Ortsschild der Stadt Freital in Sachsen

GSG-9-Einsatz und Festnahmen in Freital Razzia gegen Rechtsterroristen

Stand: 19.04.2016 09:54 Uhr

Spezialeinheiten der Polizei haben in Sachsen fünf Mitglieder der rechtsextremen "Gruppe Freital" festgenommen. Ihnen werden die Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung, schwere Körperverletzung und versuchter Mord vorgeworfen.

Im sächsischen Freital haben Spezialeinheiten der Bundespolizei fünf mutmaßliche Rechtsterroristen festgenommen. Wie der Generalbundesanwalt erklärte, gehören die Verdächtigen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren zu der rechtsterroristischen Vereinigung "Gruppe Freital". Über 200 Beamte des Bundeskriminalamts, der Bundespolizei sowie der sächsischen Polizei durchsuchten zudem Wohnungen und Häuser in der sächsischen Kleinstadt.

Den vier Männern und einer Frau werden demnach die Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung, schwere Körperverletzung und versuchter Mord vorgeworfen. Die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe hat Ermittlungen aufgenommen. Anlass waren Angriffe auf Asylunterkünfte und Flüchtlingshelfer. Justin S., Rico K., Maria K., Sebastian W. und Mike S. sollen heute oder morgen dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Hunderte "Polenböller"

Der Mitglieder der Terrorgruppe sollen seit Juli 2015 planmäßig Ausländer und Andersdenkende angegriffen haben. Dazu hatten sie Hunderte hochgefährliche Sprengkörper gesammelt und diese in mindestens drei Fällen gegen Gebäude und Personen eingesetzt, hieß es aus Karlsruhe. Diese sogenannten "Polenböller" werden in Osteuropa frei verkauft, haben in Deutschland keine Zulassung und sind auch nicht mit herkömmlichem Feuerwerk vergleichbar. Ihre Sprengwirkung ist so groß, dass die Bundesanwaltschaft einen Fall, den sie der "Freitaler Gruppe" zurechnet, als versuchten Mord wertet.

Politisch brisant an dem Fall ist, dass die ursprünglich zuständige Generalstaatsanwaltschaft Sachsen den Fall nicht - wie üblich - von sich aus dem Generalbundesanwalt als Terrorverdachtsfall vorgelegt hat, sondern die Bundesanwaltschaft die Akten angefordert und das Verfahren an sich gezogen hat, so ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt.

Ermittlungen gegen rechte Bürgerwehr

Bereits seit längerem ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Terrorverdachts gegen die Mitglieder einer rechtsextremen Bürgerwehr in der sächsischen Kleinstadt. Die zwei bislang von der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft geführten Verfahren richten sich gegen fünf Männer und eine Frau im Alter von 18 bis 40 Jahren. Unter anderem werden ihnen Angriffe auf Asylunterkünfte und Flüchtlingsunterstützer vorgeworfen. Drei Männer sitzen in Untersuchungshaft.

Anfang November und zuletzt im März waren im Zuge der Ermittlungen bei zahlreichen Razzien in Wohnungen in Freital und Dresden Sprengmittel und Nazi-Devotionalien gefunden worden. Auch Computer wurden sichergestellt.

Freital, das nur wenige Autominuten von Dresden entfernt liegt, hatte im Sommer vergangenen Jahres bundesweit Schlagzeilen gemacht: Tagelang kam es zu fremdenfeindlichen Protesten vor einem Flüchtlingsheim in einem ehemaligen Hotel. Immer wieder gab es Angriffe und Anschläge auf Asylbewerber und ihre Unterstützer.

Mit Informationen von ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt

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