Undatiertes Facebook-Foto von Andreas L. | Bildquelle: AP

Ermittlungen nach Germanwings-Absturz Kopilot hatte Psychose und Sehstörung

Stand: 11.06.2015 21:33 Uhr

Er war fluguntauglich, psychisch krank und hatte Angst zu erblinden: Die französische Staatsanwaltschaft hat neue Details zum Kopiloten der abgestürzten Germanwings-Maschine bekannt gegeben. Sie will auch eine mögliche Verantwortung der Lufthansa klären.

Der Kopilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hatten nach Angaben der französischen Staatsanwaltschaft eine "Psychose begleitet von Sehstörungen". Andreas L. sei niedergeschlagen, instabil und psychisch krank gewesen, sagte Staatsanwalt Brice Robin. "Er war nicht mehr in der Lage, ein Flugzeug zu fliegen."

Der Kopilot sei im März an zehn Tagen krankgeschrieben gewesen. In den vergangenen fünf Jahren habe er 41 verschiedene Ärzte konsultiert. Im letzten Monat vor dem Absturz seien es sieben Besuche gewesen.

Staatsanwalt kündigt Ausweitung der Ermittlungen an
tagesthemen 22:50 Uhr, 11.06.2015, Ellis Fröder, ARD Paris

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Angst zu erblinden

Einige Ärzte hätten ihn demnach als nicht flugtauglich eingestuft, wegen ihrer Schweigepflicht aber den Arbeitgeber des jungen Piloten nicht informiert. L. habe befürchtet, dass er wegen der Augenprobleme seinen Job verlieren könnte. "War das nur in seinem Kopf oder war das wirklich so, dass er nichts mehr sah? Man weiß es nicht", ergänzte er.

Der Staatsanwalt kündigte auch an, eine mögliche Verantwortung von Lufthansa und Germanwings zu klären. Er werde drei Untersuchungsrichter beauftragen, wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt zu ermitteln. Es gebe aber bisher keinerlei Beweise, dass Germanwings oder die Muttergesellschaft Lufthansa Informationen über den aktuellen Gesundheitszustand des 27 Jahre alten Kopiloten gehabt hätten.

Die Lufthansa reagierte zurückhaltend. "Uns liegen derzeit keine Kenntnisse über Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft konkret gegen Germanwings oder Lufthansa vor", teilte eine Sprecherin mit.

Im Netz nach Zyankali gesucht

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" suchte L. im März im Internet nach Beschaffungsmöglichkeiten für Zyankali, rezeptfreies Valium und tödliche Medikamenten-Cocktails. Dies hätte die Auswertung seines Computers ergeben, den Ermittler in seiner Düsseldorfer Wohnung sichergestellt hatten.

Am Tag vor dem Absturz informierte sich L. - offenbar aus Angst, dass ein Suizid misslingen könnte - auf der Webseite der Hamburger Ärztekammer über eine Patientenverfügung. In einer solchen Verfügung wird beispielsweise geregelt, wie weit Ärzte lebensverlängernde Maßnahmen durchführen oder anordnen dürfen, wenn jemand schwer verletzt ist und sich nicht mehr äußern kann. 

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Der schwere Einsatz der Rettungskräfte (27.03.2015)

Rettungskräfte an der Absturzstelle

Seit Tagen arbeiten Spezialkräfte unter schwersten Bedingungen an der Bergung der Opfer und der Suche nach dem zweiten Flugschreiber. | Bildquelle: dpa

Bisher waren diese Details nicht bekannt, sondern nur dass L. allgemeine Möglichkeiten der Selbsttötung recherchierte und sich dazu auch im Netz über den Verriegelungsmechanismus von Cockpit-Türen informierte.

Bei dem Absturz am 24. März in den französischen Alpen kamen alle 150 Menschen an Bord ums Leben - fast alle der Insassen stammten aus Spanien und Deutschland. Nach Angaben von Ermittlern ließ Kopilot L. das Flugzeug auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich abstürzen, nachdem er den Kapitän aus dem Cockpit ausgesperrt hatte.

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