Abschlussbericht Germanwings Absturz

Bericht zum Germanwings-Absturz Ermittler für strengere Kontrolle von Piloten

Stand: 13.03.2016 14:28 Uhr

Als Konsequenz aus dem Germanwings-Absturz vor fast einem Jahr in den Alpen empfiehlt die französische Flugunfallbehörde BEA, Untersuchungen auch der psychischen Gesundheit von Piloten durchzuführen. Der Copilot sei psychisch krank gewesen und habe die Maschine absichtlich abstürzen lassen.

Knapp ein Jahr nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine in den Alpen hat die französische Flugunfallbehörde BEA in Le Bourget bei Paris ihren Abschlussbericht vorgelegt. Insbesondere fordern sie strengere medizinische Kontrollen von Piloten.

Der Airbus 320 am 24. März 2015 war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. Alle 150 Menschen an Bord, die meisten von ihnen Spanier und Deutsche, starben. Die Experten bestätigten ihre These aus dem Zwischenbericht, wonach sich der Copilot allein im Cockpit der Unglücksmaschine eingeschlossen hatte. Er steuerte demnach bewusst und absichtlich auf einen Bergabhang zu.

Abschlussbericht zum Germanwings-Absturz vorgelegt
tagesschau 20:00 Uhr, 13.03.2016, Mathias Werth, ARD Paris

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Nach Erkenntnissen der Ermittler nahm der Copilot zum Zeitpunkt des Absturzes Anti-Depressiva ein. Die Symptome deuteten auf einen pychotischen Schub hin, hieß es weiter. Ein Arzt habe zwei Wochen vor dem Absturz eine mögliche Psychose diagnostiziert und eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik empfohlen. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen seien jedoch nicht an Germanwings weitergeleitet worden.

"Weder die Behörden, noch der Arbeitgeber waren vom Copiloten selbst oder von einer anderen Person, zum Beispiel einem Arzt, Kollegen oder einem Familienangehörigen informiert worden", heißt es im Bericht.

Routineüberprüfungen von Piloten

Als Konsequenz forderte die französische Behörde routinemäßige Überprüfungen insbesondere bei krankheitsbedingten Ausfällen von Piloten. Dies solle "auch im Hinblick auf psychiatrische und psychologische Probleme" erfolgen, heißt es im Abschlussbericht. Eine entsprechende Empfehlung sei an die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) und an die EU-Mitgliedsstaaten gegangen.

Die Ermittler sprechen sich zudem dafür aus, international klare Regeln für den Fall festzulegen, dass ein Patient die öffentliche Sicherheit gefährden könnte und dies schwerer wiege als die Privatsphäre des Patienten. Demnach sollen Gesundheitsdienstleister, also zum Beispiel Ärzte, aufgefordert werden, in solchen Fällen die Behörden zu informieren. Bislang sei die ärztliche Schweigepflicht von Land zu Land unterschiedlich geregelt. Ärzte in Deutschland fürchteten, ihre Zulassung zu verlieren, wenn sie Behörden unnötigerweise informierten, sagte Chefermittler Arnaud Desjardin.

Anwalt: "Ein Fehler mit schrecklichen Folgen"

Nach Einschätzung eines Anwalts der Opfer zeigt der Bericht deutliche Mängel bei der Auswahl, Einstellung und Überwachung des Copiloten. "Der Lufthansa-Konzern hat einen psychisch krankhaft vorbelasteten Pilotenanwärter eingestellt und ausgebildet, ein Fehler mit schrecklichen Folgen", kritisierte Anwalt Christof Wellens. Außerdem sei der Mann trotz einer eingeschränkten Flugerlaubnis wegen seiner Vorerkrankung nicht mehr psychiatrisch untersucht worden.

Keine Änderungen an Cockpit-Türen

Keine Änderungen empfehlen die Experten hinsichtlich der Verriegelung von Cockpit-Türen. Diese seien wegen der Gefahr einer terroristischen Bedrohung gesichert, sagte BEA-Chef Rémi Jouty. Viele Fluglinien haben inzwischen eine Regelung eingeführt, nach der stets eine zweite Person im Cockpit sein muss. Diese zweite Person sollte aus Vertrauensgründen zuvor ausgewählt werden, sagte Jouty.

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Der schwere Einsatz der Rettungskräfte (27.03.2015)

Rettungskräfte an der Absturzstelle

Seit Tagen arbeiten Spezialkräfte unter schwersten Bedingungen an der Bergung der Opfer und der Suche nach dem zweiten Flugschreiber. | Bildquelle: dpa

Die BEA ist nicht für die juristische Aufarbeitung oder mögliche Schuldfragen zuständig, sondern untersucht Unfälle und Abstürze auf Sicherheitsfragen.

Angehörige der Absturzopfer wurden bereits am Samstag auf Veranstaltungen in Barcelona und Bonn von der BEA über ihre Ergebnisse informiert. Am 24. März wird in den französischen Alpen erneut der Opfer gedacht.

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