Sommerabend am See mit Liegestühlen am Ufer und Ruderern | Bildquelle: dpa

Neue Studie Immer Stress mit der Freizeit

Stand: 27.08.2015 16:48 Uhr

Das Wort "eigentlich" spielt in der Freizeitgestaltung der Deutschen eine große Rolle. Denn eigentlich würden sie häufig gerne mehr unternehmen. Meist bleibt es aber doch beim Konsum elektronischer Medien. Fernsehen ist erneut Spitzenreiter, so das Ergebnis der Studie "Freizeit-Monitor 2015".

Von Evi Seibert, ARD Berlin

Die Deutschen waren noch nie so gestresst in ihrer Freizeit, sagt Studienleiter Ulrich Reinhardt: "In sämtlichen vergleichbaren Situationen fühlen sich die Bürger gehetzter, genervter und angespannter."

Die allermeisten würden gern spontan machen können, was sie wollen, und auch mal ausschlafen. Stattdessen arbeiteten sie in ihrer Freizeit ein Programm ab, das immer umfangreicher wird, so die aktuelle Studie.

Teilnehmer bei der Arschbomben-Weltmeisterschaft | Bildquelle: dpa
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Ein Beispiel für ausgefallene Freizeitgestaltung: Ein Teilnehmer der Weltmeisterschaft im Splashdiving in Schweinfurt - eine Art "Arschbomben-Wettbewerb".

Allein die Angebote für Sportarten haben sich seit der letzten Umfrage verfünffacht. Und ständig müsse etwas Neues passieren, sagt Reinhardt. "Kaum eine Freizeitaktivität dauert heute ja noch länger als zwei Stunden - vom Fernsehfilm über die Verabredung bis zum Restaurantbesuch. Alle zwei Stunden braucht der Bundesbürger einen neuen Reiz."

Ohne Smartphone geht es nicht

Nichtstun kommt kaum noch als Freizeitbeschäftigung vor. Stattdessen wird jede freie Minute genutzt. Ob in der Warteschlange oder im Bus - überall wird auf dem Handy schnell noch was erledigt. Wir gehen weniger gemeinsam shoppen und Kaffee trinken als früher und haben weniger Zeit für unsere Kinder, so die Studie: "Die Eltern beschäftigen sich häufiger mit dem Internet als mit den eigenen Kindern. Auch das ist sicherlich auffällig."

Nach wie vor steht an erster Stelle der Freizeitbeschäftigungen: Fernsehgucken. Auf Platz zwei kommt Radiohören. Das erlebt gerade dank der vielen Internetsender ein echtes Comeback. Bei den jungen Erwachsenen kommt erstmals in den Top Ten kein einziger persönlicher Kontakt mit Freunden mehr als Freizeitbeschäftigung vor.

Ein Mann schaut Fernsehen | Bildquelle: dpa
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Die Glotze - immer noch Lebensmittelpunkt der meisten Menschen.

Zur Begründung, so Reinhardt, heiße es dann: "Ich bin aber irgendwie getrieben. Ich muss bei Facebook sein. Ich muss bei LinkedIn, bei Xing sein. Ich muss überall meine Profile pflegen und mit allen möglichen Leuten in Kontakt bleiben. An sich würde ich mich ja lieber mit meinen Freunden treffen, aber wir machen heute eben alles per WhatsApp. Telefonieren mit dem Handy dauert einfach zu lange." Es gehe darum, noch mehr Zeit zu sparen. Noch mehr gleichzeitig tun zu können. "Und das ist sicherlich auch etwas, das in der Freizeit dann wieder zu Stress führt."

Stress bei Jüngeren höher als bei Älteren

Die Jungen fühlen sich laut Studie in ihrer Freizeit gestresster als die Älteren, Frauen mehr als Männer. Alle kaufen und buchen mehr Freizeitangebote, als sie nutzen können. Ungelesene Bücher und ungehörte Musik stapeln sich in Regalen, Smartphones oder Tablets.

Man renne den selbst auferlegten Freizeitverpflichtungen hinterher - und sei damit nicht unbedingt glücklicher, so der Forscher: "Eigentlich wollen viele Bürger sich lieber treffen als nur zu skypen, zu telefonieren und zu mailen. Eigentlich wollen sie auch lieber unterwegs sein, Land und Leute kennenlernen, als nur passiv vor dem Fernseher zu verweilen. Und eigentlich wollen sie auch etwas spontan unternehmen, anstatt nur in der Routine des Alltags zu leben."

Um dieses "eigentlich" umzusetzen, rät Studienleiter Reinhardt: "Weniger ist mehr." Öfter mal was zu verpassen, könnte ein neuer Trend sein, der für die Freizeit mehr Entspannung verspricht.

Studie: Der gestresste Freizeitbürger
E. Seibert, ARD Berlin
27.08.2015 15:35 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 27. August 2015 um 12:41 Uhr auf InfoRadio.

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