Joachim Gauck | Bildquelle: REUTERS

Gaucks Weihnachtsansprache "Wut und Zorn in Kräfte verwandeln"

Stand: 24.12.2016 00:11 Uhr

In seiner letzten Weihnachtsansprache als Bundespräsident hat Joachim Gauck die Menschen in Deutschland zu mehr Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit aufgerufen. Angesichts des Anschlags von Berlin mahnte er, dass Wut und Zorn nicht in Hass umschlagen dürften.

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Bevölkerung angesichts des Berliner Anschlags zu Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit aufgerufen. Das bedeute keineswegs, auf politische Auseinandersetzungen etwa in der Flüchtlingspolitik zu verzichten, sagte er in seiner letzten Weihnachtsansprache als Bundespräsident.

Eine Debatte müsse es beispielsweise darüber geben, ob man noch mehr für die Sicherheit der Bürger tun müsse. "Aber gerade in Zeiten terroristischer Attacken sollten wir die Gräben in unserer Gesellschaft nicht vertiefen, weder Gruppen pauschal zu Verdächtigen noch Politiker pauschal zu Schuldigen erklären", sagte Gauck. "Wir sollten das Augenmaß bewahren und die Achtung vor dem politischen Gegner."

Weihnachtsbotschaft soll inspirieren

Die Menschen in Deutschland sollten sich gerade in diesen Tagen darauf besinnen, was Weihnachten ausmache: "Die christliche Weihnachtsbotschaft sagt: In dem Menschen Jesus begegnet uns die Liebe Gottes. Beziehen wir diese Botschaft auf uns, so kann sie uns inspirieren, empfindsam, zugewandt und hilfsbereit zu leben. Dann schlagen Wut und Zorn nicht in Hass um", sagte Gauck. Dann könnten sich Wut und Zorn in Kräfte verwandeln, die dem Hass, der Gewalt und der Verachtung des Anderen wehren.

Das diesjährige Fest sei aber anders als in vergangenen Jahren. Der Terror, den man zuvor weltweit erlebt habe, sei plötzlich bis in die Hauptstadt vorgedrungen und verstöre zutiefst, so Gauck. Gefühle von Wut und Zorn, aber auch Ohnmacht und Angst hätten sich verbreitet, aber nicht die Oberhand gewonnen: "Wir spüren die Angst, aber: Die Angst hat uns nicht. Wir spüren die Ohnmacht, aber: Die Ohnmacht hat uns nicht. Wir spüren die Wut, aber: Die Wut hat uns nicht." Die Menschen in Deutschland seien vielmehr zusammengerückt als "Gemeinschaft derer, die die Mitmenschlichkeit verteidigen".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Dezember 2016 um 01:08 Uhr.

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