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29.05.2012

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Porträt von Joachim Gauck: Der Demokratielehrer
Joachim Gauck im Porträt

Der Demokratielehrer

Stilsicher, vergnügt, irgendwie unbekümmert, so ist Joachim Gauck in den letzten Wochen durchs Land getourt. Er hat für sich geworben - und sich mit der Linkspartei angelegt. Am Ende hat es bei der Abstimmung zwar nicht gereicht, doch die Niederlage erst im dritten Wahlgang ist für den rot-grünen Kandidaten auch ein Erfolg.

Von Birgit Wentzien, SWR, ARD-Hauptstadtstudio

Seit der ersten Vorstellung durch SPD und Bündnis 90/Die Grünen Anfang Juni hat er in den vergangenen Wochen eine Tournee durch die Republik hinter sich gebracht: Berlin, Dresden, Leipzig, Rostock, wieder Berlin. Joachim Gauck reist quer durchs Land: "Ich mache keine billige Wahlpropaganda, ich mache überhaupt keine Propaganda für die Wahl - ich stelle mich vor", sagt er.

Joachim Gauck (Foto: APN) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Soll nach dem Willen von SPD und Grünen nächster Bundespräsident werden: Joachim Gauck, Ex-Beauftragter für die Unterlagen der DDR-Staatssicherheit. ]

Er nutzte seinen Bürositz in Berlin-Mitte im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, in dem Haus, in dem 1989 der Runde Tisch tagte. Er versammelte alte Weggefährten um sich und startete durch - als Joachim Gauck: Bekannt stilsicher und streitfreudig. Vergnügt und bei aller Termindichte und allem Sturm auf seine eigene Person auch irgendwie unbekümmert. "Ich geh' auf den Platz und bin der Junge, der nichts zu verlieren hat!", sagt er und weiter: "Ich bin Realist, ich kann auch zählen. Ich habe in meinem Leben Ereignisse erlebt, die lange als unwahrscheinlich galten. Deshalb gehe ich mit einer fröhlichen Gelassenheit auf den 30. Juni zu - und ich werde dastehen und mich freuen.“

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Gauck
Bilderstrecke Joachim Gauck Pfarrer, Bürgerrechtler, Stasibeauftragter, Bundespräsident [mehr]

"Zwischen Regierten und Regierenden vermitteln"

Irgendwann auf dieser Strecke ist Gauck zu Gast bei der SPD-Landtagsfraktion aus Rheinland-Pfalz. Gauck hat eine Dreiviertelstunde Zeit und er legt sofort los. Seine Kandidatur sei eine Kandidatur der Ermutigung. Er wolle im Falle seiner Wahl ein "ständiger Vertreter der gesamten deutschen Demokratie" gegenüber den Bürgern sein: "Als Repräsentant des ganzen Volkes kann der Bundespräsident zwischen den Regierten und den Regierenden vermitteln und zu einer besseren Verständigung zwischen ihnen beitragen - was so bitter nötig ist. Er folgt keinen Parteiinteressen, jeder darf ihm vertrauen“, so Gauck.

Joachim Gauck bleibt zugleich, was er ist: Eigen und quer. Afghanistan, da stehe man erst einmal, sagt er. Ihn schrecke nicht beim Einsatz der Bundeswehr im Widerspruch zur Mehrheit der Bevölkerung zu stehen. Er habe 50 Jahre mit seinen Werten im Widerspruch zu Mehrheiten gestanden.

Audio: Interview: Joachim Gauck - Bilanz seiner Kandidatur

AudioSilke Engel (RBB), ARD Berlin 28.06.2010 16:34 | 00:23:12
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"Von der Linkspartei nicht in die Ecke drängen lassen"

Und Gauck appelliert mit kräftiger dunkler Stimme direkt an die SPD-Abgeordneten vor ihm und zugleich gegen die Linkspartei: Seien sie stolz, sagt er. Seien sie nicht kleinmütig, lassen sie sich von der Linkspartei nicht in die Ecke drängen: "Warum lassen sie sich das bieten? Warum sagen sie nicht, wir sind diejenigen, die den Begriff, den Traum vom Sozialismus, geerdet haben. Und durch unser politisches Wirken hat er sich mit der Herrschaft des Rechts, mit Menschenrechten und Bürgerrechten verbinden können. Sie haben da eine Menge zu bieten", so Gauck nachdrücklich.

Vollbesetztes Plenum im Reichstagsgebäude (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Wer wird von der 14. Bundesversammlung zum Nachfolger von Horst Köhler gewählt? ]
Die SPD-Parlamentarier erheben sich am Ende der Gauck’schen Rede. Der Kandidat, der sich vorgestellt hat, ist schon wieder auf dem Sprung zum nächsten Termin, sein Wagen wartet. Zum Schluss gibt es Wein für den Kandidaten. Der gelernte Pastor aus Rostock, der Mahner und Aufarbeiter, der Demokratielehrer verabschiedet sich wie immer verschmitzt.

Stand: 30.06.2010 21:34 Uhr
 

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