Großer Zapfenstreich für Gauck

Serenade mit sieben Brücken

Stand: 18.03.2017 01:06 Uhr

Den einen Satz, der bleibt, den gibt es bei Joachim Gauck nicht. Aber ein Thema: Freiheit. Das Volkslied "Freiheit, die ich meine" erklang dann auch beim Großen Zapfenstreich für den scheidenden Präsidenten. Zu Tränen rührte Gauck aber ein DDR-Klassiker.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Am Ende überkam sie ihn dann doch: Die Wehmut, die sich Joachim Gauck so lange verkniffen hat. Der Noch-Bundespräsident bekommt feuchte Augen, als das Orchester der Bundeswehr zum großen Zapfenstreich bläst. Die Soldaten stehen stramm, Fackeln erleuchten den dunklen Park von Schloss Bellevue.

Rund 400 Soldaten bereiten Gauck einen letzten großen Abschied in einem schaurig-schönen Zeremoniell. Es mag nicht so ganz passen zu einer Bundeswehr, die sich als moderne Armee präsentiert. Wirkt der Aufmarsch doch aus der Zeit gefallen. Doch die Tradition habe ihren Platz, sagt Reinhard Kiauka. Er leitet das Stabsmusikkorps der Bundeswehr. "Alle Welt beneidet uns ja um so ein schönes Zeremoniell. Deshalb wird es auch nicht so häufig aufgeführt, es soll etwas Besonderes bleiben", sagt er.

Your browser doesn't support HTML5 video.

Großer Zapfenstreich für Joachim Gauck

tagesschau 20:00 Uhr, 17.03.2017, Oliver Köhr, ARD Berlin

Freiheit - ein roter Faden dieser Präsidentschaft

Das einzigartige jedes Zapfenstreichs ist die Serenade - der Teil, in dem sich der Geehrte selbst Musik wünschen darf. Gauck, in einem früheren Leben Pastor, wählte das Kirchenlied "Ein feste Burg ist unser Gott" und das Volkslied "Freiheit, die ich meine". Gaucks musikalische Bilanz also - zog sich das Thema Freiheit doch wie ein roter Faden durch die Amtszeit des Protestanten.

Und dann waren da noch diese Klänge zu hören: Gauck lächelt, als das Blasorchester "Über sieben Brücken musst Du gehn" spielt - der Hit der DDR-Band Karat, den im Westen Peter Maffay berühmt gemacht hat, ist ein Schlager voll süßer Harmonie: Der Text verspricht: Wer nicht verzagt, findet irgendwann sein Glück - auch eine Botschaft, die Gauck verbreiten wollte.

Merkel fehlte

Rund 600 Gäste verfolgen auf einer Tribüne das Spektakel des großen Zapfenstreichs - es werden keine Reden gehalten, keine Grußworte sind zu hören. Die Kanzlerin fehlt entschuldigt, weil sie in den USA war. Vizekanzler Gabriel vertritt sie. Minister sind gekommen, Gaucks Familie ist da. Und - das war dem scheidenden Bundespräsidenten wichtig - engagierte Bürger. Sie alle klatschen, als die Soldaten abmarschiert sind und der gebürtige Rostocker zum letzten Mal über die große Freitreppe ins Schloss Bellevue geht. Arm in Arm mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt. Gauck geht mit einem guten Gefühl - und am Ende eben doch mit Wehmut.

Your browser doesn't support HTML5 audio.

Großer Bahnhof zum Abschied - Zapfenstreich für Joachim Gauck
M. Mair, ARD Berlin
18.03.2017 00:33 Uhr