Martin Schulz und Olaf Scholz | Bildquelle: dpa

Gabriel zur Kanzlerkandidatur Mit Schulz und Scholz

Stand: 26.11.2016 12:07 Uhr

Ist es Teamgeist? Ein Schachzug? In der Diskussion um den SPD-Kanzlerkandidaten der SPD hat Parteichef Gabriel noch einen Namen ins Spiel gebracht: Hamburgs Bürgermeister Scholz. Der hatte sich bislang betont desinteressiert gegeben.

Von Eckart Aretz, tagesschau.de

Sigmar Gabriel und Martin Schulz - das Verhältnis der beiden Sozialdemokraten zueinander und ihre möglichen Ambitionen ist derzeit Gegenstand raunender Betrachtungen. Beiden wird unterstellt, mit der Kanzlerkandidatur der SPD zu liebäugeln. Zugleich gelten sie als Freunde, was ihre Entscheidung möglicherweise zusätzlich erschwert.

Der SPD muss das nicht unrecht sein, es gibt unangenehmere Schlagzeilen, und so will sich die Parteiführung nicht beeilen, einen Kanzlerkandidaten zu benennen, erst auf einer Parteiklausur im Januar soll es so weit sein. Und möglicherweise steht dann noch ein weiterer Name auf dem Stimmzettel.

Sigmar Gabriel und Martin Schulz | Bildquelle: dpa
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Schulz und Gabriel: Wie einträchtig ist, wie einträchtig bleibt ihr Verhältnis?

Durchsage in Duisburg

Der Parteivorsitzende, der für seine Alleingänge berüchtigt ist, hat jedenfalls ganz nebenbei noch einen Parteifreund ins Spiel gebracht. Als Ort dafür wählte Gabriel den Parteitag des SPD-Unterbezirks Duisburg, als Zeitpunkt den gestrigen Abend, als sich ein Großteil der Politpominenz und Journalisten schon innerlich auf den Bundespresseball in Berlin einstellte.

Vor 230 Delegierten beschwerte sich Gabriel darüber, dass Journalisten immer nur wissen wollten, ob er oder Schulz Kanzlerkandidat werde. Das, so Gabriel weiter, finde er "unfair". Denn: "Die vergessen, dass wir noch einen Dritten im Bunde haben, Olaf Scholz."

Abgesprochen oder eigenmächtig?

Ob dieser Vorstoß mit Scholz abgesprochen war oder eigenmächtig erfolgte: unklar. Hamburgs Erster Bürgermeister hat in der jüngeren Vergangenheit regelmäßig betont, er wolle auf seinem Posten bleiben und auch bei der Bürgerschaftswahl 2020 als Spitzenkandidat antreten.

Den Spekulationen über seine Absichten hat das keinen Abbruch getan, immerhin hat Scholz zwei Wahlen in Folge gewonnen und kann sich in seiner Heimatstadt auf eine Zustimmung stützen, die deutlich über seine Partei hinausgeht. Dass Scholz sich viel zutraut, stellt auch niemand in Abrede, und über bundespolitische Erfahrung verfügt er als ehemaliger SPD-Generalsekretär und Bundesarbeitsminister reichlich.

Drei statt einer

Nun also, zumindest für das Wochenende, drei Namen, drei mögliche Bewerber um die Kanzlerkandidatur der Sozialdemokraten. Gabriel gibt sich darüber erfreut und sich selbst eine Vorlage für Eigenlob. Es sei doch erfreulich, wenn die SPD über so viel Auswahl verfüge - "dann geht's dir doch besser als der CDU, die haben nur einen".

Ob Scholz, Schulz oder Gabriel tatsächlich gegen Angela Merkel antreten wollen, bleibt indes ungewiss. Die Bestandteile der Spekulation: Gabriel hat gerade mitgeteilt, dass er im kommenden Jahr noch einmal Vater wird. Schulz wiederum soll angeblich auch Ambitionen auf das Außenamt haben. Kann er als Kabinettsneuling gleich auch in die Rolle des Angreifers schlüpfen? Außerdem müsste der bisherige EU-Parlamentspräsident noch an seinem innenpolitischen Profil arbeiten. Und Scholz? Wie gesagt - hat angeblich andere Pläne.

Andererseits könnte die Vielzahl der Interessenten auch andeuten, dass die Sozialdemokraten sich für 2017 mehr ausrechnen. Merkel und die Union gelten inzwischen als durchaus besiegbar. Erfahrungsgemäß steigt mit den Aussichten die Zahl der Interessenten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2016 um 07:20 Uhr

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