Britischer Geheimdienst späht deutsche Daten aus

Offenbar Glasfaserkabel angezapft

Briten spähen deutsche Daten aus

Der britische Geheimdienst GCHQ hat auch den Internetverkehr deutscher Nutzer in großem Stil überwacht. Laut Recherchen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" geht das aus Unterlagen hervor, über die der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Snowden verfügt.

Von John Goez und Jan Lukas Strozyk, NDR

Der britische Geheimdienst GCHQ hat bei der Überwachung des Internetverkehrs in großem Umfang Daten deutscher Nutzer ausgespäht. Dabei sollen unter anderem E-Mailnachrichten, Kommunikation über soziale Netzwerke und Telefongespräche von und nach Deutschland systematisch abgehört worden sein.

Das geht nach Recherchen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" aus Unterlagen hervor, über die der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden verfügt. In den Dokumenten soll der deutsche Datenverkehr explizit erwähnt werden.

Unterseekabel angezapft?

Konkret hat der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) offenbar das Glasfaserkabel TAT-14 abgehört. Dieses Unterseekabel verbindet Deutschland über die ostfriesische Stadt Norden mit den Internet-Servern in Großbritannien und den USA. Über TAT-14 wird ein Großteil des transatlantischen Daten- und Telefonverkehrs abgewickelt. Das Kabel verläuft unter anderem über die britische Stadt Bude in Cornwall, wo das GCHQ die Daten kopieren und zur Analyse zwischenspeichern soll.

Standbild von Edward Snowden aus einem Video-Interview mit dem "Guardian" (Bildquelle: AP)
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Edward Snowden hatte den Skandal um den britischen Geheimdienst ins Rollen gebracht. (Standbild aus einem Video-Interview mit dem "Guardian", Archiv)

Theoretisch könnte das GCHQ so seit 2011 Daten deutscher Nutzer im Umfang von bis zu 240 Gigabyte pro Sekunde anhäufen. Hilfe bekam das GCHQ angeblich von den Unternehmen Vodafone und British Telecommunications (BT). Vodafone betonte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", dass man sich an jeweils geltende Landesgesetze halte, wollte die Vorwürfe aber nicht weiter kommentieren. BT wollte keine Stellungnahme abgeben.

Das 15.000 Kilometer lange Unterseekabel TAT-14 wird von einem Konsortium aus mehr als 50 Telekommunikationsfirmen betrieben, unter anderem auch der Deutschen Telekom. Dort liegen nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse zu den Abhöraktivitäten der Briten vor. Auch gibt es bislang keine Hinweise, dass deutsche Nachrichtendienste von der Überwachung gewusst haben oder daran beteiligt waren.

Regierung nimmt Vorwürfe ernst

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, man nehme die Vorwürfe ernst und habe die britische Regierung aufgefordert "Aufklärung zu schaffen, was da auf welcher Rechtsgrundlage und in welchem Umfang passiert." Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte: "Großbritannien ist Mitgliedsstaat, also gelten auch die Datenschutzstandards der Europäischen Union."

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach, wetterte gegen die "offenkundige Totalausspähung" seitens des GCHQ. Der Guardian hatte vergangenen Freitag unter Berufung auf Geheimdienstunterlagen berichtet, dass das GCHQ im Rahmen des "Tempora" genannten Programms große Teile des über Großbritannien laufenden Internetverkehrs mitschneidet und analysiert. Dabei sollen die Daten bis zu drei Tage, Metadaten - also die Informationen, welcher Computer zu welchem Zeitpunkt eine Seite aufgerufen oder eine Nachricht abgeschickt hat - sogar bis zu 30 Tage gespeichert werden.

Briten spähen deutsche Daten aus
tagesthemen 22:15 Uhr, 24.06.2013, Stefan Buchen/John Goetz, NDR

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Stand: 24.06.2013 19:40 Uhr

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