Der Schatten von Sigmar Gabriel vor roter Wand | Bildquelle: dpa

Reaktionen auf Gabriel Überraschung - und Respekt

Stand: 24.01.2017 16:41 Uhr

Mit seiner Entscheidung, Schulz den Vortritt bei der Kanzlerkandidatur zu lassen, hat Gabriel auch zahlreiche Parteikollegen überrumpelt. Viele sprachen ihm ihren Respekt aus. Aus den anderen Parteien kam dagegen auch Kritik.

So überrascht sie waren, so sehr zollten sie Gabriel Respekt für seine Entscheidung: Lang anhaltender Applaus folgte der Ankündigung des Parteichefs in der SPD-Fraktion, nicht als Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl anzutreten. Das bestätigte Fraktionschef Thomas Oppermann. Seiner Ansicht nach gehören Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz in eine Hand. Daher sei es richtig, dass Gabriel dieses Amt abgibt, so Oppermann. Die Entscheidung verdiene größten Respekt. Auch viele SPD-Bundestagsabgeordnete brachten Gabriel große Wertschätzung entgegen.

Lob von Parteikollegen

Die stellvertretende Parteivorsitzende Manuela Schwesig lobte die Entscheidung als sehr guten Vorschlag. Auf Twitter drückte die Familienministerin Gabriel ihren Respekt aus.

Manuela Schwesig @ManuelaSchwesig
Sehr guter Vorschlag von @sigmargabriel für #Kanzlerkandidatur und #Parteivorsitz @spdde : @MartinSchulz �� Respekt @sigmargabriel !!!

Umweltministerin und SPD-Parteikollegin Barbara Hendricks zeigte sich überrascht. Man könne Gabriel dankbar sein, sagte sie ARD-Korrespondentin Sabine Rau.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht in Gabriels Entscheidung ein klares Signal gegen eine weitere große Koalition: "Mit Martin Schulz haben wir in dieser Zeit bessere Chancen". Die SPD sei von der großen Koalition enttäuscht, sagte er dem WDR: "Wir wollen einen Neuanfang."

SPD-Vize Ralf Stegner kommentierte die Überraschung süffisant: "Behauptungen, wonach es in der SPD langweilig sei, muss man als böswillige Verleumdung zurückweisen", schrieb er auf Twitter.

Grünen-Fraktionschefin und Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt erklärte über Twitter, sie habe großen Respekt vor der Entscheidung. Er sei aber weiterhin nicht weg.

K. Göring-Eckardt @GoeringEckardt
Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von @sigmargabriel. Aber er ist auch nicht weg #Abgesänge

Gelassenheit in der Union

CDU und CSU reagierten demonstrativ gelassen auf die Ankündigung der SPD, den früheren EU-Parlamentspräsidenten Schulz zum Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu machen. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte, man sei sehr gelassen, weil die Union "die besseren Argumente, die bessere Politik und die besseren Kandidaten" habe". Er freue sich auf einen "fairen Wahlkampf".

Ungnädiger dagegen die Reaktion von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: Gabriel hinterlasse "einen Trümmerhaufen", der Kandidat Schulz sei hingegen "das letzte Aufgebot", so der Christsoziale.

Kritik von FDP und AfD

FDP-Chef Christian Lindner kritisierte die Entscheidung als "ungeordneten Rückzug". Leichtfertig werde die Stabilität Deutschlands in dieser weltpolitischen Lage aufs Spiel gesetzt.

Der Chef der Linksfraktion, Dietmar Bartsch spricht von einer "souveränen Entscheidung des SPD-Vorsitzenden". Er werde die SPD auch weiter an ihren Taten messen, sagte er der Funke Mediengruppe.

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry hält nichts von einem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. "Symbol für EU-Bürokratie und ein tief gespaltenes Europa als Kanzlerkandidat?", twitterte sie.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Januar 2017 um 16:00 Uhr.

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