichte ihrer Patienten mit Arztbriefen, Röntgenbildern, Befunden usw. am Computer anschauen können – in der elektronischen Patientenakte.
Was wird auf der Karte direkt gespeichert?
Die Gesundheitskarte kann nur begrenzt Daten aufnehmen. Dies werden in erster Linie die persönlichen Daten sein. Auch das E-Rezept und die Notfalldaten werden darauf gespeichert. Anwendungen wie die Arzneimitteldokumentation oder die elektronische Patientenakte werden wegen der großen Datenmenge in Datenbanken gespeichert.
Wer ist für die Einführung zuständig?
Die Spitzenverbände der Krankenkassen, Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser haben 2005 die Gematik GmbH gegründet. Dieses Unternehmen hat die Karte entwickelt und testet sie momentan in sieben Regionen - bislang mit mäßigem Erfolg. Das Gesundheitsministerium hat die Rechtsaufsicht über die Gematik.
Von wem erhalten die Versicherten die Karte?
Von den Krankenkassen. Die Gesundheitskarte ersetzt die bisherige Krankenversichertenkarte und wird kostenlos zugeschickt.
Was muss ich als Versicherter tun?
Gar nichts. Die Versicherten werden von ihrer Krankenkasse informiert.
[Bildunterschrift: Laufen die Kosten für die Gesundheitskarte aus dem Ruder? ]
Was kostet die Gesundheitskarte?
Das ist selbst unter Experten umstritten. Das Gesundheitsministerium und die Gematik GmbH gehen von 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro aus. Für Diskussionen sorgte allerdings eine 2006 von der Gematik in Auftrag gegebene Kosten-Nutzen-Analyse der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton - sie kommt auf Kosten von bis zu vier Milliarden Euro in den ersten fünf Jahren - womöglich sogar sieben Milliarden Euro. Aus dem Ministerium hieß es dazu, es sei mit überhöhten Zahlen gearbeitet worden, die Studie solle neu erstellt werden. Bislang ist dies noch nicht geschehen.
Ist die Gesundheitskarte sicher?
Sicherheit und Datenschutz sollen laut Ministerium und Gematik GmbH höchste Priorität haben. Gesetzlich festgelegt ist, dass jeder Versicherte selbst entscheidet, welche Daten auf seiner Karte gespeichert werden - abgesehen von Pflichtdaten wie Name, Geburtsdatum usw. sowie dem E-Rezept. Transport und Speicherung medizinischer Daten auf der Karte selbst oder auf Datenbanken werden verschlüsselt. In der Praxis sehen Datenschützer und Kritiker allerdings aufgrund zahlreicher technischer Mängel immer noch ein enormes Missbrauchspotential.
Wie werden die Daten gesichert?
Mit einer sechsstelligen PIN-Nummer. Ärzte oder andere Heilberufler können nur dann die Daten der Versicherten einsehen und speichern, wenn die Patienten dies vorher mit ihrer Karte und der Eingabe ihrer PIN erlaubt haben. Das funktioniert wie ein Zwei-Schlüssel-System: Der Versicherte und der Heilberufler müssen gleichzeitig ihre Karten in ein Lesegerät stecken und die Daten durch ihre Geheimnummern freigeben. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Auf die auf der Karte gespeicherten Notfalldaten kann der Arzt im Notfall direkt zugreifen.
Was passiert, wenn die Karte verloren geht oder gestohlen wird?
Mehrfache Absicherungen sollen vor Missbrauch schützen: Das aufgedruckte Foto weist den Versicherten als Inhaber der Karte aus. Außerdem ermöglicht erst die persönliche PIN in Kombination mit einem Heilberufsausweis den Zugriff auf die persönlichen medizinischen Daten. Darüber hinaus kann die Karte gesperrt werden.
Was passiert, wenn ich meine Karte beim Arzt nicht dabei habe?
Nichts. Beim nächsten Arztbesuch können die Daten nachgetragen werden.
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