Sigmar Gabriel | Bildquelle: dpa

Angriff auf Schulz Bedauert Gabriel die Bemerkung?

Stand: 12.02.2018 10:16 Uhr

Ein Seitenhieb gegen Martin Schulz, den Sigmar Gabriel seiner Tochter in den Mund legte, kam in der SPD nicht gut an. Nun streut der Außenminister, er bedauere den Spruch vom "Mann mit den Haaren im Gesicht".

"Papa, jetzt hast du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht", soll Sigmar Gabriels Tochter gesagt haben, um ihren Vater über den Verlust des Außenministeriums hinwegzutrösten - so hat es der amtierende Außenminister jedenfalls selbst in einem Interview erzählt. In der SPD fanden viele den schwach verhohlenen Seitenhieb gegen Parteigenosse Martin Schulz geschmacklos. Nun rudert Gabriel offenbar zurück: Er bedauere es, seine Tochter ins Spiel gebracht zu haben, berichtet der "Tagesspiegel" unter Berufung auf Vertraute des SPD-Politikers.

Es sei in seiner Umgebung kein Geheimnis, dass ihm die vermeintlich humorvolle Bemerkung gegenüber der Funke Mediengruppe leidtue. Auslöser sei seine Verärgerung gewesen: Wer der Partei so lange gedient habe, den könne es nicht kaltlassen, wenn er seinen Rausschmiss über die Medien erfahre und kein Wort des Dankes zu hören bekomme.

Schulz und Gabriel beim SPD-Parteitag | Bildquelle: AP
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Einträchtiger Jubel, Seit' an Seit': Schulz und Gabriel beim SPD-Parteitag im März 2017.

Schulz und Gabriel - ein spezielles Verhältnis

Nach dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen war Gabriel die SPD-Spitze hart angegangen und hatte sich über Respektlosigkeit und Wortbruch innerhalb der Partei beklagt: "Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt", sagte er.

Schon diese Kritik zielte offenkundig auf Martin Schulz, der Gabriel im Frühjahr 2017 als Parteivorsitzenden abgelöst hatte. Beide demonstrierten damals Einigkeit und ein humorvolles Verhältnis, Gabriel wünschte seinem Nachfolger "viel Spaß, den Sack Flöhe zusammenzuhalten".

Nach der krachend verlorenen Bundestagswahl brach Kanzlerkandidat Schulz erst mit seiner Ankündigung, die SPD in die Opposition zu führen, und dann mit seinem Vorsatz, nicht in eine Bundesregierung unter Kanzlerin Merkel einzutreten: Er kündigte an, das Amt des Außenministers in der kommenden Großen Koalition übernehmen zu wollen.

Gabriel hatte von Schulz' Ambitionen offenbar aus der Presse erfahren und wäre in einer solchen Konstellation vom Außenminister zum SPD-Politiker ohne jedes Amt herabgesetzt worden. Nach massiver Kritik an dem Schritt erklärte Schulz schließlich seinen Verzicht.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sagte im ZDF-Morgenmagazin, die Parteimitglieder seien "überrascht" über Schulz' Rückzug gewesen. Er bedauere dies, sehe es aber andererseits als "letzte Mahnung" an die Partei, Personaldebatten zu beenden.

SPD-interne Kritik an Gabriels Äußerungen

In der Bevölkerung genießt der amtierende Außenminister Gabriel Umfragen zufolge hohe Sympathien. "Wer zu unfairen Mitteln greift, nimmt sich dabei selbst vom Platz", hatte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil die Äußerungen kritisiert. Die Zeit der öffentlichen Personaldebatten sei vorbei. Bernd Westphal, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sprach sich hingegen für einen Ministerposten für Gabriel in der neuen Regierung aus, denn er habe "als Außenminister hervorragende Arbeit geleistet".

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 12. Februar 2018 um 10:15 Uhr.

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