Polizei sichert die Unterkunft für Flüchtlinge in Freital. | Bildquelle: dpa

Streit um Flüchtlingsunterkunft Protest in Freital - Sorge in Berlin

Stand: 25.06.2015 11:43 Uhr

In Freital bei Dresden gibt es seit Tagen Proteste gegen Flüchtlinge, die in einem früheren Hotel untergebracht sind. Zuletzt flogen dabei auch Flaschen, ein Mann wurde verletzt. Von aggressiver Stimmungsmache sprechen Ausländerbeauftragte aus Bund und Land sowie der Bundesjustizminister.

Den dritten Abend in Folge hat es im sächsischen Freital Proteste gegen die Unterbringung von Asylbewerbern in einem ehemaligen Hotel gegeben. Nach Angaben der Polizei versammelten sich rund 160 Gegner der Erstaufnahmeeinrichtung an der Zufahrt zu dem Gebäude. Sie trafen auf etwa 80 Gegendemonstranten. Die Polizei versuchte mit einem Großaufgebot, die Lager zu trennen, dennoch wurden einige der Gegendemonstranten mit Flaschen beworfen. Dabei wurde ein Mann leicht verletzt.

Während des Protests und unter Gejohle der Flüchtlingsheimgegner trafen 50 weitere Asylbewerber ein, darunter mehrere Frauen mit kleinen Kindern. In dem Heim sind seit Montag etwa 260 Flüchtlinge untergebracht worden. Schon zuvor waren in dem ehemaligen Hotel rund 100 Flüchtlinge untergebracht, doch seit die Landesregierung aus der Unterkunft ein Durchgangslager für Erstaufnahmen machen will, eskaliert der Protest.

Proteste in Sachsen gegen Flüchtlingsheim
tagesschau 20:00 Uhr, 25.06.2015, Eberhard Schneider, MDR

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"Äußerst besorgniserregend"

Die Vorgänge in der sächsischen Kleinstadt etwa 20 Autominuten entfernt von Dresden alarmieren inzwischen auch Bundespolitiker. Scharfe Kritik an der Stimmungsmache gegen Flüchtlinge kam von Bundesjustizminister Heiko Maas "Sorgen und unbegründete Vorbehalte müssen im Dialog besprochen werden. Wer bei uns aber Stimmung gegen Ausländer macht und Fremdenhass schürt, dem müssen wir entschlossen entgegentreten", sagte der SPD-Politiker.

Ein Aufruf zur Gewalt gegen Flüchtlinge sei "in keiner Weise akzeptabel", sagte auch die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, der "Berliner Zeitung". Deshalb sei "äußerst besorgniserregend", was in Freital passiere. "Es gibt ja vor Ort offensichtlich Menschen, die genau das wollen, aufwiegeln und eine bösartige Stimmung erzeugen. Das weckt durchaus schlimme Erinnerungen."

Polizei sichert die Unterkunft für Flüchtlinge in Freital. | Bildquelle: dpa
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Polizei sichert die Unterkunft für Flüchtlinge in Freital.

Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth warf den Organisatoren der Proteste ebenfalls aggressive Stimmungsmache vor. "Manche Formulierungen der Rädelsführer enthalten zumindest zwischen den Zeilen Aufrufe zu Gewalt gegen Personen und Sachen", sagte der CDU-Politiker. Die Opferberatung RAA und das Kulturbüro Sachsen sehen die Proteste gegen die Asylunterkunft klar rassistisch motiviert.

Freital ist der Wohnort des "Pegida"-Gründers Lutz Bachmann, der selbst zu Protesten gegen das Asylbewerberheim aufgerufen hatte.

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