Ein Bundeswehrsoldat mit einem Sturmgewehr G36 nahe Kundus | Bildquelle: dpa

G36-Kommission legt Bericht vor Soldaten vertrauen dem Sturmgewehr

Stand: 14.10.2015 12:31 Uhr

Ministerin von der Leyen hat sich gegen das G36 entschieden, doch trotz aller Mängel - bei Einsätzen in Afghanistan gab es keine Probleme mit dem Sturmgewehr. Zu diesem Ergebnis kommt eine Experten-Kommission. Die Soldaten vertrauen dem Gewehr offenbar.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Viereinhalb Monate haben sie minutiös alle Gefechte, in die die Bundeswehr in Afghanistan verwickelt war, untersucht und aus Pulverdampf und Kriegslärm eine objektive Einschätzung zu destillieren versucht. Dazu wurden 150 beteiligte Soldaten befragt, Unterlagen und Berichte gelesen, Fotos und Videos gesichtet. Und auch wenn Kampfsituationen chaotisch und nur schwierig im Detail zu rekonstruieren sind, kommt die Kommission unter Vorsitz des früheren Verteidigungsexperten der Grünen, Winfried Nachtwei, zu einem ziemlich eindeutigen Ergebnis.

Keine Hinweise auf negative Auswirkungen

Nach Informationen von tagesschau.de gibt es keine Hinweise, dass das Sturmgewehr G36 und seine Präzisionsmängel in Extremsituationen negative Auswirkungen bei Gefechten gehabt haben.

Das Vertrauen der Soldaten in das Gewehr sei im Ganzen weiter vorhanden, resümiert ein Mitglied der Kommission gegenüber tagesschau.de. Ein belastbares Bild von den genauen Abläufen der Gefechte konnte die Kommission allerdings nicht nachzeichnen. Auch die Bilder von Drohnen seien keine echte Hilfe gewesen, weil sie nie gleichzeitig Schützen und Ziel zeigten.

Das Untersuchungsgremium, zu dem auch der frühere Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus gehört, war auf Veranlassung von Verteidigungsministerin von der Leyen im April vergangenen Jahres eingesetzt worden. Man werde "ohne Rücksicht auf politische Kollateralschäden" ermitteln, ließ Nachtwei mehrfach durchblicken.

De Maizière kann aufatmen

Der Bericht der Kommission hätte politischen Sprengstoff vor allem für von der Leyens Vorgänger de Maizière bergen können. Denn wäre man zum Ergebnis gekommen, dass die Probleme mit dem G36 eine konkrete Gefahr für die Soldaten im Gefecht darstellen und womöglich durch die mangelnde Präzision auch Soldaten gefährdet, verletzt oder gar getötet worden sind, hätte das den heutigen Innenminister auch nachträglich das Amt kosten können. Doch danach sieht es wohl nicht aus.

Die Kommission besuchte im Zuge ihrer Untersuchungen Einheiten in Bad Reichenhall, Zweibrücken und das Kommando Spezialkräfte in Calw und ließ sich das Gewehr auch auf dem Truppenübungsplatz im bayerischen Hammelburg vorführen. Die Soldaten hätten in allen Gesprächen keinerlei Hemmungen bei Kritik an der Ausrüstung gehabt - aber offenbar nicht speziell am G36. Im Gegenteil: Etliche Soldaten hätten die Verlässlichkeit der Waffe sogar gelobt. Lediglich das geringe Kaliber sei von dem ein oder anderen kritisiert worden.

Der 50-seitige Bericht der Kommission wird heute an Verteidigungsministerin von der Leyen übergeben. Sie hatte Ende April vergangenen Jahres angekündigt, dass das Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr "in seiner jetzigen Form keine Zukunft mehr" in der Truppe habe.

Neues Gewehr erst in zehn Jahren

Zuvor hatte unter anderem der Bundesrechnungshof schwere Vorwürfe erhoben, die Waffe treffe nach längerem Dauerfeuer nicht mehr präzise. Die Herstellerfirma Heckler&Koch hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Unabhängig davon hat das Verteidigungsministerium inzwischen entschieden, dass Ersatz für das seit 20 Jahren in der Bundeswehr genutzte Gewehr beschafft werden soll. Aufgrund der umfangreichen Ausschreibungsverfahren kann es aber noch zehn Jahre dauern, bis die Truppe eine andere Standardwaffe bekommt.

Soldaten loben Sturmgewehr G36
tagesschau 20:00 Uhr, 14.10.2015, Oliver Köhr, ARD Berlin

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