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Studie der Bertelsmann-Stiftung
Zahl der Ganztagsschulen steigt deutlich
Mehr als jede zweite Schule bietet inzwischen Ganztagsbetreuung an - dabei fehlt es aber angesichts unterschiedlicher Organisationsformen des Schulalltags an übergreifenden Konzepten und Qualitätsstandards. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, der seit zehn Jahren vorangetriebene Ausbau von Ganztagsschulen sei "eine Reise in die Zukunft ohne klares Ziel".
Der Studie zufolge machten 51,1 Prozent der Schulen im Schuljahr 2010/11 Ganztagsangebote - acht Prozent mehr als im Schuljahr zuvor. Der Anteil der Schüler, die diese Angebote nutzen, stieg hingegen deutlich langsamer von 26,9 auf 28,1 Prozent.
Bayern bildet Schlusslicht
Die meisten Ganztagsschulen gibt es demnach in Sachsen mit 96,5 Prozent aller Schulen. In dem ostdeutschen Bundesland nutzen mit 73,3 Prozent auch die im Ländervergleich meisten Schüler Ganztagsangebote. Die wenigsten Ganztagsschulen weist Sachsen-Anhalt mit 24,6 Prozent aller Schulen auf. Den deutschlandweit geringsten Anteil von Schülern, die ganztägig zum Unterricht gehen, hat Bayern mit 10,5 Prozent.
Zugleich weist die Bildungslandschaft zahlreiche unterschiedliche Formen von Ganztagsschulen auf: Offene, gebundene oder teilgebundene Ganztagsschulen, also mit freiwilliger bis verpflichtender Teilnahme, unterschieden sich voneinander deutlich in Zeitstruktur, Kooperationen, Angeboten und individueller Förderung.
Nachholbedarf bei Ganztagsangebot an vielen Schulen
tagesthemen 22:15 Uhr, 05.06.2012, Esther Neumeier, ARD Berlin
Lob für die gebundene Ganztagsschule
Besonders große Möglichkeiten zur Förderung des sozialen und kognitiven Lernens bescheinigt die Untersuchung der sogenannten gebundenen Ganztagsschule, in der die Teilnahme am ganztägigen Unterricht für alle Schüler verbindlich ist. Diese biete gegenüber der offenen Ganztagsschule "die besseren Rahmenbedingungen, um jedes Kind individuell zu fördern", unterstrich das Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger.
Zugang zu solchen Ganztagsschulen haben aber nur 12,7 Prozent der Schüler. Ein Grund dafür könnten die Kosten sein: Die gebundene Ganztagsschule ist das teuerste von allen Ganztagsmodellen. Nach einer weiteren Bertelsmann-Studie müssten die Länder zusätzlich 9,4 Milliarden Euro pro Jahr investieren, sollten alle Schüler ganztätig unterrichtet werden.
Teilnahme allein garantiert keinen Erfolg
Damit die Ganztagsschule ihr Potenzial ausschöpfen kann, nennt die DJI-Studie drei wesentliche Faktoren: Erstens eine regelmäßige Teilnahme aller Schüler, zweitens eine hohe Qualität der Lernangebote und drittens eine Einbettung in kommunale Bildungslandschaften - also die Zusammenarbeit etwa mit Kindertagesstätten, anderen Schulen, Ausbildungsbetrieben, Musikschulen und Sportvereinen.
Dräger plädierte zugleich für einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz. "Jedes Kind in Deutschland sollte die Möglichkeit haben, eine gebundene Ganztagsschule zu besuchen. Mehr Ganztagsschulen alleine helfen allerdings nicht. Wir müssen auch dringend das konzeptionelle Vakuum überwinden, das die Ganztagsschule heute noch umgibt", erklärte Dräger.
Der weitere Ausbau solle sich am Leitbild der individuellen Förderung orientieren, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern. "Sonst werden die Potenziale der Ganztagsschule weitgehend verschenkt."
Stand: 05.06.2012 13:15 Uhr
