Geld kommt aus einem Geldautomaten | Bildquelle: dpa

50 Jahre Geldautomat Der schleichende Niedergang des "Bankomaten"

Stand: 15.04.2018 14:42 Uhr

Auch fünfzig Jahre nachdem der erste deutsche Geldautomat aufgebaut wurde, hängen die Deutschen so sehr am Bargeld wie in kaum einem anderen Land. Doch die Zahl der Automaten schrumpft unaufhaltsam.

Als die Kreissparkasse Tübingen am 27. Mai 1968 den ersten "Bankomaten" in Deutschland in Betrieb nahm, stand er nur für 1000 ausgewählte Kunden zur Verfügung und war umständlich zu bedienen. Es brauchte einen Doppelbartschlüssel für den Tresor, eine Plastikkarte zur Identifikation und eine Lochkarte als Auszahlungsbeleg, um an eine 100-DM-Banknote zu kommen - natürlich nur während der Öffnungszeiten.

Erst rasantes Wachstum, nun schleichender Abbau

Bis es ein dichtes Automatennetz im Land gab, dauerte es eine Weile, dann aber installierten die Banken mehrere tausend neue Geräte pro Jahr. 1994 standen bundesweit 29.400 Geldautomaten. Bis 2015 verdoppelte sich die Zahl.

Doch langsam, aber unaufhaltsam verliert der Geldautomat im deutschen Alltagsleben wieder an Bedeutung. Zuletzt schrumpften die Zahlen. Nach Angaben der Deutschen Kreditwirtschaft - des Dachverbands der deutschen Banken - gab es Ende 2017 noch knapp 58.400 Geldautomaten in Deutschland. Zwei Jahre zuvor waren es noch 61.100 Maschinen. Allein von 2016 auf 2017 wurden 1600 Automaten wieder abgebaut.

Geldautomat | Bildquelle: dpa
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Die Zahl der Geldautomaten nimmt in Deutschland weiter ab.

Bargeld ist teuer

Ursachen für den Abbau, vor allem im ländlichen Raum, sind Digitalisierung und Kostendruck. Das Betreiben eines Geldautomaten koste pro Jahr etwa zwischen 20.000 und 25.000 Euro, sagt Jürgen Gros, Chef des Bayerischen Genossenschaftsverbands, zu dem die Volks- und Raiffeisenbanken gehören. "Das muss auch verdient werden. Dauerhaft ist Zuschießen kein Geschäftsmodell."

Außerdem sorgten auch Kriminelle dafür, dass Banken allmählich die Lust am Automaten vergeht. Anschläge auf Geldautomaten trieben die Kosten für die Versicherungen und die Reparatur der Geräte tendenziell in die Höhe, sagt ein Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft. Ganz verschwinden würden die Automaten nach Einschätzung der Banken in absehbarer Zeit zwar nicht. Die Branche plant dennoch für die kommenden Jahre weiter mit sinkenden Zahlen.

Die Gelegenheiten zum Geldabheben seien aber keineswegs weniger geworden, argumentieren die Banken. Die Automaten hätten an Bedeutung verloren, weil einerseits der Online-Handel blühe und andererseits immer mehr Geschäfte das Geldabheben an der Ladenkasse anböten.

Ein Mann kauft Getränke in einem Laden an der Straße | Bildquelle: Steffen Wurzel
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In China gehört Einkaufen mit dem Mobiltelefon bereits zum Alltag.

Die Zukunft des Bezahlens ist das Handy

Experten glauben, dass auch das nur eine vorübergehende Erscheinung sein dürfte. Für Einzelhändler bedeutet Barzahlung Kosten - allein deswegen, weil die Einnahmen zur Bank befördert werden müssen. Die Gebühren für die Kartenzahlung sind vielen Händlern allerdings ebenfalls zu hoch. Die Alternative steckt in der Hosentasche: Zahlen per App ist in China oder den skandinavischen Ländern bereits Alltag und wird sich nach Einschätzung vieler Fachleute aber auch in Deutschland verbreiten.

Der Münchner Bezahldienstleister Wirecard glaubt, dass in absehbarer Zukunft die komplette Infrastruktur des Bezahlens über das Handy organisiert wird. "Einzelhändler rechnen durch den Service mit einem Mehreinkauf an Waren und reduzieren nebenher den Bargeldbestand in den Kassen", sagt Markus Eichinger.

Zwar fänden weltweit immer noch rund 85 Prozent aller Transaktionen unter Verwendung von Bargeld statt, doch das Potenzial für rein digitale Payment-Lösungen sei sehr groß, glaubt Eichinger. Bis diese sich im bargeldverliebten Deutschland durchsetzen, wird es wohl noch eine Weile dauern.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 27. Juni 2017 um 13:00 Uhr.

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