Freiburg | Bildquelle: dpa

Verdächtiger Flüchtling Politiker warnen vor Stimmungsmache

Stand: 05.12.2016 13:54 Uhr

Nach dem Tod einer Freiburger Studentin haben Politiker vor einer Instrumentalisierung des Verbrechens gewarnt. Man werde keine Volksverhetzung zulassen, sagte Vize-Kanzler Gabriel. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 17-jährigen Flüchtling aus Afghanistan.

Nach dem Mord an einer Freiburger Medizinstudentin hat die Bundesregierung davor gewarnt, das Verbrechen zum Anlass für Pauschalurteile über Flüchtlinge zu nehmen. Sollte sich der Tatverdacht gegen den festgenommenen 17-jährigen Flüchtling bestätigen, dann müsse dieser für die abscheuliche Tat bestraft werden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Aber wir dürfen nicht vergessen, wir reden dann von der möglichen Tat eines afghanischen Flüchtlings, nicht einer ganzen Gruppe von Menschen, die wie er Afghanen oder Flüchtlinge sind."

SPD-Chef Sigmar Gabriel äußerte sich ähnlich. "So bitter es ist: Solche abscheulichen Morde gab es schon, bevor der erste Flüchtling aus Afghanistan oder Syrien zu uns gekommen ist", sagte der Vize-Kanzler der "Bild"-Zeitung. "Wir werden nach solchen Gewaltverbrechen - egal, wer sie begeht - keine Volksverhetzung zulassen. Es geht darum, die Täter zu ermitteln, vor Gericht zu stellen und hart zu bestrafen."

Der grüne Sozial- und Integrationsminister von Baden-Württemberg, Manfred Lucha, äußerte sich am Morgen im SWR: "Wir haben im vergangenen Jahr, nachdem sich die Zugangszahlen von Flüchtlingen beruhigt haben, enorme Leistungen in der Teilhabe und in der Integration der Geflüchteten erlebt." Man habe im Moment eine sehr große Normalisierung, so Lucha. Die Vorgänge in Freiburg würden bei aller Tragik von "wenigen Kräften" bewusst politisch genutzt werden.

Polizei nimmt Tatverdächtigen im Freiburger Mordfall fest
tagesschau24 15:00 Uhr, 05.12.2016, Stephan Basters, SWR

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"Pauschale Verdächtigung hilft nicht weiter"

Auch CDU-Vize-Chefin Julia Klöckner rief dazu auf, Flüchtlinge nicht unter Generalverdacht zu stellen. "Solche Grausamkeiten werden leider von In- wie Ausländern begangen, das ist leider kein neues Phänomen", sagte sie der "Bild"-Zeitung.

Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, mahnte, eine pauschale Verdächtigung von Menschengruppen helfe nicht weiter. Wachsamkeit und konsequente Aufklärung seien dagegen die richtigen Antworten auf den Mord von Freiburg.

"Polizei und Justiz kaputtgespart"

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, warf der Politik vor, Polizei und Justiz angesichts der vielen Zuwanderer nicht ausreichend ausgestattet zu haben. "Dieses und viele andere Opfer würde es nicht geben, wäre unser Land auf die Gefahren vorbereitet gewesen, die mit massenhafter Zuwanderung immer verbunden sind", sagte Wendt. Polizei und Justiz würden seit Jahren kaputtgespart.

Die 19-jährige Studentin war Mitte Oktober vergewaltigt worden, ihre Leiche wurde im Fluss Dreisam gefunden. Die Medizinstudentin war mit ihrem Fahrrad auf dem Heimweg von einer Uni-Party gewesen, als sie Opfer der Verbrechens wurde.

Der Mordverdächtige war im Jahr 2015 nach Deutschland eingereist und lebte danach als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling bei einer Pflegefamilie. Nach seiner Festnahme am Freitag äußerte sich der Jugendliche den Ermittlern zufolge bislang nicht. Auch gebe es bisher keinen Hinweis darauf, dass sich der Flüchtling und das Opfer kannten, sagte eine Polizeisprecherin. Ein 18,5 Zentimeter langes blondiertes schwarzes Haar am Tatort hatte die Ermittler auf die Spur gebracht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Dezember 2016 um 05:45 Uhr

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