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21.11.2009

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Inland
Genmais

Aigner verbietet Genmais in Deutschland

Wegen Gefahren für die Umwelt

Aigner verbietet Genmais

Der Anbau der umstrittenen Genmais-Sorte MON 810 wird in Deutschland verboten. Zur Begründung erklärte Bundesagrarministerin Ilse Aigner, sie sei zu dem Schluss gekommen, "dass es berechtigten Grund zu der Annahme gibt, dass der genetisch veränderte Mais der Linie MON 810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt". Diese Auffassung sei auch vom Bundesumweltministerium bestätigt worden.

"Eine rein fachliche Entscheidung"

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner  (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Landwirtschaftsministerin Aigner hat den Anbau von Genmais in Deutschland verboten. ]
"Meine Entscheidung ist entgegen anderslautender Behauptungen keine politische Entscheidung", betonte die CSU-Politikerin. "Es ist eine fachliche Entscheidung und dies muss es aus rechtlichen Gründen auch sein." Es handele sich aber nicht um eine Grundsatzentscheidung zum künftigen Umgang mit grüner Gentechnik.

Aigner bezog sich bei ihrer Entscheidung insbesondere auf zwei neuere Studien aus Luxemburg. Eine Untersuchung habe etwa eine höhere Sterblichkeit der Larven des Zwei-Punkt-Marienkäfers nachgewiesen, erklärte der Abteilungsleiter im Landwirtschaftsministerium, Christian Grugel. Zudem habe der Genmais auch negative Auswirkungen auf das Wachstum von Wasserflöhen gezeigt. Neue Studien zeigten außerdem, dass sich die Pollen des Genmaises "weitaus weiträumiger" ausbreiteten, als in den bisherigen Modellrechnungen angenommen. Dadurch erhielten auch bisherige Studien eine neue Bedeutung.

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Die Zeit für eine Entscheidung drängte, weil Ende April die Maisaussaat beginnt. Bundesweit war für dieses Jahr eine Anbaufläche von knapp 3600 Hektar geplant, vor allem in Ostdeutschland. MON 810 war die einzige kommerziell angebaute Genpflanze in Deutschland.

Mit Gentechnik gegen den Maiszünsler

Das Erbgut des seit mehreren Jahren in der Europäischen Union zugelassenen Maises ist so verändert, dass die Pflanzen ständig ein Schädlingsgift gegen den Maiszünsler - einen Schmetterling - produzieren. Während Monsanto argumentiert, dass deswegen keine Pestizide auf Feldern mit MON 810 versprüht werden müssen, fürchten Kritiker weitreichende Folgen. Befürworter von Genmais warnen dagegen vor einer Abwanderung von Forschungsunternehmen. Wegen unklarer Folgewirkungen hatten die EU-Staaten Österreich, Ungarn, Griechenland, Frankreich und zuletzt Luxemburg den Genmais-Anbau bereits verboten.

Bayern und Umweltschützer begrüßen Verbot

Der bayerische Umweltminister Markus Söder begrüßte das Verbot als "mutige und fachlich richtige Entscheidung". Die Risiken des Genmaises seien bei weitem nicht erforscht. "Jetzt kann Bayern zur gentechnikanbaufreien Zone werden."

Genmanipulierter Mais (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein reifer Kolben des umstrittenen genmanipulierten Mais MON 810. ]
Die Gentechnik-Expertin von Greenpeace, Stephanie Töwe, nannte die Entscheidung längst überfällig. Die Gefahren ließen sich auch mit Überwachungsplänen, die die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf die Umwelt dokumentieren sollen, nicht aus der Welt schaffen. Nun müsse Aigner auch in Brüssel gegen die Neuzulassung ähnlicher Genmaissorten in der EU stimmen. Der BUND erklärte, das Aussaatverbot für MON 810 sei ein Erfolg des jahrelangen Engagements von Umweltorganisationen und Ökoanbauverbänden.

Schavan: Forschung nicht beeinträchtigen

Bundesforschungsministerin Annette Schavan bedauerte die Entscheidung Aigners hingegen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) habe keine Bedenken gegen MON 810 gehabt, erklärte die CDU-Politikerin. Mit dem Anbauverbot in Deutschland dürfe nicht die Forschung in der grünen Gentechnik beeinträchtigt werden.

Monsanto prüft Klage

Der US-Hersteller Monsanto kündigte an, eine Klage schnellstmöglich zu prüfen. Die Dringlichkeit sei hoch, da die Aussaat kurz bevorstehe, sagte der Monsanto-Deutschland-Sprecher, Andreas Thierfelder. Könne der Mais nicht ausgesät werden, drohe ein Schaden in Millionenhöhe. In Frankreich klagt Monsanto gegen die Entscheidung. Auch die EU-Kommission behält sich einen Einspruch gegen das Anbauverbot vor.

Bauernverband weiter gegen grüne Gentechnik

Der Deutsche Bauernverband (DBV) blieb bei seiner bisherigen Haltung, in Deutschland nicht zum Anbau von Grüner Gentechnik zu raten. Dies habe mit den äußerst schwierigen Haftungsregelungen für die Landwirte zu tun, aber auch damit, dass der Anbau wenig oder keine Vorteile für die Bauern bringe. Der Bauernverband verwies auch auf die enorme Zurückhaltung der Verbraucher.

Stand: 14.04.2009 15:12 Uhr
 

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