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Rechtsstreit gegen DOSB Der späte Sieg von Dreispringer Friedek

Stand: 13.10.2015 16:35 Uhr

Für den ehemaligen Dreispringer Charles Friedek endet ein Justizmarathon mit einem späten Sieg. Jahrelang stritt er mit dem DOSB über seine Nicht-Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking. Nun hat der ehemalige Top-Athlet vor dem BGH Recht bekommen.

Von Klaus Hempel, ARD-Rechtsredaktion

Siebzehn Mal hatte er die deutschen Meisterschaften gewonnen. Olympia 2008 in Peking sollte seine Karriere krönen. Olympia, der Traum eines jeden Athleten. Doch Charles Friedek durfte nicht mit.

Sein Rechtsanwalt Michael Lehner aus Heidelberg spricht Klartext und macht den verantwortlichen deutschen Sportverbänden schwere Vorwürfe. "Friedek ist Rudolf-Harbig-Preisträger, Weltmeister, ein klasse Athlet, auch menschlich ein Vorbild-Athlet, der am Zenit seiner Karriere stand. Nochmals an Olympischen Spielen teilzunehmen, wäre sein Traum gewesen. Ein Verband, der den Traum des Athleten nicht erfüllt, ist ein unmenschlicher Verband, hat ein ganz kaltes Gesicht. Das ist eigentlich eine Schande."

17 Meter - aber im gleichen Wettkampf

2008 war Friedek zweimal die damals für Olympia geforderte Weite von 17 Metern gesprungen - allerdings innerhalb eines Wettkampfes. Der Deutsche Leichtathletikverband nominierte Friedek nicht. Begründung: Friedek hätte die 17 Meter in zwei verschiedenen Wettkämpfen springen müssen. Das war damals aber nicht eindeutig so festgeschrieben. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nahm Friedek nicht mit zu den Sommerspielen. Das sei rechtswidrig gewesen, entschied nun der Bundesgerichtshof.

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Der deutsche Dreispringer Charles Friedek am 21.02.2009 in Leipzig bei den 56. Deutschen Hallen-Leichtathletik-Meisterschaften.

Das Urteil hat weitreichende Bedeutung für alle Sportverbände, die Sportler für internationale Wettkämpfe nominieren. Wenn die Kriterien unklar sind, darf dies nicht zu Lasten der Sportler gehen, so Rechtsanwalt Lehner. "Die Rechtsfolge der heutigen Entscheidung für die Verbände ist: Ihr müsst exakter arbeiten. Ihr müsst genau arbeiten. Ihr müsst das, was ihr wollt, genau reinschreiben. Es darf keine Widersprüche geben. Es wird immer wieder Fälle geben, in denen die Nominierungsrichtlinien nicht genau sind. Und dann ist der Athlet im Vorteil, der sie zu seinen Gunsten versteht."

Schadenersatz in Höhe von mehr als 100.000 Euro?

Nach dem Urteil hätte Dreispringer Friedek einen Anspruch darauf gehabt, an Olympia 2008 teilzunehmen. Der DOSB muss ihm nun Schadenersatz zahlen, auch wegen entgangener Sponsorengelder. "Charles Friedek hat Sponsoren gehabt, die hätten das ausgelobt, die hätten ihm mehr Geld gegeben. Das können wir nachweisen mit Verträgen. Das summiert sich dann in verschiedenen Positionen auf eine Summe von deutlich über 100.000 Euro", rechnet sein Anwalt vor.

Über die genaue Höhe muss nun das Landgericht Frankfurt entscheiden. Rechtsanwalt Lehner hofft aber, dass der Deutsche Sportbund bereit ist, sich mit Friedek außergerichtlich zu einigen. Und dann richtet er noch einen Appell an die Sportverbände. Sie sollten endlich die strengen Kriterien für Olympia und andere internationale Wettkämpfe überdenken. Sie seien manchmal sogar eine "Anstiftung zu Doping", da eine Leistung in den Nominierungsrichtlinien gefordert werde, die von den Athleten schlichtweg nicht erbracht werden könne. "Ich frage mich immer, was der Verband sich dabei denkt? Will er, dass die Athleten dopen?"

Die erste Reaktion des DOSB auf das Urteil fiel knapp aus. Über Inhalte könne man erst mehr sagen, wenn das schriftliche Urteil samt Begründung vorliege.

Dreispringer Friedek gewinnt gegen DOSB
K. Hempel, SWR
13.10.2015 17:27 Uhr

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