Ein Fitnessarmband zum Aufzeichnen von Daten.

Gesundheit und Datenschutz Wenn Google weiß, wie krank ich bin

Stand: 16.11.2016 16:17 Uhr

Wer hat meine Daten und was passiert mit ihnen? Gerade beim Thema Gesundheit eine sensible Frage. Cornelia Gerhard hat sich von Experten erklären lassen, wo die Gefahren liegen - und für wen es trotzdem sinnvoll sein kann, Daten zu erfassen.

Von Cornelia Gerhard, WDR

Bei der Medizinfachmesse Medica in Düsseldorf ist die Digitalisierung das große Thema. Die Vorträge haben Titel wie "Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps", "Wie Big Data die Medizin verändert" oder "Wie sicher sind Daten bei gezielten Angriffen auf Krankenhäuser".

Tatsächlich versprechen sich zum Beispiel Krankenkassen oder Versicherungen viel von den Gesundheitsdaten - und auch so mancher Arbeitgeber wüsste sicherlich gern, wie fit seine Angestellten sind. "Die Hälfte der Menschen ist sehr ängstlich, was ihre Gesundheitsdaten betrifft, die geben gar nichts raus", erklärt Susanne Mauersberg, Gesundheitsexpertin der Bundesverbraucherzentrale. "Die andere Hälfte ist sehr freizügig und hat kein klares Bewusstsein für das Risiko."

Das Problem mit den Fitness-Trackern ...

So soll bereits jeder dritte Deutsche mithilfe eines Fitnesstrackers, einer Smartwatch oder per App Gesundheitsdaten aufzeichnen, ergab eine Studie des IT-Verbands Bitkom. Die digitalen Helfer, die Schritte zählen, den Puls kontrollieren oder den Schlaf überwachen, unterstützen beim Training oder der Krankheitsvorbeugung - denken viele Nutzer jedenfalls. Die Verbraucherschützerin sieht das kritisch: Würden gesunde Menschen solche Apps nutzen, dann hätten sie "nur ein Datenschutzproblem, Kranke aber haben ein Gesundheitsproblem, weil die Daten falsch sind".  Ungenaue Ergebnisse bescheinigt den Fitnessarmbändern auch die Stiftung Warentest.

Viele Gesundheits-Apps seien aus den USA oder der Schweiz und unterlägen nicht dem deutschen Datenschutz, sagt Susanne Mauersberg. Die Folge: "Mit einem Click ist man in einem anderen Rechtsraum. Die Daten sind vogelfrei und werden verkauft." Peter Dabrock, der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, sieht das ähnlich: Die Menschen würden ihre Datensouveränität riskieren und zum Dienstleister ihrer eigenen Daten werden, sagt er.

Manche Apps können aber auch hilfreich sein, zum Beispiel solche für Diabetiker, die Blutzuckerwerte speichern. Verbraucherschützerin Mauersberg rät aber, auch diese App von speziellen Portalen prüfen zu lassen wie zum Beispiel "AppCheck" - oder noch zu warten. Denn auch in Deutschland werden zurzeit entsprechende Apps entwickelt, an denen oft Ärzte beteiligt sind und die als Medizinprodukte zugelassen werden sollen.

Gibt es demnächst Therapie-Tipps von Facebook?

Mauersberg fordert, Patientenakten in Zukunft mit einer Protokollfunktion auszustatten. Dann könnte man immer sehen, wer auf die Daten zugegriffen hat. "Patienten sollen das selber nachvollziehen können, das stärkt ihre Autonomie“, sagt die Verbraucherschützerin.

Wichtig sei dabei die Frage, an welchem Ort die Daten abgelegt würden und in welcher Form das passieren solle, sagt Bitkom-Experten Julia Hagen. In der Branche herrsche Einigkeit darüber, "dass der Patient Zugang zu all seinen Daten braucht und über diese auch selbst verfügen dürfen muss".

Der Ethikrat-Vorsitzende Dabrock regt ein Treuhändermodell an, das prüft, wo die Daten hingehen. Denn auch im Forschungsbereich lebe man von vielen Daten und vielen Teilnehmern, um Muster zu erkennen. Die Medizin werde da genauer und individueller: "Man kann nicht sagen, ich will den Nutzen, aber ich mache da nicht mit."

Gefahr geht nach Meinung Dabrocks eher von den großen Internetkonzernen aus: "Es ist besorgniserregend, dass Facebook und Google identifizieren können, an welchen Krankheiten man leidet und ungefragt Empfehlungen geben könnten." Die deutsche Politik könne das nicht alleine regeln: "Es wäre ideal, wenn man sich auf der Ebene der G20 auf Standards einigen würde."

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