Einer Frau werden die Haare in einem Friseursalon geschnitten | Bildquelle: picture alliance / JOKER

Studie zu Gender Pricing Frauen zahlen drauf

Stand: 20.12.2017 11:00 Uhr

Frauen verdienen nicht nur weniger als Männer, sie bezahlen auch noch mehr. Eine neue Studie sieht das Problem vor allem bei Dienstleistungen, wie beispielsweise beim Friseur. In 89 Prozent der Fälle zahlen Frauen drauf.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Beim Friseur wird gar kein Hehl daraus gemacht: Frauenhaarschnitte kosten mehr als die für Männer. Meist hängt direkt im Fenster eine Liste mit Preisen pauschal nach Geschlecht. Waschen, Schneiden, Föhnen: 44,90 Euro für Frauen mit kurzen oder mittellangen Haaren, 22 Euro für Männer - in ein und demselben Friseurgeschäft. Ein Preisaufschlag von 102 Prozent.

Das ist nur eine von vielen Stichproben aus der heute vorgestellten Studie "Preisdifferenzierungen nach Geschlecht in Deutschland" von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Eklatant sind die Preisunterschiede vor allem bei Dienstleistungen: Von 381 untersuchten Dienstleistungen gab es bei 59 Prozent abweichende Preise für Frauen und Männer, obwohl die erbrachte Leistung die gleiche war. Denn im Eingangsbeispiel geht es nicht etwa um aufwändige Strähnen oder Dauerwellen, die ohnehin nochmal extra kosten. Es geht schlicht um einen Kurzhaarschnitt, für den Frauen laut Studie im Schnitt 12,50 Euro mehr bezahlen müssen als Männer.

Antidiskriminierungsstelle prangert "Gender Prizing" an
tagesschau 16:00 Uhr, 20.12.2017, Ulla Fiebig, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Vor allem Friseure und Reinigungen

Bei Friseuren ist die unterschiedliche Preisgestaltung besonders weit verbreitet. 89 Prozent der untersuchten Friseurgeschäfte betreiben laut Studie dieses so genannte "Gender Pricing". Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks sieht das allerdings differenzierter: "In einem guten Friseursalon entstehen Preise durch eine Mischkalkulation, bei der die durchschnittliche Zeit, die ein Haarschnitt benötigt und auch die Ausbildung der Mitarbeiter eine Rolle spielen", sagt Hauptgeschäftsführer Jörg Müller.

Frauenhaarschnitte seien in der Tat anspruchsvoller als Männerhaarschnitte. Aber wenn eine Frau einen hundertprozentigen Männerhaarschnitt wolle, solle sie auch nur diesen Preis bezahlen und das mit dem Friseur vorher besprechen. Generell empfiehlt er den Friseuren aber eine offensivere Kommunikation: "Wir müssen Preisklarheit und Transparenz schaffen, das ist ganz zentral."

Aufnahme von gereinigter Kleidung in einer Wäscherei, | Bildquelle: picture alliance / Jan Haas
galerie

Auch ohne Rüschen: Blusen oft teurer als Hemden

Ebenfalls stark betroffen vom "Gender Pricing" sind Reinigungen: Hier waren in 32 Prozent der untersuchten Geschäfte Blusen pauschal teurer als Hemden - im Schnitt um 1,80 Euro.

"Wenn eine Person allein wegen ihres Geschlechts mehr zahlen muss, dann verstößt das im Grundsatz gegen das Diskriminierungsverbot", sagt die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders. Insbesondere dem Reinigungs- und Frisiergewerbe empfehle sie daher, Dienstleistungen nach der konkreten Art der Leistung und nicht pauschal nach Geschlecht anzubieten. Preise könnten also künftig nach Aufwand festgelegt werden und nicht einfach nach Geschlecht.

Frauen doppelt benachteiligt

Besonders pikant wird diese Tatsache, wenn man bedenkt, dass Frauen im Schnitt auch weniger verdienen als Männer. Der so genannte Gender Pay Gap lag 2016 bei 21 Prozent, wenn man alle sozialversichert Beschäftigten aller Branchen berücksichtigt. Frauen sind also doppelt benachteiligt. In 1,4 Prozent der Fälle müssen aber auch Männer für geschlechtsspezifische Produkte mehr zahlen.

Auch bei Produkten, beispielsweise aus Drogerien, müssen Frauen mehr zahlen, allerdings nur in wenigen Fällen. Frühere Erhebungen, machten teils massive Preisunterschiede für Frauen und Männer bei Parfüms, Rasierschaum oder Deodorants aus. Die Studie der Antidiskriminierungsstelle relativiert hier allerdings: Bei Produkten gebe es im Gegensatz zu Dienstleistungen kaum Preisunterschiede nach Geschlecht. Von 1682 ermittelten Produktvarianten wiesen nur 62 einen geschlechtsspezifischen Preisunterschied auf, also 3,7 Prozent.

Rosa macht's teurer

Der Unterschied zu früheren Studien liegt in der Auswahl der verglichenen Produkte. Eine Erhebung der Verbraucherzentrale Hamburg hatte beispielsweise auch Produkte einbezogen, die in unterschiedlichen Mengen verkauft werden. "Das haben wir ausgeklammert, weil es nicht auseinanderzudividieren ist, was Mengenrabatt ist und was auf geschlechtsspezifische Unterschiede zurückzuführen ist", sagt Studienautorin Iris an der Heiden gegenüber tagesschau.de.

Eine kleine Auswahl der Produkte, die ohne nachvollziehbaren Grund mehr kosten: Wer die Razor Rasierklingen "for Women" bei Aldi kauft, muss 4,49 Euro bezahlen. Die exakt gleichen Klingen für Männer kosten hingegen 3,89 Euro. Der einzige Unterschied: Die Verpackung der Frauenklingen ist rosa, die für Männer blau. Und auch bei den Kleinsten wird schon nach Geschlecht abkassiert: Das DM-Kinderschaumbad "Prinzessin Sternenzauber" kostet bei 500ml 2,95 Euro. Die Jungs-Variante "Saubär" nur 1,75 Euro.

Um solche Preisunterschiede künftig zu vermeiden, empfiehlt die Antidiskriminierungsstelle entsprechende Selbstverpflichtungen der Branchenverbände und ein regelmäßiges Monitoring, das beim Justiz- und Verbraucherschutzministerium angesiedelt sein könnte. Ob das jedoch ausreicht, ist fraglich.

Studie zeigt Unterschiede bei Preisen für Frauen- und Männerprodukte
tagesschau24 11:00 Uhr, 20.12.2017, Peter Sonnenberg, SWR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Rechtlich eindeutig unzulässig

Die Rechtslage ist zwar eindeutig: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gilt auch für die Preisgestaltung von Gütern und Dienstleistungen, stellt die Juristin Maria Wersig in einem begleitenden Gutachten zur Studie fest. Demnach sei es unzulässig, "unterschiedliche Preisbereitschaften von Kundinnen und Kunden anhand des Geschlechts abzuschöpfen." Ebenso dürfe das Geschlecht nicht als Platzhalter für den zu erwartenden Aufwand einer Dienstleistung stehen.

Die Frage ist aber, wie Kunden sich gegen eine solche Benachteiligung wehren können. "Das Problem ist, dass wir beim AGG nicht die Möglichkeit einer Verbandsklage haben", sagt die Juristin Anna Katharina Mangold im Gespräch mit tagesschau.de. Zwar könne jeder Einzelne jede beliebige Dienstleistungsstelle, die solche unterschiedlichen Preise verlangt, verklagen. Doch in der Regel sei der individuelle Schaden sehr gering im Vergleich zu dem Aufwand eines solchen Gerichtsverfahrens. "Zumal der Kläger das Risiko trägt, die Gerichts- und Anwaltskosten selbst zahlen zu müssen."

Nach Auffassung von Mangold bräuchte es also die Möglichkeit einer "kollektiven Rechtsdurchsetzung", mittels derer beispielsweise Beratungsstellen oder Verbraucherzentralen stellvertretend für viele benachteiligte Kunden klagen könnten. Dafür müsste allerdings zunächst das AGG reformiert werden.

"Fragen Sie nach!"

Das Verbraucherschutzministerium rät Konsumenten nun, stärker auf geschlechterspezifische Preisunterschiede zu achten. "Fragen Sie nach, seien Sie kritisch und tragen Sie damit zu einem Bewusstseinswandel beim Thema Geschlechterdiskriminierung bei", empfahl Staatssekretär Gerd Billen.

Das Ministerium werde sich auch dafür einsetzen, "Informationsdefizite sowohl bei Verbraucherinnen und Verbrauchern als auch bei Anbietern zu beseitigen". Den Vorschlag der Antidiskriminierungsstelle zur Überwachung der Preise wolle man prüfen.

Billen erklärte aber auch, dass es bei den meisten Produkten keine höheren Preise gebe: "Gut ist: Geschlechtsspezifische Preisdiffenrenzierungen sind kein Massenphänomen in Deutschland."

Unterschiedliche Preise für gleiche Leistungen
B. Nutz, ARD Berlin
20.12.2017 13:53 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 20. Dezember 2017 tagesschau24 um 11:00 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

Autorin

Sandra Stalinski  Logo tagesschau.de

Sandra Stalinski, tagesschau.de

Darstellung: