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Vorstellungsgespräche können schief gehen oder gut laufen. Joachim Gauck meisterte die Situation bei SPD und CDU offenbar mit Bravour. Plötzlich finden ihn auch die gut, die bis vor kurzem noch gegen ihn waren. Bei der SPD soll sogar gelacht worden sein. Und auch bei der CDU wusste man nur Gutes über "den Joachim" zu berichten.
Von Anita Fünffinger, ARD-Hauptstadtstudio
Beide Parteien hatten durchaus ein paar kritische Fragen an ihn. Nach der Vorstellungsrunde von Joachim Gauck sowohl bei der CDU als auch bei der SPD aber sind letzte Zweifel wie weggewischt. Hat Gauck irgendwann mal etwas Missverständliches über Thilo Sarrazin gesagt? Mag sein, möchte man die Worte von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles deuten, aber heute zumindest wusste der Präsidentschaftskandidat gut damit umzugehen. "Wir konnten gut mit seinen Ausführungen leben", sagt sie.
Nahles war es auch, die sich einen Bundespräsidenten wünschte, der ihr nicht nach dem Mund redet. Und trotzdem geht sie fest davon aus, dass der Präsident Gauck künftig nicht mehr so reden wird wie der Bürger Gauck. "Ja, das hat er sehr deutlich gemacht." Zudem sei er auch kontroversen Nachfragen in keinster Weise ausgewichen. "Deswegen gab es auch gute Stimmung." Die Stimmung sei sogar so gut gewesen, dass gelacht wurde. Witzig und aufgeräumt zugleich sei Gauck gewesen bei der SPD.
Die Sozialdemokraten waren ja auch von Anfang an für ihn. Anders die CDU. Aber auch von der dortigen Präsidiumssitzung mit dem Kandidaten weiß Generalsekretär Hermann Gröhe nur Gutes zu berichten. "Das intensive Gespräch hat einmal mehr gezeigt, dass Joachim ein sehr guter Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten ist. Und nach dem Gespräch war auch sehr eindeutig, dass es einmütige Unterstützung für diese Kandidatur im CDU-Führungsgremium gibt."
Also so gar keine Kritik? Das ist schwer vorstellbar. Denn Gauck hat vor allem nach seinem Besuch bei der CDU deutlich gemacht, was man sich von ihm wohl nicht wünschen darf: Jammerei, alles schlecht, alles schlimm, armes Deutschland. "Luxusängsten" wolle er begegnen. Das sind für Gauck Sorgen vor der Vogelgrippe etwa EHEC. Und Armut in Deutschland? Nun, auch Arme hätten heute mehr als eine Großmutter in den 30er-Jahren. Hat er so etwas gesagt? Das könnte ja schon die nächsten Kritiker auf den Plan rufen.
Deswegen wird Gröhe plötzlich auch wieder wortkarg. "Er hat auch sehr deutlich über berechtigte und verständliche Sorgen in der Bevölkerung gesprochen - und auch den Zusammenhang von einer Wohlstandsentwicklung und der Sorge, ob sich das halten lässt. Er hat dafür geworben, einfach auch genau hinzuhören, wo es um existenzielle Fragen geht oder wo es sich eher um modische Ängste handelt," so Gröhe. Der Begriff "modische Ängste" könnte damit zu einem neuen geflügelten Wort werden.
Seine erste Runde durch die Parteien in Berlin ist gut verlaufen. Instrumentalisieren lassen wird sich Gauck nicht. Von keiner Partei. Trotzdem haben sie es natürlich versucht. SPD-Chef Sigmar Gabriel gab Gauck eine Lektüre mit auf den Weg: Titel "Links und frei". Der Autor heißt: Willy Brandt.
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